Programm des 29. FiNuT-Kongresses 2003 in Berlin

Inhalt

  1. Schwerpunktthema standard:abweichung


  2. Arbeitswelt und Berufsperspektiven


  3. Bewegung und Kreativität


  4. Fachbeiträge


  5. Feministische Naturwissenschafts- und Technikforschung


  6. Frauengeschichte


  7. Gesellschaft und Politik


  8. Mädchen- und Frauenförderung


  9. Vernetzung/Kongress


  10. Fachgruppentreffen


  11. Spaziergänge/Exkursionen


1. Schwerpunktthema standard:abweichung

Mit dem Thema standard:abweichung wollten wir, die Veranstalterinnen, eine breite Politisierung des Kongresses erreichen und einen Rahmen stecken, in dem sich möglichst viele Frauen und Beiträge wiederfinden können.
Zudem erscheint uns eine Reflexion unseres Umgangs mit Standards und Abweichungen als sehr lohnenswert. Deshalb sind wir erfreut darüber, dass eine große Anzahl der Referentinnen sich tatsächlich in ihren Veranstaltungsankündigungen auf unseren diesjährigen Schwerpunkt bezieht.
All diese Veranstaltungen in diese Rubrik aufzunehmen, wie in den letzten Jahren üblich, halten wir angesichts der Breite des Angebotes zum Schwerpunktthema nicht für angebracht. Um dennoch eine Orientierungshilfe für diejenigen zu geben, die sich besonders für das Thema interessieren, sind die Veranstaltungen, die unserer Meinung nach einen sehr engen Bezug zum Schwerpunkt aufweisen, im Titel mit einem Stern (*) gekennzeichnet.

Weil das Thema so vielschichtig ist und keine vorgefertigten Lösungen angeboten werden können, gibt es dieses Jahr quasi als standard:abweichung ein neues Element auf dem Kongress: OPEN SPACE.

1.1. OPEN SPACE

Dipl. Berufspädagogin Tanja Pullwitt, Dipl. Psychologin Cäsilia Müller

Samstag 14:00 - 17:30

Wir wollen Euch am Samstag Nachmittag die Gelegenheit geben, die bis dahin gesammelten Eindrücke und aufgeworfenen Fragen zum Schwerpunktthema auf einem Open-Space zu diskutieren. Dies ist eine Kommunikationsmethode die mit 50 bis 1000 Personen durchgeführt werden kann. Jede kann Ihre persönlichen Anliegen zum Thema einbringen und sich mit anderen darüber austauschen.
Wir haben dafür drei Stunden vorgesehen. Zuerst wird eine Moderatorin das System erklären, dann werden die verschiedenen Fragestellungen mitsamt der Fragerin auf die Seminarräume verteilt und jede kann sich einer oder der Reihe nach unterschiedlichen Diskussionsrunden, die sie interessieren, anschließen. Jede verweilt dort jeweils so lange sie auf das Thema Lust hat. Die einzelnen Diskussionsergebnisse werden dann in der Dokumentation veröffentlicht.
Wir hoffen, dass sich durch das Open Space neue Konstellationen ergeben, Frauen aus den verschieden Disziplinen aufeinander zugehen und bisher nicht entdeckte Fragestellungen aufwerfen. Dem ambivalenten Thema der standard:abweichung wollen wir so gerecht werden und einen Rahmen zu dem umfassenden Programm des Kongresses schaffen.

1.2. Podiumsdiskussion: "Das Technische ist politisch!"

Angelika Saupe, Bettina Törpel, Corinna Bath, Ulrike Kissmann
Jeanette Hofmann (Moderation)


Freitag 14:00 - 17:00

Der Titel der Veranstaltung nimmt Bezug auf Langdon Winners Aufsatz "Do artefacts have politics?", der von der sozialen Gemachtheit von Technik als politischem Projekt ausgeht. Gleichzeitig knüpft der Titel an den Slogan der zweiten Frauenbewegung "Das Private ist politisch" an. Im Anschluss an Autorinnen wie Donna Haraway, die Feministinnen dazu aufrufen, Verantwortung bei der Technologiegestaltung zu übernehmen, soll auch hier der eigene Anteil an der Macht, die Technologien mit zu formen, in den Blick genommen werden.

Technikgestaltung und Techniknutzung erfolgen in sozialen Räumen, die von Machtverhältnissen, Geschlechterhierarchie und der Annahme dichotomer Zweigeschlechtlichkeit durchtränkt sind. Das implizit Vorausgesetzte und Selbstverständliche scheint mit dem Technischen auf verschiedenste Weise verwoben zu sein. So vergegenständlichen etwa diejenigen, die technische Artefakte konzipieren und konstruieren, ihre jeweiligen Vorstellungen von "Normalität" und "Abweichung" in diesen Artefakten. Gleichzeitig beruht aber auch die Nutzung, die konkrete Interaktion mit Technologie, auf Deutungen, die durch gesellschaftliche Annahmen, soziale Normen und kulturelle Praktiken geprägt sind. Unreflektierte Setzungen von Geschlechtlichkeit und andere Klassifikationen werden im Einsatz und in den Prozessen der Aneignung von Technik als selbstverständlich hervorgebracht.

Ziel der Veranstaltung ist es, die Möglichkeiten feministischer Intervention in der Technologiegestaltung und -nutzung auszuloten. Denn das Gefüge von Gesellschaft, Geschlecht und Technik bieten vielfältige Ansatzpunkte des Eingriffs. Das Vorhaben setzt das Grundverständnis voraus, dass Technologien in sozialen Prozessen konstruiert, prinzipiell (innerhalb eines gewissen Rahmens) veränderbar und zugleich gesellschaftspolitisch höchst wirkmächtig sind. Wie sich die komplexen Verwicklungen jedoch konkret begreifen lassen und vor allem in welcher Form bzw. mit welchen Strategien sich in die je diagnostizierten Zusammenhänge eingreifen ließe, darüber besteht in den feministischen Technologiedebatten kein Konsens.

In der Podiumsdiskussion sollen unterschiedliche Positionen zu diesen Fragen aufgezeigt und ins Gespräch gebracht werden. Dabei soll - trotz der weitgehenden Beschränkung und Fokussierung auf Informationstechnologien - die Bandbreite bestehender Ansätze zur feministischen Technikkritik und -gestaltung deutlich werden. Insgesamt geht es vor allem darum, feministische Handlungsperspektiven zu eröffnen.

Die Referentinnen:
Angelika Saupe studierte Landschaftsplanung an der TU Berlin und promovierte im Fachgebiet Soziologie an der Universität Bremen. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die feministische Naturwissenschafts- und Technikkritik, Gesellschafts- und Wissenschaftstheorie sowie Techniksoziologie. Zur Zeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Dortmund in dem Projekt "Dynamik der Geschlechterkonstellationen".

Bettina Törpel studierte Informatik, Psychologie und Human Development in Berlin und Rochester (USA). Sie arbeitet an der IT-Universität in Kopenhagen in der Arbeitsgruppe "Design and Use of Information Technology" (DUIT). Ihre Forschungsgebiete sind Partizipative Systementwicklung und Computerunterstützte Kooperation (CSCW).

Corinna Bath ist Diplom-Mathematikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am FB Mathematik/Informatik sowie am Zentrum für feministische Studien der Universität Bremen. Sie arbeitet zur Geschlechterforschung in der Informatik, feministischer Wissenschafts- und Technikforschung, Theorien der Informatik sowie Transdisziplinarität und promoviert über Ko-Produktionen von Technik und Geschlecht in der Informatik.

Jeanette Hofmann ist promovierte Politikwissenschaftlerin und forscht am Wissenschaftszentrum Berlin und bei Nexus über das Internet und die Konflikte in der Wissensordnung. Arbeitsschwerpunkte der letzten Jahre sind die Regulierung des Domainnamensystems, ICANN und die Beziehung zwischen Digitalisierung und Geistigem Eigentum.

Ulrike Kissmann absolvierte ein Doppelstudium in Physik (Dipl.-Phys.) und Philosophie (M.A.) in Berlin und Paris, ein Aufbaustudium in Wissenschafts- und Technikforschung am Research Centre for Social Sciences in Edinburgh (M.Sc.) und hat am Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel im Bereich der sozialwissenschaftlichen Technikforschung promoviert. Ihre Forschungsgebiete sind die sozialwissenschaftliche und feministische Technikforschung, die Biographieforschung, Wissensmanagementsysteme und der Zusammenhang von Technik, Organisationen und biographischen Strukturierungen der Akteure.

1.3. Philosophisches Café

Dörte David, Doris Grüneberg, Christel Ketelsen, Karin Lange-Puttfarcken, Claudia Lenz

Samstag 16:00 - 19:00

Ein philosophisches Café ist ein Ort, an dem wir im gemeinsamen Gespräch unser Kritik- und Urteilsvermögen schulen, indem wir Begriffen, Grundannahmen und gewohnten Denkweisen fragend nachgehen. Wir erschließen reflektierend neue Perspektiven und lernen es, die Gründe zu erfragen, die zu unterschiedlichen Denk- und Sichtweisen führen.
Diesem Ort möchten wir, wie 2001 und 2002, auch auf diesem Kongreß wieder Raum geben. Die Offenheit, mit der aufeinander zugegangen wurde, die Vielfalt der geäußerten Gedanken und die gleichberechtigte und engagierte Teilnahme der Frauen zeigen, ein philosophisches Café paßt gut auf den Kongreß. Eine neue "Standard-Veranstaltung"? So möchten wir Euch erneut einladen, mit uns über das Schwerpunktthema zu philosophieren. Ihr habt Gelegenheit, über die Begriffe "Standard" und "Abweichung" und deren sich verändernde Verhältnisse zueinander nachzudenken, und könnt eigene Erfahrungen, Fragen und Gedanken einbringen. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, wohl aber die Bereitschaft, sich auf neue Denk-Wege zu begeben.
Das Schwerpunktthema wird zum Denkanstoß und das, was auch auf dem Kongress unter diesem Thema abgelaufen ist, Gegenstand des Nach-Denkens.

Die Referentinnen:
Seit 1999 treffen wir uns in privatem Kreis, um in entspannter Umgebung zu philosophieren. Seit 2001 (Wien) bieten wir das "Philosophische Café" auf dem Kongress an, wobei wir jeweils das Kongress-Motto als Denkanstoß gewählt haben.

2. Arbeitswelt und Berufsperspektiven

2.1. (*) Der Lebenslauf als Standardabweichung

Eva Tulp, Dagmar Heymann

Workshop, Samstag 9:00 - 10:30

Als wir anfingen, zu studieren, hatten wir eher die Standardlaufbahn als Ingenieurin bzw. Wissenschaftlerin im Kopf. Das hieß damals immerhin: kein Standardfrauenleben. Es kam aber dann doch etwas anders. Immer mal wieder paßte etwas nicht: die eine nicht in den Unibetrieb, der klassische Beruf nicht zur nervenden Fernbeziehung. Aber auch die Arbeitslosigkeit mit Problemen wie wunderbaren Freiheiten war nicht zuverlässig. So konnten uns das Leben wie der Arbeitsmarkt doch noch überraschen.
In der AG möchten wir mit anderen Frauen einige Abweichungen zusammentragen und näher beleuchten: was haben sie uns gebracht? Was für Probleme und Möglichkeiten bringt der Standard und die Abweichung? Außerdem freuen wir uns auf Neugierige, die wissen wollen, was so alles möglich oder unmöglich ist.

Die Referentinnen:
Lebenslauf: lebenslänglich, als Ingenieurin bzw. Biochemikerin: 23 bis 33 Jahre (mit Studium), als Feministinnen und Lesben: etwas kürzer.

