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standard:abweichung
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Standard:
Durchschnitt, Norm, Regel, Raster, Mittelmaß, Leitbild, Dazugehörigkeit, Ideal, Klischee, DIN A
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Abweichung:
Absonderlich, Krank, Daneben, Besonders, Außerordentlich, Individuell, Querdenken, Komisch, Fremdkörper.
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Standard und Abweichung haben viele Namen und Formen. Standard und Abweichung bedingen sich gegenseitig. Die Grenzen zwischen beiden sind nicht starr. Abhängig von Zeit und Kontext finden Verschiebungen statt. Abweichungen können integriert und Teil des Standards werden und umgekehrt. Sie alle sind soziale Konstruktionen, die ein Innen und Außen schaffen. Wer durchs Raster fällt und außen steht, dem/der erwachsen dadurch Nachteile. Abweichung stellt aber auch das Gefühl von Individualität her.
Standard und Abweichung werden je nach Standpunkt und Situation unterschiedlich bewertet. Das eigenständige abweichende Handeln, um über das "Mittelmaß" hinaus zu wachsen, ist in unserer Gesellschaft genauso wichtig wie das Gefühl der Dazugehörigkeit. Obwohl Standard und Abweichung in Abhängigkeit von Sample bzw. Bezugsgruppe definiert werden, ist es innerhalb einer Gesellschaft überlebenswichtig, bestimmte gesamtgesellschaftliche Normen zu kennen, um sich in ihnen zu orientieren.
Über die Einführung von Standard und Abweichung verfestigen sich Regelwerke, durch die Macht ausgeübt wird und entlang derer die Gesellschaft sich nach bestimmten Ideen gestaltet (Dispositive der Macht nach Foucault [1]). Das Effektivitätsparadigma der Moderne wird zum Organisationsprinzip der Gesellschaft. Dies betrifft die gesamtgesellschaftliche "Biopolitik" genauso wie die individuelle Lebensplanung. Technik stellt im System der Dispositive eines der Instrumente zur Umsetzung dieser Ideen dar. Die Reproduktion wird durch die Entwicklung der Schulmedizin planbar gemacht, genauso wie die genormte Schaufel in der Produktion das individuelle Arbeitspensum standardisiert und überprüfbar macht.
Standardisierung bedeutet auch Berechenbarkeit und Gleichbehandlung. Der standardisierte Umgang mit Personen in einer idealen Bürokratie wie z.B. dem juristischen Apparat, eine der Errungenschaften der Moderne, befreit von der Willkür individueller despotischer Entscheidungen, macht aber auch Leid in großem Maße möglich. (Z.B. Einklagbarkeit von Menschenrechten versus staatlicher Rassismus umgesetzt durch Verwaltungen und Gerichte).
[2]
Die Ungleichheit produzierende Klassifikation in Mann und Frau, also die Reduzierung auf Männer- und Frauenrollen, die in der Heterosexualität aufeinander bezogen bleiben müssen, bestimmen unser Denken und Handeln. Dabei ist die Konstruktion der Frauentypen immer schon die Abweichung zum Standard der männlichen Typen, auf den Technik und Produktion ausgerichtet sind. Diese Hierarchie ist notwendig in einem patriarchalen System. Gedoppelt wird diese Struktur dadurch, dass auch innerhalb der Abweichung "Frauen" ein Standard-Abweichungs-System existiert. So gibt es standardisierte Frauenklischees und gesellschaftlich sanktionierte alternative Lebensweisen. Frauenrollen, die sich auf die "männlichen" Normen hin bewegen, finden keinen Eingang in den Standard. Frauen als Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen sind die doppelte Abweichung vom Standard.
Wenn es auch anstrengend ist, als Abweichlerin sein Leben zu gestalten, so hat es den großen Vorteil, dass es Abweichlerinnen möglich ist, den Blick von Außen auf das Ganze zu werfen, die Spielregeln zu durchschauen und damit umzugehen.

Viele der uns umgebenden Raster und Standards wurden im Zusammenhang mit der modernen Wissenschaft geschaffen. Die systematische Bewertbarkeit soll es ermöglichen, die Umwelt zu verstehen und zu erforschen. Technische Standards erzeugen soziale Normen, prägen unsere Interaktionen und wirken auf die technischen Standardisierungen zurück. Die Einführung der Waschmaschine veränderte beispielsweise den Reinheitsstandard von Kleidung, was wiederum zur vermehrten Anwendung der Waschmaschine verpflichtete. Entlang dieser soziotechnischen Standards wird Macht ausgeübt. Nicht durch Zufall kommen viele unserer technischen Errungenschaften aus dem Bereich der militärischen Forschung. Gleichzeitig produziert heute auch die Verweigerung von Zugang zu Techniken Ungerechtigkeiten.
Wissenschaftlerinnen und Technikerinnen stellen diese Standards immer wieder her. Es gibt keinen unschuldigen Umgang mit der Produktion solcher Raster. Kann es einen reflektierten geben? Können wir uns à la Haraway [3] der Standards bemächtigen und sie durch Neuzusammensetzung und Ironisierung auf lebbare Weise einsetzen und dadurch alte bestehende Herrschaftssysteme über den Haufen werfen?
Wir wünschen:
- Einen Durchschnitt der absonderlich ist
- Eine Norm die daneben ist
- Eine Ausnahme die die Regel ist
- Ein Vorbild das komisch ist
- Einen Standard der die Abweichung ist
>> Lebbare Welten wären die Folge
[1] Foucault, Michel (1977). Sexualität und Wahrheit. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
[2] Das "Damenrad" als Standard für Verkehrsschilder.
[3] Haraway, Donna (1995). Die Neuerfindung der Natur: Primaten, Cyborgs und Frauen. Frankfurt/M., New York: Campus.
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