2.2. (*) Von einer die auszog, das Fremdsein zu lernen

Meike Rathgeber, Corinna Kleßmann

Workshop, Freitag 14:00 - 15:30

Dieser Workshop richtet sich an Frauen, die schon einmal länger im Ausland gelebt haben oder vorhaben, ins Ausland zu gehen. Auslandserfahrungen haben heute gesellschaftlich einen hohen Stellenwert, sie werden immer öfter als Ausbildungsstandard erwartet. Jenseits allen "Marktwerts" ist das Leben in einem anderen Land aber eine tiefgreifende Erfahrung, die gewohnte Sichtweisen in Frage stellt. In Spielen und Diskussionen wollen wir reflektieren, was Fremdsein ausmacht und was es für uns bedeutet. Welche Erwartungen hatten oder haben wir an unsere Auslandsaufenthalte? Welche Verhaltens- und Denkmuster haben wir in der Fremde an uns beobachtet und wie gehen wir nachträglich mit Ihnen um? Welche Erfahrungen haben wir mit Normen gemacht, inwiefern sind wir aus dem Rahmen gefallen? Hat sich unser Blick auf unser eigenes Land und unseren Umgang mit Fremden verändert?

Bezug zum Schwerpunkt:
Auslandserfahrungen konfrontieren uns mit ungewohnten Normen und stellen unsere eigenen in Frage, bieten aber gleichzeitig die Chance, bewußt von Standards abzuweichen.

Die Referentinnen:
Wir haben beide länger im Ausland studiert/gearbeitet/gelebt und möchten uns mit anderen über unsere Erfahrungen austauschen.

2.3. Erinnerungsarbeit: Zur Hierarchieerfahrung von FrauenLesben im technischen Bereich

Gaby Herbert, Gudrun Müller, Doris Stolle, Helga Zeidler, Olga Zitzelsberger

Workshop, Samstag 9:00 - 12:00

Hierarchie ist auf komplexe Art und Weise von Geschlechterverhältnissen geprägt und wirkt auf diese zurück. Gerade in technischen Arbeitsbereichen sind Hierarchie, Technikkompetenz und Geschlechtszugehörigkeit eng miteinander verknüpft.
Mit Hilfe der sozialwissenschaftlichen Methode der "Erinnerungsarbeit" möchten wir diesem Wechselspiel auf die Spur kommen. Dazu werden wir gemeinsam Geschichten zum Thema: "Als sie eine Hierarchieerfahrung im technischen Bereich machte..." anhand vorgegebener Leitfragen interpretieren. Aus den persönlichen, vermeintlich "einmaligen" Erlebnissen lassen sich auf diese Weise spannende Einsichten über die gesellschaftlichen Verhältnisse gewinnen.
Eine Methode, die nicht nur interessante persönliche wie theoretische Erkenntnisse hervorbringen kann, sondern ebensoviel Spaß macht.

Teil 1: Einführung in Thema und Methode, Gelegenheit zum eigenen Geschichtenschreiben
Teil 2: Interpretation der Geschichten, Gesamtauswertung

Bezug zum Schwerpunkt:
Frauen/Lesben sind in den technischen Arbeitsbereichen immer noch in der Minderheit, bilden also eine Abweichung vom Standard. Dies hat auch Konsequenzen für Hierarchieerfahrungen. Diesen wollen wir in der Veranstaltung nachgehen.

Die Referentinnen:
Wir beschäftigen uns seit mehr als zehn Jahren mit Kollektiver Erinnerungsarbeit zu unterschiedlichen Fragestellungen.

2.4. Feminisierte Professionalitätskriterien in deutschen Softwarefirmen?

Esther Ruiz Ben

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

In den letzten Jahren hat die Softwarebranche eine rasante Entwicklung erlebt, die vor allem durch die breitere Präsenz des Internets in vielen Bereichen der Wirtschaft geprägt wurde.
Diese Entwicklung hat auch die Professionalitätskriterien in der Branche beeinflusst, indem die Berücksichtigung der KundInnenwünschen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Interaktion zwischen SoftwareentwicklerInnen und KundInnen, die Empathie zwischen beiden Akteuren wird zum wichtigsten Kriterium im Hinblick auf die künftige Qualität von Softwareprodukten, wobei Kommunikationsfähigkeiten immer mehr in den Vordergrund hineindringen. Diese Fähigkeiten werden traditionell und stereotypisch an Frauen zugeschrieben.
In dieser Veranstaltung wollen wir auf der Basis mancher Ergebnisse unserer Befragung mit Personalverantwortlichen in deutschen Softwarefirmen (DFG finanziertes Projekt) die Entwicklung von Professionalitätskriterien in der Branche und die Chancen für die Beteiligung von Frauen thematisieren.

Bezug zum Schwerpunkt:
Im Zusammenhang mit dem Thema der Veranstaltung "Standard:Abweichung" will ich in diesem Vortrag zeigen, wie sich die Konstruktion von Geschlecht in Softwareunternehmen und die Etablierung von Professionalitätskriterien in solchen Organisationen gegenseitig beeinflußen und Segregationsprozesse mit sich bringen. In anderen Worten, wie bestimmte Positionen und Tätigkeiten in Softwarefirmen aufgrund "technischer Affinitäten" für Männer und Frauen stereotyp "standardisiert" werden.

Die Referentin:
Ich arbeite seit 2000 in diesem Projekt, das von der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramm "Professionalisierung, Organisation, Geschlecht" finanziert wird.

2.5. Frauen in der Wissenschaftsdisziplin Mathematik

Dr. Kristina Hackmann, Stephanie Radtke

Vortrag, Samstag 11:00 - 13:00

Vorgestellt werden soll eine zwischen Mathematik und Sozialwissenschaften interdisziplinär angelegte Untersuchung, in der erfolgreich etablierte Mathematikerinnen in Interviews danach befragt wurden, welche individuellen und institutionellen Umstände und Strukturen sie für sich als förderlich erfahren haben, und wie sie ihren Status in der Disziplin charakterisieren.
Basis ist die Auswertung leitfadengestützter Interviews fast aller Mathematikerinnen, die in der Bundesrepublik Deutschland derzeit eine Professur oder dauerhafte Stelle als Dozentin an einer Universität, einer Technischen Hochschule oder einer Gesamthochschule innehaben. Es erschließt sich ein vielfältiges Spektrum von Bedingungen und Strukturen, auf die Frauen bei ihrem Weg zu einer Professur treffen.
Gemeinsamkeiten in der Darstellungen förderlicher Bedingungen können ebenso herausgearbeitet werden wie Unterschiede. Dabei werden sowohl biographische als auch universitäts- und wissenschaftsbezogene Bedingungen einbezogen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Frauen als Mathematikerinnen: doppelte Abweichung vom Standard? Welche Erkenntnisse ergeben sich aus der Rekonstruktion berufsbiographischer Erzählungen von erfolgreichen Mathematikerinnen? Wie schätzen sie ihre berufsbiografischen Verläufe selbst ein? Gibt es Unterschiede/ Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Karrierestationen in der ehemaligen DDR und BRD? Gelten erfolgreiche Mathematikerinnen in anderen Ländern als Standard und/ oder als Abweichung - welche gesellschaftlichen Verhältnisse beeinflussen diesen Status?

Die Referentinnen:
Seit Mai 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Drittmittelprojekt "Status von Frauen in der Wissenschaftsdisziplin Mathematik". Gefördert vom Niedersächsischen Forschungsverbund für Frauen- und Geschlechterforschung in Naturwissenschaft, Technik und Medizin. Angesiedelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung und Fachbereich 6, Mathematik. Projektleiterinnen: Prof. Dr. Karin Flaake (Soziologie), Prof. Dr. Irene Pieper-Seier (Mathematik)

2.6. Frauen in Führungspositionen

Ingrid Laude

Workshop, Samstag 16:00 - 17:30

Frauen in Führungspositionen sind immer noch selten. Seit 1 ˝-Jahren leite ich eine Abteilung mit 9 Mitarbeitern in einem großen Entsorgungsunternehmen. Täglich setze ich mich mit den Themen Mitarbeiterführung und Vorgesetztenfunktion auseinander. Dabei beschäftigen mich insbesondere Fragen, wie
- Führen Frauen anders als Männer?
- Haben Frauen andere Ansprüche an ihre Vorgesetztenrolle?
- Wie setzen Frauen ihre Ziele und Aufgaben durch?
- Werde ich den Anforderungen meiner Mitarbeiter und Vorgesetzen gerecht?
- Wie erleben sich Frauen in ihrer Führungsrolle? Wie werden sie wahrgenommen?
- Wie gehen Frauen mit Konflikten um?
Nach einem kurzen Einführungsvortrag (Schilderung meiner Situation) möchte ich mit den Teilnehmerinnen über das Thema diskutieren. Es wäre schön, wenn ein Exkurs in die Kommunikationspsychologie möglich ist.

Zielgruppe:
Frauen, die auch Vorgesetzte sind, Vorgesetzte werden oder Erfahrungen in diesem Bereich haben.

Die Referentin:
Seit 1,5 Jahren bin ich Vorgesetzte von 9 MitarbeiterInnen. Seitdem ich diese Funktion ausübe, setze ich mich täglich mit den Themen "Mitarbeiterführung" und "Vorgesetztenfunktion" auseinander. Zu beiden Themen habe ich Seminare besucht, die mir wertvolle Anregungen gaben. Zudem habe ich mich etwas mit Kommunikationspsychologie beschäftigt.

2.7. Frauen und Mathematik - Von der Abweichung zur Normalität?!

Anina Mischau

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

Mathematikerinnen wurden in der Wissenschaftsgeschichte ihrer Disziplin zumeist auf ihre Außenseiter- oder Exotinnenposition festgeschrieben oder einfach verschwiegen und ausgegrenzt. Auch heute noch scheint Mathematik auf den ersten Blick weiter eine Männer-Domäne zu sein. Der Professorinnenanteil liegt in Deutschland nicht einmal bei 5% und auch in außeruniversitären mathematischen Spitzenpositionen finden sich nur wenige Frauen.
Der zweite Blick zeigt jedoch: Im WS 2001/2002 lag der Studentinnenanteil bei knapp 44%, der Anteil der Studienanfängerinnen ist sogar noch höher. Zeigt sich hierin eine längst fällige Überwindung des asymmetrischen Geschlechterverhältnisses und die allmähliche (Rück-)Eroberung dieser Disziplin durch Frauen?
Ergebnisse einer quantitativen Befragung von Mathematikstudierenden der Universität Bielefeld zu ihrer Studienmotivation und -situation, dem Fachinteresse, den Einstellungen zur Mathematik, der Karriereorientierung usw. zeigen, wo sich geschlechtsspezifische Unterschiede unverändert halten und wo sich diese inzwischen (langsam) auflösen.

Die Referentin:
Die Referentin arbeitet seit mehreren Jahren zu unterschiedlichen Fragestellungen des Themenkomplexes Geschlechterverhältnisse in den Natur- und Ingenieurwissenschaften

2.8. Gender Standards In Ukrainian Scientific Community

Vira Troyan, Olena Klyuchko, Nataly Taran

Vortrag (English), Samstag 9:00 - 10:30

The Ukraine is undergoing a process of democratic reform and this allows us - NGO "Women in Science", Kiev - to investigate gender problems. We showed that we have 51% of women - students, 14-20% - Doctors of Sciences and only 4% - Academicians. A low percentage of women is observed among scientists, professors of National Kyiv University and National Technical University. A comparison of these data with those from countries of the EU, USA and Japan allows us to conclude that such data are close to standards for the scientific community in the whole world. We're aiming to improve this situation and we work on: an analysis of the reasons of women's low representation in science, gender monitoring of different branches in science and education, introduction of the gender equality idea into the gifted youth education, development of training programs and seminars for the increase of women in professional and social activity, establishing an information network, spreading the data concerning women's role in science progress.

Common aspects with the overall congress subject "standard:deviation":
Patriarchal society develops its standards with women: slight representation in main spheres of social life. The sphere of science is not a deviation from this standard. Difficulties in combining of family and scientific work as well as economical difficulties of family life in developing countries - all this results in great intellectual losses of societies. That is why the measures aimed on changes of this standard are important. Our experience evidences that these measures have to be realized by women by themselves.

The Authors:
We have worked under this theme from the time of creation of our NGO "Women in Science" (Kyiv) in 1996. The members of our organization have different degrees in science: Ph.D, Doctor of Sciences, among them there are scientists and teachers from different Universities and Research Institutes of National Academy of Sciences (Ukraine).

2.9. Hochschulreform

Andrea Borch, Stefanie Russ

Workshop, Freitag 16:00 - 17:30

In der letzen Legislaturperiode hat die Bundesregierung das Hochschulrahmengesetz reformiert. Neu ist hieran die Abschaffung der Habil sowie die Einführung der Juniorprofessur, die dem wiss. Nachwuchs schon rel. früh die selbständige Tätigkeit in Forschung und Lehre ermöglichen soll. Es wird davon ausgegangen, dass Promotion + Postdocphase in 6 Jahren abgeschlossen ist, und die Juniorprofessur weitere 6 Jahre dauert. Im Gegenzug wird die Tätigkeit auf befristete Stellen ebenfalls unter Anwendung der 6+6 Jahre Regelung zeitlich begrenzt. Nach dieser Zeit ist frau also entweder per Definition Professorin und bewirbt sich auf entspr. Stellen, oder verlässt die Wissenschaft.
Wir möchten mit Euch darüber diskutieren, wie Eure Meinung zu dem Gesetz ist, welche Chancen und Risiken Ihr seht, und wie Eure Erfahrungen mit dem neuen Gesetz sind. Werden sich ungewöhnlich Lebensläufe, Quereinstiege, Kindererziehungszeiten etc. in Zukunft noch in eine wiss. Karriere integrieren lassen?

Bezug zum Schwerpunkt:
Gesetze schaffen Standards. So auch das Hochschulrahmengesetz. Wer sich diesem Standard entziehen möchte, muss sich also dem Geltungsbereich dieses Gesetzes entziehen: Abwanderung ins Ausland. Im Ausland angekommen wird frau wieder zur Abweichung, diesmal bezogen auf andere Standards.
Bisher galt der Standard der Habilitation. Dieser wurde abgeschafft und durch den neuen Standard ersetzt, dass frau nach spätestens 12 Jahren auf befristeten Stellen soweit ist, sich auf Professorenstellen bewerben zu können. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass frau sich während dieser Zeit voll der Wissenschaft widmet. 12 Jahre Vollzeit werden zum Standard, eine Teilzeittätigkeit aus familiären Gründen zur Abweichung. Mehr noch: Professorinnen sind der Standard, ein Verbleib in der Wissenschaft ohne Professorin zu sein die Abweichung. Oder anders herum: Das Verlassen der Wissenschaft wird zum Standard und der Verbleib in der Wissenschaft zur Abweichung.

Zielgruppe:
Alle Frauen, die sich für die Hochschulreform interessieren und/oder davon betroffen sind.

Die Referentinnen:
Wir sind Mitglieder des Arbeitskreises Chancengleichheit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Auf der letzten Physikerinnentagung im November kam die Anregung zu dem Projekt "Hochschulreform". Zwei von uns haben sich spontan hierzu bereit erklärt, andere sind über die Mailingliste des AKC hinzugekommen. Zunächst haben wir über die Mailingliste eine Umfrage durchgeführt, die zu einiger Resonanz und damit auch Interesse an dem Thema führte. Weiteres Vorgehen ist für uns die weitere Informationsbeschaffung durch Quellenarbeit sowie die Diskussion, der Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit Frauen, die es interessiert und/oder betrifft.
Falls der weitere Diskurs zu konkreten Kritikpunkten an dem Gesetz führen sollte, ist angedacht, sich hiermit an Frau Bulmahn zu wenden.

2.10. Interdisziplinarität als Voraussetzung geschlechtergerechter Technikbildung

Christine Wächter

Vortrag, Freitag 11:00 - 12:30

Ein einjähriges Projekt im 5. EU-Rahmenprogramm bestätigt die Hypothese, dass interdisziplinäre technische Studiengänge, die zumindest 25 % sozio-ökonomische Fächer beinhalten, Frauen in höherem Maße ansprechen als rein technische Studien. Die Auswertung von qualitativen Interviews, Fragebögen und Fallstudien aus sieben Ländern ergab, dass Sprachen, Wirtschaft und Management als besonders wichtige Kombinationsmöglichkeiten erachtet werden. Personalmanagement, Psychologie, Führungskompetenz scheinen ebenfalls wichtig, aber im Studienplan schwer umzusetzen. Geteilter Meinung waren die Befragten über die Fachgebiete Recht, Technik und Gesellschaft, Kultur- und Sozialwissenschaften. Hier reichte die Bandbreite der Einschätzungen von starker Befürwortung bis zu "nicht unbedingt notwendig". In meinem Beitrag will ich Projektergebnisse, Forderungen und Vorschläge für eine geschlechtergerechte Technikbildung zur Diskussion stellen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Klassische Ingenieurausbildung orientiert sich schwerpunktmäßig disziplinär. Interdisziplinäre Zugänge sind Abweichungen vom Standard.

Die Referentin:
Seit mehr als 10 Jahren arbeite ich an dem Thema. Wir bieten am IFF/IFZ selbst interdisziplinäre Lehrveranstaltungen an. Von Juli 2001 bis August 2002 war ich an einem EU-Projekt beteiligt, das Möglichkeiten und Potentiale interdisziplinärer Studiengänge in den Natur- und Ingenieurwissenschaften daraufhin untersucht hat, ob diese für Frauen stärkere Attraktivität hätten.

2.11. IT-Arbeitsbereiche und -Profile

Nadja Faber, Claudia Koltzenburg, Astrid Schnädelbach, Marzena Stana, Theresa Velden, Karin Wenzel

Seminar, Freitag 11:00 - 13:00

Überblicksveranstaltung mit beruflichen Kurzportraits aus den Bereichen Projektmanagement, Software- und Systementwicklung, Systemberatung etc.:
- Laboratory information management systems software (LIMS) - Systemanalyse, Laborprozesse in Workflows umsetzen, Datenbankdesign, Grafische User Interfaces GUI, Koordination und viel Kommunikation (Nadja Faber, Heidelberg);
- Wissenschaftliches E-Publishing: Alles frei ins Netz! - Wissenschaftspolitik, Publikationsprozesse für E-Zeitschriften am Beispiel "Living Reviews in Relativity" (MPG), internationale Initiativen zu open access und open archiving (Claudia Koltzenburg, Hamburg und Theresa Velden, München);
- XML und Datenbanken - Forschung zur Speicherung von XML-Dokumenten in relationalen Datenbanken, Lehr- und Übungsbetrieb an der Universität, Industrie-Schulungen (Astrid Schnädelbach, Mainz);
- Softwareentwicklung - Arbeitsprozesse und Wahrnehmungen (Marzena Stana, Berlin);
- UNIX-Systemberatung und Administration - Hardware, Betriebssystem, Software und Menschen: die Systemberatung und Administration hat mit Menschen soviel zu tun wie mit Technik (Karin Wenzel, Frankfurt/M.).

Bezug zum Schwerpunkt:
Bei unserer Überblicksveranstaltung mit beruflichen Kurzportraits wird jede nach Belieben das Schwerpunktthema in ihrer Darstellung mitreflektieren. Das Fragengerüst, nach dem wir in unseren Kurzberichten frei vorgehen, gibt auch Spielraum für das Schwerpunktthema.

Die Referentinnen:
Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung der IT-Fachgruppe mit 6 Beiträgen von je ca. 15 Minuten. Nachdem einige von uns sich in Kassel beim IT-Fachgruppentreffen kennen gelernt hatten, haben wir eine FiNuT-IT-Mailingliste eingerichtet und uns dort über unsere Pläne für die FiNuT 2003 ausgetauscht. Es handelt sich bei dieser Veranstaltung um Arbeits- und Situationsberichte. Welchen Hintergrund die einzelnen Referentinnen genau haben, hat die Anmelderin jetzt nicht erkundet, denn manche werden ohnehin eigene, ausführlichere Veranstaltungen zu ihrem Thema anbieten, siehe ggf. Eintrag dort. Wir sind: IT Consultant, Frankfurt/Main; Projektmanagerin, Hamburg; Doktorandin (Praktische Informatik), Mainz; Softwareentwicklerin, Berlin; Executive Director, München; Programmiererin, Projekt-Koordinatorin, Heidelberg.

2.12. Spannender Job ohne Karriere, ist das möglich? Oder: über ein gelingendes (Berufs-) Leben

Amrie Landwehr

Workshop, Samstag 14:00 - 15:30

Ein erfolgreiches, gelingendes Leben, das wünschen wir uns alle. Aber was heißt Erfolg für mich? Habe ich eine berufliche Zielsetzung? Vielleicht will ich ja doch lieber nur so in den Tag hinein leben? Ist Arbeit für mich ein Mittel zur Geldbeschaffung oder gar Berufung? Was bedeutet "glücklich sein" für mich? Ich selbst jedenfalls will nicht schuften bis zum burn-out. Und ich will einen interessanten Job haben. Ist das möglich? Nach einer Einführung gibt es in diesem Workshop die Gelegenheit, sich in Kleingruppen über die eigenen Erfolge, Zukunftswünsche und Träume klarer zu werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Als Naturwissenschaftlerinnen und Technikerinnen gehen wir oft neue Berufswege, da die "Normalkarriere" auf einen Mann zurechtgeschnitten ist, der den Rücken freigehalten bekommt. Aber nicht nur etwa eine Doppelbelastung, sondern auch der eigene Mut zur Abweichung kann neue und vielleicht bessere Wege der Berufs- und Lebensplanung aufzeigen.

Zielgruppe:
Ich möchte wirklich alle Frauen ansprechen, insbesondere nicht nur solche mit Karriereplänen.

Die Referentin:
Ich arbeite seit einigen Monaten privat an diesem Thema. Vor drei Jahren habe ich nach dem Physikdiplom meine erste Arbeitsstelle angetreten - spätestens ab diesem Zeitpunkt ist ja eine Planung des Berufs- und Lebensweges eigentlich angebracht. Im Workshop will ich Anregungen zur Selbstreflexion geben und das Thema mit den anwesenden Frauen diskutieren.

2.13. Standard Mann - Abweichung Frau. Geschlecht im Management von Organisationen

Marion Franke

Vortrag, Samstag 11:00 - 13:00

In einem Inputvortrag sollen Ergebnisse einer ethnographischen Studie zum Thema: "Geschlecht in Organisationen" vorgestellt werden. Diese Studie wurde in neun Organisationen in Deutschland und unter drei Dimensionen ausgewertet: Förderung, Zeit und Raum.
Der 1. Schwerpunkt der Ausführungen liegt dabei auf der These der (Geschlechts-)Sensibilität in und von Organisationen. Vorgestellt werden verschiedene Modelle von Organisationen und ihr Umgang mit Geschlecht. Der 2. Schwerpunkt beschäftigt sich mit empirischen Ergebnissen der Dimension Förderung. Hier werden "Standardprogramme" in Organisationen deutlich und "Abweichungsprogramme". Nach dem Vortrag soll in einer moderierten Diskussion die Realität der Teilnehmerinnen betrachtet, bzw. ein Austausch über eigene (Forschungs-) Erfahrungen stattfinden. Was bieten die Metaphern Standard und Abweichung bei der Betrachtung von Aufstiegsbarrieren in TOP-Managementpositionen? Gelingt es Frauen durch "Abweichung" die Firewalls von Organisationen zu überwinden?

Bezug zum Schwerpunkt:
Es geht um den "Standard" Mann in Führungspositionen in Organisationen und um Strategien zur Überwindung durch die Abweichlerin (?) Frau. Im Fokus liegt eine Organisationskulturbetrachtung. Wer kulturelle Normen in Organisationen prägt ist klar bzw. wurde in verschiedenen Untersuchungen herausgearbeitet, welche Auswirkungen haben Frauen im Management von Organisationen wurde dagegen bisher noch nicht sehr deutlich betrachtet.

Zielgruppe:
1. Frauen die sich im Rahmen von Organisationen mit Fragen von Geschlecht auseinandersetzen (Frauenbeauftragte, Fachfrauen für Gendermainstreaming etc.) 2. Wissenschaftlerinnen im Bereich Genderforschung/Organisationsforschung 3. Frauen in Managementpositionen

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 25

Die Referentin:
Ich arbeite seit ca. 5 Jahre zum Thema Geschlecht in Organisationen. Der Fokus liegt dabei auf Frauen (und Männer) im (Top-)Management von Organisationen.
Der Schwerpunkt der Auseinandersetzung und Forschung ist in eine Gemeinschaftsdissertation eingeflossen und in einigen Veröffentlichungen.

2.14. Still-Perspektiven einer Rabenmutter

Ingrid Lehmann

Workshop, Samstag 14:00 - 15:30

Ich will meinen gelebten Standard (3-fache Mutter, voll beruftätig, 3 mal ca. 10 Monate gestillt, davon je 6 Monate voll) in Beziehung setzen zu dem in Deutschland üblichen Standard der Säuglingsernährung. Was ist hier eigentlich Standard, und wodurch wird er definiert? Wie kommt es dazu, dass so viele Frauen sagen: ich wollte ja stillen, aber....? Welchen Einfluß hat die Werbung auf den Standard? Welchen Stellenwert hat das Stillen bei der Entscheidung, nicht gleich wieder in den Beruf zurück zu gehen? Warum muß Stillen im Berufsleben unsichtbar bleiben, um nicht die fachliche Anerkennung zu verlieren? Viele Fragen rund ums Stillen, die ich gerne mit interessierten Frauen diskutieren würde, um zu zeigen, was gerade für beruftätige Mütter möglich ist, und wo Grenzen sind.

Zielgruppe:
Alle Frauen, die sich mit dem gesellschaftlichen Stellenwert des Stillens befaßt haben, befassen wollen, oder sich einfach mal ein Bild machen wollen, wie das im Berufsleben umgesetzt und aufgenommen wird.

Die Referentin:
Seit 1996 arbeite ich als Quereinsteigerin im EDV-Bereich, und habe 3 Kinder. Ich bin bei allen drei Kindern direkt nach dem Mutterschutz wieder voll berufstätig gewesen, und habe trotzdem jedes Kind 6 Monate voll gestillt, und dann im 9 - 11 Monat abgestillt. 2002 auf dem Kongress in Kassel habe ich eine hohe Resonanz zu meiner Veranstaltung Stillleben einer Rabenmutter gehabt.

2.15. Studieren und Arbeiten im Ausland

deutscher ingenieurinnenbund (dib), Kira Stein

Moderierter Erfahrungsaustausch mit Einleitungsreferat, Freitag 16:00 - 17:30

Immer mehr Frauen in Naturwissenschaft und Technik studieren und arbeiten im Ausland. Einerseits sind die Studienangebote reichhaltiger und werden auch immer häufiger genutzt, zum anderen fällt in den Firmen immer häufiger (kurzfristig) die Entscheidung eine Mitarbeiterin ins Ausland zu "schicken".
-Wie "kommt" frau ins Ausland, wie erlebt sie die Situation dort?
-Was ist tatsächlich anders, was ist ähnlich, wodurch unterscheidet sich die Lebens- und Arbeitssituation?
-Wie sieht das Berufs- und das Frauenbild vor Ort aus und wie wirken sich diese Unterschiede auf ihr Leben aus?
-Wo findet sie vorher und vor Ort Unterstützung?
-Wie erweitert diese Erfahrung den Horizont, unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung und das berufliche Fortkommen?
Nach einem kurzen Einführungsreferat möchte ich mit Euch Erfahrungen austauschen, diese Fragen und andere ansprechen und Frauen, die diese Erfahrungen noch nicht gemacht haben, die Chance geben, ihre Fragen, Erwartungen, Ängste und Hoffnungen in die Diskussion einzubringen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Als Frauen sind wir in Deutschland eine Abweichung vom (männlichen) Standard im Ingenieurberuf. Im Ausland kommt die Abweichung der Ausländerin vom Standard des Landes hinzu. Dies kann sich addieren - vielleicht aber auch neutralisieren. Das Frauenbild und das Berufsbild - der Standard - kann in anderen Ländern ganz anders aussehen d.h. dort wird eine Frau vielleicht gar nicht als Abweichung gesehen. Der Austausch über das, was wir als "Standard" und als "Abweichung" im Ausland im Vergleich zu Deutschland erlebt haben, soll ein Inhalt unseres Erfahrungsaustausches sein.

Zielgruppe:
Frauen, die im Ausland studiert oder gearbeitet haben, es aktuell tun, es tun werden bzw. es gerne möchten oder sich einfach für das Thema interessieren.

Die Referentinnen:
Der dib beschäftigt sich schon lange und immer wieder mit diesem Thema. Viele dib-Mitglieder haben Auslandserfahrungen und tauschen diese regelmäßig in den Regionalgruppen aus. Aktuell gibt es ein Projekt, in dem Ingenieurinnen aus den verschiedensten Ländern sowie deutsche Ingenieurinnen im Ausland zu ihren Erfahrungen befragt werden. Ich selbst habe in Griechenland als Ingenieurin gearbeitet, bin Gesellschafterin einer polnischen GmbH und habe u.a. eine vergleichende Studie zu Berufsbild und Berufsmotivation von Ingenieuer- und Psychologiestudent/innen in Deutschland und Griechenland erstellt.

3. Bewegung und Kreativität

3.1. (*) ein FREIRAUM erzählt von seinen normen

Almut Roos, Anne Kathrin Coordes

workshop/performance-Kombination, Freitag 9:00 - 12:00

Wir suchen einen öffentlichen städtischen Freiraum auf, messen mit unterschiedlichen Utensilien die vorgefundenen baulichen Bestandteile, kennzeichnen diese mit Kreide, Etiketten u.a. Mitteln, machen Maß und Maßbezug für jede/n öffentlich sichtbar. Entsteht ein Ausführungsplan 1:1? eine Detaillierung bis in das endlos wiederholte Pflastermaß? Was verbirgt sich hinter der sichtbaren Umwelt? Wieviel Kreativität entwickeln wir in/mit der Norm? - Vorbesprechung: Entwurf, Ausschreibung, Ausführungspläne. Abschluß: persönlicher Erfahrungsaustausch, Diskussion über fachgebundene oder gesellschaftspolitische Fragen, die sich durch die Arbeit vor Ort ergeben.

Bezug zum Schwerpunkt:
Die workshop-performance soll die Materialisierung von Normen und Standards in der gebauten Lebens-Umwelt visualisieren und praktisch erfahrbar machen. Die Bemaßung des Außenraumes soll neben der reinen beruflichen auch auf die gesellschaftliche Dimension von Standards aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.
Landschaftsgestaltung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen kreativem Entwurf und den technischen und normativ-rechtlichen Anforderungen bei Ausführungsplanung und Bauleitung. Fordert die Norm zur Kreativität auf, oder verhindert sie sie? Wieviel Abweichungen kann ich, wieviel muß ich mir in der Arbeitswelt leisten? Welche Auswirkungen hat eine standardisierte Umwelt auf das menschliche Selbstverständnis?

Zielgruppe:
Alle Frauen, die Spaß haben, sich dem Thema standard:abweichung kreativ zu nähern und kontrovers zu diskutieren; die Veranstaltung ist in den beruflichen Kontext Entwurf/Ausschreibung/Ausführungsplanung eingebettet. Sie richtet sich in erster Linie an Landschaftsplanerinnen, -architektinnen, Architektinnen, Ingenieurinnen, Studentinnen, Gärtnerinnen, verwandte und angrenzende Berufe. Vorkenntnisse und berufliche Erfahrungen erleichtern den Austausch und die Diskussion. Teilnehmen kann jede interessierte Frau egal welchen Berufs.

Die Referentinnen:
Almut Roos, geb. 1967 mit Liebe zur Natur.
Kreativ entwerfen, ausführen unter technisch normativen Vorgaben, auf der Baustelle Unvorhersagbarem begegnen, mit allem rechnen. Meine berufliche Auseinandersetzung als Dipl. Ing. Landschaftsplanung 2000-2002. Sortieren nach Maß und Qualität, lebendiges freies Wachstum der Pflanzen in die Sprache des Geldes übersetzen. Meine Arbeit in Baumschule und Pflanzenhandel 1995-2000.
Meine beruflichen Erfahrungen, jenseits eines Auftrages, in meinen eigenen gesellschaftlichen Kontext setzen. Meine Freiheit als Studentin an der Freien Kunstschule Hamburg seit Oktober 2001

Anne Kathrin Coordes.
Studentin an der Freien Kunstschule Hamburg seit 2000.
Künstlerisches Arbeiten: Aktionen im öffentlichen Freiraum.
Frau-Natur-Veränderung.

3.2. (*) Grenzwanderung

Mag. Karen Krall, Mag. Ulli Klammer

Workshop, Samstag 16:00 - 17:30

GRENZWANDERUNG
- KREATIVES SPIEL MIT DEM RISIKO DER INDIVIDUALITÄT IM SINNE DES GEMEINSAMEN

Improvisationstheater und bildende Kunst bieten die Möglichkeit in einem sicheren Rahmen Grenzen spielerisch zu überschreiten, den Blick von außen aus verschiedenen Perspektiven zu erfahren und eigene Interpretationen den Normen entgegenzustellen. Im gemeinsamen Handeln werden sowohl das Potential der Gruppe als auch das der Einzelnen sichtbar.
In unserem Workshop verwenden wir kreative Methoden, die als bewährte Werkzeuge den kritischen Blick auf gesellschaftliche Schemata ermöglichen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Das Thema "Standard:Abweichung" ist sowohl in der Bildenden Kunst als auch in der Darstellenden Kunst allgegenwärtig und somit für unsere Arbeit ständig Anstoß und Herausforderung

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 16

Die Referentinnen:
Mag. MFA Karen Krall arbeitet seit über 10 Jahren als bildende Künstlerin im Bereich Kunst und Gesundheitsförderung und seit 5 Jahren als Erwachsenenbildnerin und Beraterin im Sozial- und Wirtschaftsbereich. Entwicklung der Methoden: "art based empowerment" und "art&weise".
Mag. Ulli Klammer, Theaterpädagogin seit mehr als 10 Jahren tätig als Theaterpädagogin in den Bereichen Soziale Kompetenz/Social Skills und Konfliktmanagement, Trainerin für Improvisationstheater, Leitung von Fortbildungsveranstaltungen in den Bereichen: Management, Pädagogik und Soziales

3.3. (*) KörperStrukturHandlung

Rebekka Uhlig

Workshop, Samstag 9:00 - 12:00

Körper- und Bewegungsworkshop. Wie bewegen wir uns im gemeinsamen Raum? Was ist ausschlaggebend für unser Handeln: Erfahrung, Berechnung, Erinnerung, Neugierde, Impuls? Welche Strukturen bilden wir miteinander? Und wie können wir sie erkennen, verdichten oder auch auflösen. Leichte Stimmübungen zur Unterstützung der Körpererfahrung werden mit einfließen.
Dieser Workshop ist vorbereitend für die Performance zum Abschlußplenum. Performance. Diverse Frauen bewegen sich in einer gemeinsamen, vorgegebenen Struktur. Ein Experiment zum Thema: "Bewegung: Ordnung und Abweichung".

Bezug zum Schwerpunkt:
Das Thema standard:abweichung ist zentral in dieser Arbeit: Wie bewegen wir uns in einem festgelegten Raum (gedanklich, physisch). Wo sind die Muster, die Bahnen, die Strukturen und wann verlassen wir sie.

Zielgruppe:
Angesprochen sind alle Frauen, die Lust haben auf Körpererfahrung, darauf auszuprobieren, wie sie sich mit anderen Körpern im Raum organisieren und dieses in einer Performance vorzuführen.

Die Referentin:
Als Performancekünstlerin beschäftigt mich seit einigen Jahren die Frage nach der (Ver-)Ortung von Menschen, der Struktur unserer Handlungen, die Frage nach Wiederholung und Wandlung. Praktisch gehe ich dabei aus vom experimentellen Einsatz von Körper und Stimme, solistisch, in der freien musikalischen Improvisation mit anderen MusikerInnen und in der Arbeit mit unterschiedlichen Menschengruppen, in Workshops und anschließenden Performances.

3.4. "arts in learning" - Creativ-Atelier, Trickfilme und mehr

Renate Schweizer M.A., CAGS

Workshop, Samstag 14:00 - 17:00

Creativ- Atelier
Im Creativ-Atelier hast Du die Möglichkeit, die bunte Seite des Computers kennenzulernen und Deine kreative, künstlerische Seite in Dir zu entdecken und auszudrücken. Wir werden
- Kleine Trickfilme herstellen
- uns gegenseitig fotografieren, die Fotos am PC bearbeiten
- einen virtuellen Haarsalon eröffnen und vieles mehr.


Bezug zum Schwerpunkt:
Nach wie vor sind Mädchen und Frauen beim Zugang zu Technik und Neuen Medien benachteiligt. In koedukativen Gruppen sind Lerninhalte, Vermittlungstechniken und Gruppenarbeit immer noch eher an den männlichen Teilnehmern orientiert. Die Interessen, Begabungen und Fähigkeiten von Mädchen und Frauen sollen in den Mittelpunkt gerückt werden. Ziele sind
- Überwindung von Ängsten und Hemmungen gegenüber technischen Anwendungen
- Vermittlung von Basiswissen im Bereich der Informationstechnologie zur Integration auf dem Arbeitsmarkt
- Vorbereitung auf eine technische Berufsausbildung in den Bereichen Information und Telekommunikation, neue Medien
- Chancengleichheit fördern und sichern
- Aufbau und Erweiterung sozialer Kompetenz
- Berufsorientierung
- Gender Mainstreaming
- Ganzheitliche Bildungsförderung
- Begreifen der Vernetzung aller Lebenszusammenhänge


Zielgruppe:
Mädchen und Frauen, die einen kreativen Zugang zum PC und seinen Möglichkeiten bekommen möchten - Schülerinnen und Lehrerinnen

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 18

Die Referentinnen:
Ich bin Leiterin der Mädchen- und Frauenwerkstatt in Karlsruhe und habe für diese ein frauenspezifisches Konzept entwickelt, um Mädchen und Frauen den Zugang zu PC und zu den neuen Medien zu erleichtern, Hemmungen abzubauen und auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen einzugehen. Die intermodale Lernmethode basiert auf dem an der Lesley-Universität, USA entwickelten Ansatz "arts in learning", der Lernprozesse aus verschiedenen Kunstdisziplinen intensiviert. Seit 1988 arbeite ich als Fortbildungsleiterin für kreative Medien, seit 2000 habe ich die neuen Medien in das Fortbildungsprogramm integriert bzw. miteinander kombiniert.

3.5. Gauklerinnen tanzen aus der Reihe - Jonglierworkshop

Amrie Landwehr

Workshop, Freitag 14:00 - 15:30

Hochverehrte Damen! Kommt herbei, sehet und staunet. Vor euren Augen werden ungeschickte Tolpatschinnen zu biegsamen Schlangen, welche die Schwerkraft ein für alle mal besiegen. Ihr selbst könnt mit ein wenig Mut diese weiße Kunst erlernen (immer noch besser als zaubern..), wenn ihr mir ein wenig euerer kostbaren Zeit schenket.

Bezug zum Schwerpunkt:
Auch schon im Mittelalter gehörten Gauklerinnen nicht zum "ordentlichen, normalen" Volk. Als Randgruppe führten sie kein leichtes Leben. Auch heute können nur wenige von dieser Kunst leben, aber uns "Normalen" gibt es das Gefühl des Besonderen, beim Gelingen sogar so manches Mal einen richtigen Kick.

Zielgruppe:
Alle Frauen mit Spaß an der Bewegung oder der Herausforderung. Insbesondere solche, die sich für untalentiert halten. ;-) Und natürlich solche, die mir neue Tricks beibringen können.

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 30

Die Referentin:
Ich jongliere seit etwa 15 Jahren. Das fing an mit Bällen, dann jonglierte ich mit ungefähr allem, was mir in die Finger kam: Diabolo, Tücher, Keulen , Ringe, Devilstick, Poi,... Jetzt hat es mir das Keulen- und Fackelpassing (mit mehreren Leuten) und das Schwingen angetan. Ich bin Teil der Jongliergruppe der Uni Kaiserslautern.

3.6. Marketing in eigener Sache

Amrie Landwehr

Workshop, Freitag 16:00 - 17:30

Ich will Frauen in diesem Workshop ermutigen, kreative Wege in eigener Sache zu gehen, mutig das Wort zu ergreifen und unsere speziellen Netzwerkfähigkeiten voll auszuspielen. Gemeinsam wollen wir Strategien erarbeiten und uns über Erfahrungen austauschen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Anders werben, auf Menschen zugehen, die es interessiert und Vertrauen schaffen - nicht das Blaue vom Himmel herunter versprechen, darum geht es.

Zielgruppe:
Alle Frauen, die für sich oder eine Sache, die Ihnen am Herzen liegt Werbung machen wollen.

Die Referentin:
Seit drei Jahren arbeite ich in der Patentvermarktung und habe mir dort Grundlagen des Marketing angeeignet.

3.7. Tarot-Garten der Niki de Saint Phalle

Karin Diegelfrau

Dia-Vortrag, Samstag 11:00 - 12:30

"Eine kleine Paradiesecke wollte ich schaffen, eine Begegnung zwischen Mensch und Natur". Angeregt durch Gaudies herrlichen Parc Güell begann Niki de Saint Phalle 1979 auf einem Grundstück von Freunden in der Toskana mit ihrem Lebenswerk.
"Gleich nach dem Beginn der Arbeit wurde mir klar, dass das Unternehmen ein gefährliches Abenteuer werden würde, und dass ich auf meinem Weg eine Menge Prüfungen zu bestehen hätte. In der Spielkarte der Kaiserin richtete ich meine Wohnung ein. Ich lebte und schlief im Inneren der Mutter."
Der Tarot-Garten wurde zu einem Zaubermärchen: Frau begegnet dem Drachen, dem Teufel, dem Magier, dem Engel der Mäßigkeit, der Stärke, der Sonne und vielen mehr.
Im Mai dieses Jahres starb Niki de St. Phalle, die besonders bekannt wurde durch ihre ikonenhaften Fruchtbarkeitsgöttinnen, die Nanas.

4. Fachbeiträge

4.1. (*) Bootstrap-Theorie von Norm und Abweichung

Annabella Claudia Hofmann

Vortrag, Freitag 9:00 - 10:30

Norm und Abweichung bedingen sich gegenseitig. Deswegen bedarf es zur Analyse einen äußeren "Archimedischen Punkt". Als nützliches Maß erweist sich der Kontrast zwischen "natürlich" und "unnatürlich", der sich ohne Verzerrungen definieren lässt. Individuen agieren als Einheit. Aktionen sind Folgen einer Wahl. Einige Aktionen sind neu, andere sind zyklische Wiederholungen von erlernten Mustern. Beide sind notwendige Teile des täglichen Lebens. Dies genügt als Vorbedingung für Paritäts-Transformation, Katastrophentheorie, und Bäcker-Theorie. Zusammengenommen als "Bootstrap Theorie" nützen sie, um "natürliches" Verhalten zyklischer Systeme mit diskreten Elementen zu bestimmen. Das Verhalten einzelner Elemente ist nicht bestimmt, trotzdem gibt es Gruppenverhalten. Sind diese Elemente keine Personen, kann dieses Verhalten als "natürlich" definiert werden und man hat ein nützliches Werkzeug, um ohne Verzerrungen "Norm" und "Abweichung" in sozialen Situationen zu bewerten.

Die Referentin:
Am Thema arbeite ich seit ca 5 Jahren. Ich schrieb ein Arbeitspapier für die Konferenz NORMALITY AND PSYCHOPATHOLOGY IN THE LATE 20th CENTURY, University of the Witwatersrand,Gauteng, South Africa. (September 6th - 9th 1999). Bei einem Symposium über Interkulturelle Kommunikation der Uni Oslo, 18-20 November 1999, "Conflicting Values: An Intercultural Challenge", hielt ich einen Vortrag mit dem Titel: A BOOTSTRAP THEORY OF CONFLICTING VALUES: AN ANALYSIS OF NATURAL AND ARTIFICIAL VALUES, der 2001 von der Uni in einem Sammelband veröffentlicht wurde.

4.2. (*) Psychologische Aspekte von Standard und Abweichung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Angelika Müller

Workshop, Freitag 16:00 - 17:30

Als Psychologin arbeite ich seit zwei Jahren mit behinderten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen und setze mich täglich mit Standard bzw. Normen und deren Abweichungen auseinander. Den Spagat und ständigen Balanceakt zwischen gesellschaftlichen Kategorien, die einengend, aber auch hilfreich sein können, und den individuellen Blick auf den einzelnen Menschen möchte ich in meiner Veranstaltung deutlich machen.

Bezug zum Schwerpunkt:
In der Psychologie ist das Thema der Normen bzw. Standards und deren Abweichung unter verschiedensten Gesichtspunkten theoretisch untersucht worden (Sozialpsychologie und Bezugsgruppenforschung, Klinische Psychologie und psychische Erkrankungen, Testtheorie und -konstruktion, ...), ist aber auch in der praktischen Arbeit ständig präsent.

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 20

Die Referentin:
Als Psychologin arbeite ich seit zwei Jahren mit behinderten und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen in dem System der bayerischen Frühförderung und im sog. Fachdienst in integrativen Kindergärten und Horten. Die Anwendung von psychologischen Tests, die Norm und Abweichung festlegen, gehört dabei zu meinem Arbeitsalltag.

4.3. (*) Standard als Abstraktion der Abweichungen in der Computerunterstützung kooperativer Arbeit

Barbara Kleinen

Vortrag, Freitag 14:00 - 15:30

Standards in der Arbeitswelt, wie standardisierte Prozesse, standardisierte Ablagesysteme sowie standardisierte Kommunikation sollen zu einer Rationalisierung der Arbeitsprozesse beitragen. Zudem scheinen sie sich für eine Automatisierung anzubieten, da sich Standardisiertes gut implementieren lässt. Doch gerade durch eine Automatisierung und damit normative Festschreibung von Standards tritt zu Tage, dass Abweichung vom Standard nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. So haben sich Arbeitsprozesse, deren softwaretechnische Automatisierung "Workflow Management Systeme" heißen, als so flexibel erwiesen, dass ihre Automatisierung zurückgenommen bzw. ganz aufgegeben wurde. Arbeitsprozesse waren dabei nur das erste Thema von mehreren im Bereich "Computer Supported Cooperative Work (CSCW)", in der eine starre Automatisierung eines Standards scheiterte. Entsprechend werden Standards inzwischen weniger als normativ, sondern vielmehr als eine aus der Praxis entstehende Abstraktion des Geschehenen verstanden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Informationstechnische Modellierungen haben einen engen Bezug zu Standards. Das interessante daran ist, dass der Versuch der Automatisierung dieser Standards häufig aufgrund von Ausnahmen von der Regel - Abweichungen - scheitert. Diese Beobachtung hat zu einer Reflexion der Rolle von Standards für die Unterstützung kooperativer Arbeit im Forschungsgebiet "Computer Supported Cooperative Work (CSCW)" geführt.

Die Referentin:
Ich bin Informatikerin und beschäftige mich in meiner Dissertation mit flexiblen, aus dem Arbeiten entstehenden Klassifikationen - also gewissermaßen mit der Entstehung von Standards aus den Erfahrungen der täglichen Arbeit. Die Standards (Objektmodellierungen und -klassifikationen) werden dabei nicht als normativ, sondern als Gedächtnisstützen und Folien für die weitere Arbeit verstanden.

4.4. About Some Ways To Change Gender Standards In Ukrainian Scientific Community

Olena Klyuchko, Vira Troyan, Nataly Taran

Vortrag (English), Freitag 11:00 - 12:30

As we showed by monitoring there is a noticeable prevalence of men on the highest administrative positions of science with simultaneous prevalence of women among students and lowest scientific positions in Ukrainian science. We would like to show some our measures aimed on the improving of this standard. One way is a work of our women in a "Small Academy of Science" for children who would like to devote their lives to the future work in science. Another way is a deeper implementation of modern electronic informational technologies among Ukrainian women. The use of computer technologies makes more easily and effective scientific and homework, helps women to solve some career and financial problems. We suggest some ways for further realization of computer education for our women, introducing of new informational methods into the women scientific community and would like to discuss all related questions in comparison with the world scientific women's community experience.

Common aspects with the overall congress subject "standard:deviation":
Patriarchal society develop its standards with women? slight representation in main spheres of social life. Sphere of science is not a deviation from this standard. Difficulties in combining of family and scientific work as well as economical difficulties of family life in developing countries ? all this result great intellectual losses of societies. That is why the measures aimed on changes of this standard are important. Our experience evidences that these measures have to be realized by women by themselves.

The Authors:
We started to work under this theme from 1996, created NGO "Women in Science" (Kyiv). Members of organization have different degrees in science: Ph.D, Doctor of Sciences, among them there are scientists and teachers from different Universities and Research Institutes of National Academy of Sciences (Ukraine). We made connections between women - scientists that work with the youth, teach in Universities and work in Institutes of National Academy of Sciences (Ukraine). Women - members of our NGO investigate gender problems, women's role in history of science, write dissertational works in these spheres, develop educational courses, make questionnaire design for youth in gender sphere, develop information technologies, and simultaneously bring their children up. We organized 2 International Conferences "Women in science and education: past, present, future", already published picturesque calendars - "Women images in Ukrainian science"

4.5. Das Semantische Web - eine Herausforderung für Gender Mainstreaming

Wiebke Oeltjen

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

XML ist eine Metasprache, die Semantik - also "Bedeutung" - ins Web bringt. Mit Hilfe weiterer Techniken wie RDF oder Topic Maps werden diese Bedeutungen miteinander verknüpft, strukturiert und kategorisiert. Nach einer kurzen Einführung gehen wir der Frage nach, was für Auswirkungen diese Weiterentwicklung des Web haben kann und welche Bedeutung (im doppelten Sinne des Wortes!) Gender Mainstreaming in dem Zusammenhang hat. Das Thema dieser Veranstaltung kann anschließend bei einem "Working Walk" weiter diskutiert werden (siehe: "Deviation Walk: Ein Seminar auf Abwegen").

Bezug zum Schwerpunkt:
XML ist ein quasi-Standard im Web, in Verbindung mit weiteren Techniken wie RDF oder Topic Maps werden Kategorisierungen geschaffen, die einerseits Inhalte des Semantischen Webs erschließen, gleichzeitig aber auch andere Themen ausschließen.

Zielgruppe:
Alle sind willkommen, insbesondere Teilnehmerinnen der Veranstaltung "Deviation Walk: Ein Seminar auf Abwegen"

Die Referentin:
Ich bin promovierte Informatikerin und meine Forschungsthemen sind Elektronisches Publizieren, Mensch-Computer Interaktion, Internet Technik und Theorie sowie Gender Studies. Zur Zeit arbeite ich am Rechenzentrum der Universität Hamburg im EU-Projekt FIGARO.

4.6. Deckelung von ERNEUERBAREN ENERGIEN als politisches Machtinstrument

Sylvia Matzer, Katharina Prinzenstein

Workshop, Freitag 11:00 - 13:00

Die Regelung der Strompreise und Marktbedingungen für Stromlieferanten zeigen bereits nach einer knappen Betrachtung klare Vorteile für die etablierten Unternehmen, die zum großen Teil aus fossilen Brennstoffen Strom erzeugen. Inwiefern die Gesetze der Strommärkte wesentliche - und vor allem negative - Auswirkungen auf die Entwicklung und Verbreitung von dezentralen, ökologisch vertretbareren Energielieferformen haben, soll in diesem Workshop anhand der österreichischen Regelung für die Einspeisetarife von Strom aus Photovoltaik-Anlagen diskutiert und bearbeitet werden. Was heißt es, wenn die Steirische Wirtschaft am 18.10.2002 auf Seite 14 festhält: "Keinesfalls darf es zu einer Subventionierung von Anlagen kommen, die nicht wettbewerbsfähig sind?" Nach welchen Normen wird die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt - oder unterbunden und welcher Wettbewerb wäre ökosozial vertretbar?

Bezug zum Schwerpunkt:
Herkömmliche Energietechnologien und ihre Betreiber dominieren mit ihren zentralen (Versorgungs-)Modellen und der damit transportieren Gesellschaftskonzeption unser gesamtes Leben: Ihr technisches wie auch ihr management-bezogenes Raster von Energie-Umsetzung, Verwertung von Ressourcen, Energie-Effizienz und Verfügbarkeit regelt weite Bereiche unserer Gesellschaft. EE stellen als Abweichlerinnen neben der grundsätzlich anders gestellten Ressourcen-Frage daher nicht nur das gesamte Finanz- und Subventionskonzept unseres Energiehaushaltes in Frage, sondern letztlich die ganze Gesellschaftskonzeption und ihren Zeithorizont.

Zielgruppe:
Fach-Frauen mit und auch Frauen ohne Vorkenntnisse bezüglich EE/Einspeiseregelungen/Elektrotechnik

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 35

Die Referentinnen:
Sylvia Matzer: Erwachsenenpädagogin; Auseinandersetzung mit EE seit 1997, dann elektrotechnische Ausbildung im 2. Bildungsweg; seit 2002 in der Photovoltaik-Branche tätig. Katharina Prinzenstein: Soziologin; Auseinandersetzung mit Jus seit 1995 auf verschiedenen Ebenen: RA-Sekretärin, Verwaltungsbedienstete der TU Wien, Schwerpunktbildung u.a. in Rechtssoziologie.

4.7. Deviation Walk: Ein Seminar auf Abwegen

Internet-Theorie-Gruppe Hamburg mit Barbara Kleinen, Bettina Martelli, Claudia Koltzenburg, Gunda Schröder, Tanja Carstensen, Tuija Schulte-Hyytiäinen, Wiebke Oeltjen,

"Working Walk" - eine "freie" Veranstaltung und räumliche Abweichung, Samstag 11:00 - 12:30

Wir wollen die Technik des "Working Walk" anwenden und laden interessierte Frauen ein mit uns mitzugehen: denkend, redend, uns austauschend über das, was wir in der Veranstaltung "Das semantische Web - eine Herausforderung für Gender Mainstreaming" aufgenommen haben, tragen wir das Thema so ein Stück durch Berlin mit uns rum und aus.

Bezug zum Schwerpunkt:
Wir machen uns auf die Suche nach Einbindung (durch Normierung und Kategorisierung) und Ausschluss im Bezug zum Semantischen Web und Gender Mainstreaming.

Zielgruppe:
Teilnehmerinnen der Veranstaltung "Das semantische Web - eine Herausforderung für Gender Mainstreaming". Weitere an dem Thema interessierte Frauen sind herzlich eingeladen.

Die Referentinnen:
Die Internet-Theorie-Gruppe Hamburg besteht seit Januar 1997; wir treffen uns einmal monatlich privat an wechselnden Orten mit genussvollem Essen und geistiger Nahrung aus der Feder feministischer Denkerinnen. Cyborgs, Hackerinnen, virtuelle, technische und leibliche Körper, Kunst und Daten(un)sicherheit, sowie Gender-Mainstreaming sind unsere Themen. Kontakt: Internettheoriegruppe Hamburg internet-theorie@hamburg.de

4.8. Die schrumpfende Stadt und die Rolle der Freiraumplanung

Rita Mettler

Vortrag, Freitag 11:00 - 12:30

Abweichend von der standardisierten Sicht, dass der Hochbau die Hauptstrukturen des Städtebaus bildet, wird die zukünftige Struktur der Städte hauptsächlich durch Freiräume geprägt.

Die Referentinnen:
Rita Mettler: Landschaftsarchitekturbüro Mettler + Schmidt, GbR, seit 1999

4.9. Konflikte über PCB-Innenraumluftbelastungen in Schulen und die Grenzenlosigkeit der Grenzwerte

Kathrin Buchholz

Vortrag, Samstag 16:00 - 17:30

In meinem Beitrag stelle ich die Grenzwertdiskussion zu PCB-Innenraumluftbelastungen und die Sichtweisen von Eltern betroffener SchülerInnen einander gegenüber. Die Analyse der Konflikte über PCB-Innenraumluftbelastungen verdeutlicht die Komplexität der Problematik, die Schwierigkeit der Abwägung zwischen verschiedenen Interessen sowie die Grenzen der Grenzwertbestimmung. Dabei werde ich auch zeigen, wie geschlechtsspezifische Zuschreibungen in den Auseinandersetzungen wirksam sind.

Bezug zum Schwerpunkt:
Ein zentraler Aspekt der Konflikte um PCB-Innenraumluftbelastungen sind Grenzwerte - ihre Grenzen bzw. ihre Grenzenlosigkeit. Eine Grundlage für die Bestimmung von Grenzwerten ist der Bezug auf einen angenommen "Standardmenschen". Dies hat Folgen für diejenigen, die vom Standard abweichen.

Die Referentin:
Ich bin Dipl.-Ing. für Technischen Umweltschutz und arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich "Sozial-ökologische Forschung/ Gender AMP Environment". Die Untersuchung der Konflikte über PCB-Innenraumbelastungen war Thema meiner Diplomarbeit im Fachgebiet Umweltchemie.
Das Besondere meiner Herangehensweise ist, dass ich die naturwissenschaftliche Abschätzung der Gesundheitsgefahren den im Rahmen einer empirischen Untersuchung erhobenen Sichtweisen und Erfahrungen von Müttern betroffener Kinder gegenüberstelle.
Zur Zeit bin ich wieder am Thema PCB dran, da die damals entstandene Broschüre neu aufgelegt und aktualisiert wird.

4.10. Standards: Strukturierung und Grenze des Wissens am Beispiel der Information und großer Datenbanken

Ute Bevier

Vortrag, Samstag 11:00 - 12:30

Standardisierung des Wissens ist so alt wie die Beherrschung des Wissens selbst, denn Wissen als Sammlung von Informationen kann nur über Abbildungen verarbeitet werden. Eine Abbildung funktioniert aber nur dann, wenn sie sich an Regeln hält und sie funktioniert umso besser, je mehr Übereinstimmung mit dem Abgebildeten sie aufweist. Dies bedeutet, dass sie viele Eigenschaften des Abgebildeten aufweist und deren Verhalten exakt nachbilden kann. Das führt rasch zu nicht bewältigbar vielen Zuständen, die in Relation zueinander gesetzt werden müssen. Standards erlauben es nun über die Benutzung von Symbolen, viele Zustände mit ihren Relationen auf ein paar Elemente zurückzuführen und damit den Verarbeitungsumfang erheblich zu reduzieren. Information ist jedoch in der Realität nur eine Hypothese. Wird dies vergessen, entscheidet nur noch der Zufall, ob bei Schlussfolgerungen ein "funktionierender" Bestandteil des Modells verwendet wurde oder nicht.

Bezug zum Schwerpunkt:
Der Vortrag erklärt die grundlegenden und sehr tiefgreifenden Voraussetzungen, warum Standards überhaupt verwendet werden aufgrund der klaren, naturwissenschaftlichen Basis der physikalischen Information. Standards sind nämlich notwendiges Hilfsmittel für aktive Informationsverarbeitungen, um große Informationsmassen zu bewältigen. Dies erklärt, warum Standards so universell sind und seit dem Beginn der menschlichen Kultur vor mehr als 20.000 Jahren beobachtet werden, und es zeigt durch die mathematische Exaktheit auch explizit und nachprüfbar auf, wo ihre Grenzen liegen und wie dies beachtet werden kann: Abweichungen sind notwendige Korrekturhilfen für Standards. Am Beispiel der aktuellen Mengenmathematik und der Definition der Information wird auch gezeigt, wie sehr Standards das Denken sogar beeinflussen bis hin zur Blockade, am Beispiel der Datenbanken wird gezeigt, wie unvermeidbar große Informationssysteme sich der Symbolisierung bedienen müssen.

Zielgruppe:
Vielseitig interessierte Zuhörerinnen, die es lieben, über erlaubte Grenzen hinweg und gegen "herrschende Meinung" einfach ihren eigenen Kopf anstrengen.

Die Referentin:
Ich bin Diplom-Physikerin mit Schwerpunkt Mathematik und seit Jahren in der Computerbranche im Umfeld großer Datenbanken tätig. Vor meinem Studium absolvierte ich eine Berufsausbildung im Öffentlichen Dienst mit Fachhochschulreife. Darüber hinaus bin ich nicht nur sehr interessiert an Psychologie und Ethnologie, sondern auch an Archäologie und Linguistik und fasziniert von den frühen Kulturen und ihrem Problem, Schrift und Wissenschaft erst erfinden zu müssen. Zu guter Letzt gehöre ich zu den Leuten, die alles "analysieren und zerreden" müssen, egal was es ist, egal, ob es bereits vorgedacht wurde oder zum Denken überhaupt "freigegeben" wurde von den anerkannten Vordenkern. Ich beschäftige mich seit 1999 mit dem Thema Standard:Abweichung, da dies die Grundvoraussetzung dafür war, Information überhaupt analysieren zu können. Während ich hier die Grenzen von Standards feststellen konnte, habe ich die ungeheuren Vorzüge in meiner Software-Tätigkeit kennen gelernt.

4.11. Trusted Computing Platform Alliance

Dr. Bettina Martelli

Vortrag, Samstag 14:00 - 15:30

Ein Firmenkonsortium, bestehend aus Microsoft, Intel, IBM, Hewlett-Packard und ca. 190 weiteren Unternehmen, hat sich in der Trusted Computing Platform Alliance (TCPA) zusammengeschlossen und im Jahr 2000 einen Standard herausgegeben, um zukünftig jede Hardware, sei es PC, PDA, Handy, Router, Set-Top-Box, usw., mittels eines Sicherheits-Chips, Trusted Platfom Module (TPM) genannt, zu einer Trusted Platform "aufzuwerten". Der TPM fungiert als eine Root Of Trust, die nur noch zertifizierte Software zuläßt. Alle "abweichenden" Programme, Viren, Raubkopien, aber auch Open Source Software und selbst geschriebene Programme, können auf einer Trusted Platform nicht mehr laufen. Erste Produkte wurden schon 2002 auf den Markt gebracht.

Bezug zum Schwerpunkt:
Gegenüber dem Standardisierungsbestreben der mächtigsten Hardware- und Software-Unternehmen ist das freie Programmieren und Benutzen des Computers nur noch die "Abweichung", die technisch und legal sanktioniert wird.

Die Referentin:
Ich bin seit 4 Jahren Software-Entwicklerin in einer Firma der IT-Sicherheitsbranche. Konkret am Thema TCPA zu arbeiten habe ich im Dezember 2002 angefangen, nach dem Besuch des Chaos Computer Congress in Berlin. Ich bereite diesen Vortrag in meiner Freizeit vor, parallel zu einem spezialistischeren, den ich auf meiner Arbeit vorstellen will.

5. Feministische Naturwissenschafts- und Technikforschung

5.1. (*) Anziehungsgesetze - Körperverbindungen

Waltraud Ernst

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

Während des 19. Jahrhunderts wurde erotisches Begehren und Handeln zu einer Frage der Natur, die am menschlichen Körper von Naturforschern untersucht werden konnte. Dies verstehe ich als Naturalisierung von Erotik. Erotische Verhältnisse wurden andererseits auf verschiedenen Ebenen in naturwissenschaftliche Modelle integriert, zum Beispiel als die Anziehung zwischen Körpern. Anhand meiner Analyse von Ansätzen in der Chemie möchte ich die verschiedenen Manifestationen erotischer Verhältnisse untersuchen. Meine Hypothese ist, dass es sich nicht um zufällige Metaphern oder Analogien handelt. Der Versuch, eine umfassende und kontrollierbare Ordnung zwischen den Reaktionen chemisch isolierter Flüssigkeiten und Substanzen zu etablieren, scheint vielmehr eng mit dem Wunsch verknüpft, eine neue umfassende Ordnung erotischer Verhältnisse zwischen Personen zu begründen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Im 19. Jahrhundert wurden in den entstehenden Biowissenschaften Standards für erotisches Begehren und Liebesverhältnisse neu definiert und als universelle Naturgesetze verkündet. Abweichungen davon wurden und werden zum Teil immer noch stigmatisiert, kriminalisiert und pathologisiert. Die normierende Funktion von sogenannten Naturgesetzen, und somit das Schwerpunktthema, ist zentrales Thema des Vortrags.

Die Referentin:
Ich arbeite an diesem Thema intensiv seit über zwei Jahren (Vorarbeiten schon früher) im Rahmen meines Habilitationsprojekts ("Hertha-Firnberg-Forschungsstelle") in Philosophie an der Uni Wien, mit dem Gesamttitel "Erotische Ökonomien der Wissenschaft".

5.2. (*) Biology is (not) destiny - Transgender im Spannungsfeld von Biologie und Politik

Robin Bauer

Workshop, Freitag 16:00 - 17:30

Standard ist in den modernen westlichen Kulturen nach wie vor das Zweigeschlechter-Modell, das in letzter Instanz in der Regel biologisch begründet wird. Alle Identitäten und Verkörperungen jenseits der zweigeschlechtlichen Norm gelten als Abweichung und werden pathologisiert, z.B. als Geschlechtsidentitätsstörung im ICD-10 oder als Intersexualität. Mit der (medizinischen) Behandlung von Intersexuellen und Transsexuellen wird die Zweigeschlechtlichkeit gesellschaftlich hergestellt, bzw. erhalten. Auch hier kann mensch also die Biologie als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln (Haraway) betrachten. Der Themenkomplex Transgender soll daher aus einer queer-feministischen Naturwissenschaftskritik-Perspektive betrachtet werden, und die Konsequenzen einer solchen Kritik für die wissenschaftliche und politische Praxis von feministischen Naturwissenschaftlerinnen sollen diskutiert werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Mein Workshop soll sich mit dem Thema Standard:Abweichung in Bezug auf das System der Zweigeschlechtlichkeit befassen, und zwar in einem Versuch, nicht so sehr die gesellschaftswissenschaftliche Sicht gegen eine biologische zu stellen, sondern das ganze Thema aus einer feministisch-queeren Naturwissenschaftskritik-Perspektive heraus zu betrachten. Ich möchte gerne konstruktiv die Bedeutung der Zweigeschlechtlichkeit als gesellschaftliche Norm diskutieren, ohne die damit die Bedeutung von Frauenräumen in Frage zu stellen, und hoffe, das ist in diesem Rahmen möglich. Als FTM, der sich einerseits zwischen den Geschlechtern, andererseits derzeit schwerpunktmäßig als Boy, aber nicht als Mann versteht, aber noch eine große Anbindung an Lesben-Räume hat, interessieren mich solche Auseinandersetzungen aus feministischer Sicht.

Die Referentin:
Ich arbeite seit ca 5 Jahren im Rahmen meiner Beschäftigung mit Queer Studies zum Thema Transgender. Ich gebe seit dem Abschluss meines Studiums 2000 (Abschlussarbeit zu feministischer Naturwissenschaftskritik) Seminare im Bereich Queer Studies, und promoviere auch in dem Bereich. Darüber hinaus bin ich selbst transgendered.

5.3. (*) Die standardisierende Macht der amtlichen Statistik

Andrea Maria Scheller

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

Amtliche Statistiken sind ein starkes Argument für das Beweisen von Realitäten. Sie werden von Interessengruppen jeglicher Couleur herangezogen, um einen bestimmten Sachverhalt oder auch sein Gegenteil nachzuweisen, und um Forderungen und Entscheide zu untermauern. Sie sind z.B. auch ein effizientes Mittel im Kampf gegen Geschlechterdiskriminierung. Statistische Daten haben den Anspruch und den Ruf, die Welt möglichst objektiv und neutral abzubilden, und helfen durch Reduktion der Komplexität und Typisierung der unübersichtlichen Vielfalt die Welt zu erklären. Mit der Bildung von Gruppen und Durchschnitten werden auch Standards und Normalmasse produziert. Anhand von Beispielen der amtlichen Statistik soll über folgende Fragen nachgedacht werden: - Wie wird der Geschlechterbegriff in der Statistik konzeptualisiert und verwendet? - Inwiefern werden Klischees produziert durch Zuordnungen zum Geschlecht und der Bildung von Mittelwerten, bzw. inwiefern werden die Klischees reproduziert durch Verwendung der Statistiken? - Was bedeutet ein reflektierter Umgang mit Statistiken?

Die Referentin:
Seit einigen Jahren arbeite ich konzeptionell an Indikatorensystemen für die nachhaltige Entwicklung. Durch diese Arbeit habe ich u.a. mit geschlechtsspezifischen Indikatoren in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt zu tun, was mein Interesse für die Konzeptualisierung des Geschlechterbegriffs in der amtlichen Statistik geweckt hat.

5.4. (*) Unerwünschte Effekte - Normalverteilung und Auflösung von Kategorien

Christine Hanke

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

In meinem Vortrag möchte ich über die Effekte statistischer Verfahren nachdenken. Ausgehend von exemplarischem historischem Material aus der physischen Anthropologie um 1900 möchte ich zeigen, dass in der statistischen Normalverteilung - in der die Bereiche des Typischen/Normalen und Abweichenden/Untypischen identifizierbar werden sollen - die Grenze zwischen normal und abweichend zusehends verschwimmt. So gerät z.B. die Binarität der Geschlechter ins Wanken, die Abgrenzung von Mann und Frau wird unsicher und tendenziell unbestimmbar.
Zugespitzt gesagt, unterläuft die Normalverteilung auf diese Weise die naturwissenschaftliche Kategorienbildung. Ich möchte mit Euch diskutieren: 1. ob diese Kategorienerschütterung als Befreiung oder nur als neuer Machtmechanismus im Zuge des "Normalismus" (J. Link) zu begreifen ist; 2. wie in der Anwendung statistischer Verfahren bis heute mit diesem dekonstruktiven Potential umgegangen wird (über informierte Kommentare wäre ich hier sehr dankbar).

Bezug zum Schwerpunkt:
Frage nach den statistischen Verfahrensweisen, in deren Zuge Standard und Abweichung hervorgebracht werden; einer ihrer Effekte ist aus meiner Sicht die Aufweichung der Grenze zwischen Normalem und Abweichendem - was bewirkt das innerhalb der Statistik und was heißt es für die Kategorien, wenn Standard immer schon angesteckt ist von der Abweichung?

Die Referentin:
Meine Forschungsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie und -geschichte, Film- und Medienwissenschaften, Kulturwissenschaften. In meinem Vortrag beschäftige ich mich mit einer zentralen wissenschaftstheoretischen Fragestellung aus dem Kontext meines Dissertationsprojektes zur Konstitution von "Rasse" und "Geschlecht" in der physischen Anthropologie um 1900, an dem ich seit etwa 4,5 Jahren arbeite.

5.5. (*) Weiß-Sein: Standard in der feministischen Naturwissenschaftskritik?!

Katrin Nikoleyczik, Conni Rothkegel, Nicole Scheifhacken

Workshop, Samstag 9:00 - 12:00

Die feministische Naturwissenschafts- und Technikforschung kritisiert u. a. unhinterfragte männliche/androzentrische Standards in Naturwissenschaft und Technik. In diesem Workshop wollen wir diesen Ansatz um eine antirassistische Perspektive erweitern und uns mit dem Konzept "Weiß-Sein" auseinandersetzen. (Wir schreiben im Folgenden "Weiß"/"Schwarz" groß, um es als soziale Konstruktionen zu markieren.) Uns geht es darum, unsere eigenen Weißen Standards zu hinterfragen. Welche Privilegien genießen wir als Weiße Naturwissenschaftlerinnen? Inwieweit ist die feministische Naturwissenschafts- und Technikkritik eine unbenannte Weiße Perspektive? Außerdem wollen wir Weiße Standards auf dem FiNuT-Kongress selbst diskutieren? Wir wollen den Blick von unmarkiert (weiß) zu reflektiert/bewusst Weiß lenken.

Bezug zum Schwerpunkt:
Hinterfragen der Standards, die die feministische Naturwissenschaftskritik selbst setzt. Auseinandersetzung mit Weißem Standard auf dem FiNuT-Kongress selbst.

Zielgruppe:
Alle Frauen, die sich aktiv und kritisch mit ihren eigenen Privilegien auseinandersetzen wollen.

Die Referentinnen:
Wir beschäftigen uns seit einigen Jahren mit dem Thema Rassismus - seit einiger Zeit auch in Bezug auf Naturwissenschaften. Auf dem Biologinnentreffen 2003 haben wir einen Arbeitskreis zum Thema angeboten.

5.6. (*) Wissenschaft ist maßgebend. Biologie/Medizin als Normalisierungsdiskurse

Bärbel Mauss

Vortrag, Samstag 11:00 - 12:30

In der modernen demokratisch legitimierten Gesellschaft wird Macht nicht mehr über Repression sondern über Disziplinierung ausgeübt. Der Disziplinarmacht "geht es um Norm" und Normalisierung (ANNE WALDSCHMIDT 1996). Biologie und Medizin spielen hierbei eine zentrale Rolle. Dass biomedizinische Normalität und soziale Norm in einen Zusammenhang zu setzen sind, zeigt die in den letzten Jahren zunehmende "Genetifizierung" vormals dem Gesellschaftlichen zugeordneter Phänomene. So wird (gesellschaftliche) Devianz zurückgeführt auf Abweichungen vom "Norm-Genom", das insbesondere im Humangenom Projekt erzeugt wird/wurde. In der diagnostischen Medizin wird das Pathologische, von dem das "Normale" abgeleitet wird, nun zunehmend als Abweichung von der "Gen-Norm" beschrieben. In der Medizin wird also - anders als im Humangenomprojekt- von der Abweichung auf die Norm geschlossen.
In meiner Veranstaltung möchte ich meine Überlegungen darüber, wie Biologie und Medizin normalisierend wirken anhand von Beispielen zur Diskussion stellen.

Bezug zum Schwerpunkt:
In meiner Veranstaltung werden wir uns mit Normen, die in der Biomedizin/Biologie erzeugt bzw. repräsentiert werden, beschäftigen. Normen sind nur denkbar in Abgrenzung zur Nicht-Norm / dem Außen der durch die Norm gezogenen Grenze - also der Abweichung. Heute sind naturwissenschaftlich erzeugte Normen statistisch vermittelt und werden idealtypisch visualisiert in Form einer Gaußschen Verteilung, die immer schon die standard:abweichung beinhaltet. Letzteres führt zu einer flexiblen Form von Normen.

Die Referentin:
Ich bin Biologin und arbeite in den Kulturwissenschaften als feministische Naturwissenschaftsforscherin. Das Thema Naturwissenschaft und Biomedizin als Normalisierungsdiskurs bearbeite ich im Rahmen meiner Dissertation zu Körperkonstruktionen in der Humangenetik (in den Kulturwissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin).

5.7. "The universe is not only queerer than we suppose, it is queerer than we can suppose"

Robin Bauer, Smilla Ebeling

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

In unserem Vortrag stellen wir Homosexualität und Transgender im Tierreich vor und werfen dabei verschiedene Fragen auf: Warum ist der Blick ins Tierreich, bzw. der Vergleich Mensch-Tier für die meisten Menschen so wichtig? Warum ist für viele Homosexualität beim Menschen leichter akzeptierbar, wenn sie auch unter Tieren bzw. in der Natur gefunden wird. Kann der Begriff queer für Tiere verwendet werden und ist der Blick ins Tierreich hilfreich für die Queertheorie? Welche Konsequenzen hat die Anwendung dieser stark von menschlichen Kontexten bestimmten Begriffe im Tierreich?

Die Referentinnen:
Robin Bauer: Ich arbeite seit ca 5 Jahren im Rahmen meiner Beschäftigung mit Queer Studies zum Thema Transgender. Ich gebe seit dem Abschluss meines Studiums 2000 (Abschlussarbeit zu feministischer Naturwissenschaftskritik) Seminare im Bereich Queer Studies, und promoviere auch in dem Bereich. Darüber hinaus bin ich selbst transgendered.
Smilla Ebeling: als gelernte Biologin und Wissenschaftsforscherin mit Schwerpunkt Geschlechter-Studien forsche ich seit meiner Promotionszeit u.a. über Heteronormativität in der Biologie. Mein Habil-Projekt thematisiert die Geschlechterkonstruktion in Zoologie und Botanik. Zur Zeit arbeite ich noch als Assistentin am Zentrum Gender Studies der Uni Basel, doch ich habe eine Stelle als Juniorprofessorin an der Uni Oldenburg angenommen.

5.8. Feministische Standpunkttheorien - oder - Wie soll man es mit der Objektivität halten?

Ursula Ziegler

Vortrag, Freitag 14:00 - 15:30

Wie entsteht Wissen? Es gibt heute einen mehr oder weniger breiten Konsens darüber, dass Wissenschaft und wissenschaftliche Praxis stets in Kontexte eingebunden sind - das heißt, Wissen ist immer situiert. Wie steht es dann mit der Objektivität und wer definiert sie?
In den 1980er Jahren entwickelten feministische Theoretikerinnen sog. "feministische Standpunkttheorien", verstanden als Gegenentwurf zu dem, was von Männern als Wahrheit und selbstverständliche Norm - "als Standard" - präsentiert wird. Es ist der Anspruch, dass die Sicht auf die Welt und ihre Wirklichkeit von den Tiefen und Peripherien besser ist, als die von den strahlenden Weltraumplattformen der Mächtigen herab, wie Donna Haraway es formuliert. Im Gegensatz zu den Standpunkttheoretikerinnen ist bei Haraway jedoch jeder Standort eine aktive Positionierung - und in diesem Sinne plädiert sie für einen Objektivitätsbegriff, der Verantwortlichkeit, Ethik und eine kritische Vision zulässt.

Bezug zum Schwerpunkt:
Ich möchte ausgehen von den "klassischen" feministischen Standpunkttheorien, die darauf aufbauen, dass Frauen tendenziell eine andere Lebenswirklichkeit als Männer haben und deshalb auch eine andere Weltsicht, einen anderen Standort, der erkenntnistheoretisch der privilegierte ist. Diese Art der Standpunkttheorie geriet bald in Kritik (Differenztheorie, poststrukturalistische Strömungen ...). Donna Haraway u.a. versuchen einen anderen Weg einzuschlagen, der nicht einen Standort "der" Frauen formuliert - aber auch die Perspektive(n) der Frauen nicht außen vorlässt.
Mich interessieren v.a die Fragen: Was intendiert eine Abweichung? An welchen Werten und Normen lehnt sich die Abweichung an? Gibt es auch für die Abweichungen so etwas wie Wahrheitsansprüche? Obwohl ich mich lieber im theoretischen Terrain bewege, interessiert mich auch die Frage der Umsetzbarkeit.

Die Referentin:
Ich bin Geographin und Hydrologin und habe 7 Jahre als Geoinformatikerin in einem Ingenieurbüro in Freiburg gearbeitet. Bin dann sozusagen ausgestiegen und studiere jetzt seit 3 Jahren Philosophie und Wissenschaftssoziologie in Wien. Mit feministischer Wissenschaftsforschung und Theorie beschäftige ich mich schon länger, intensiver seit diesem Studium, also seit etwa 2-3 Jahren. Im SS 2003 bin ich Tutorin in einem Seminar zum Thema: "Feministische Standpunkttheorien".

5.9. Frauen- und Genderforschung in den Geowissenschaften - als Grenzgängerin unterwegs

Kerstin Schenkel

Vortrag, Freitag 9:00 - 10:30

Naturwissenschaftskritik sowie Frauen- und Genderforschung in den Geowissenschaften gleicht bis heute einem unbestellten Acker. In meinem Vortrag soll die Forschungsarbeit des vergangenen Jahres vorgestellt werden, die sich mit der Frage nach übergreifenden und fachimmanenten Ursachen für die Unterrepräsentanz von Wissenschaftlerinnen in diesem Fächerverbund beschäftigt hat.

Bezug zum Schwerpunkt:
I. Geowissenschaften in der BRD sind dominant naturwissenschaftlich geprägt, mit einer abweichenden Ausnahme, der Anthropogeographie. Von diesem Bereich in der Geographie sind bisher die stärksten Impulse für wissenschaftstheoretisch kritische und die Frauen- und Genderfragen betreffende Forschung ausgegangen; gleichzeitig nimmt die Geographie aber eben auch einen äußerst marginalen Status innerhalb des geowissenschaftlichen Fächerverbundes ein. Die Naturwissenschaften beanspruchen demgegenüber ihren dominanten, normgebenden Status hinsichtlich der Forschungsgegenstände und -methoden.
II. Frauen sind von Beginn ihrer Sozialisation an bis zu ihrem Berufsstatus als Wissenschaftlerin unterschiedlichsten Mechanismen der Identitätsbildung, Verhaltensausprägung, Normentwicklung sowie Rollenkonflikten ausgesetzt, die einen entfremdenden und ausgrenzenden Charakter für Frauen aus dem (geowissenschaftlichen) Wissenschaftsbetrieb annehmen können.

Die Referentin:
An diesem Thema arbeite ich seit 01.08.2002. Seit 01.02.2003 bin ich Projektleiterin im Projekt Frauen- und Genderforschung in den Geowissenschaften an der FU Berlin.

5.10. Gender Medicine - Neue Normen, neue Risiken?

Angelika Voß

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

Gender Medicine ist bisher eine vorwiegend in den USA, Kanada und einigen wenigen europäischen Staaten übergreifende Disziplin in der Medizin, die wesentliche Unterschiede in Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation bei Männern und Frauen beleuchtet. Ziel ist eine geschlechtergerechte Medizin, die den Bedürfnissen von Männern und Frauen auf der Ebene von Vorsorge, Diagnostik und Behandlung angepasst werden soll. Doch gerade diese Normierung birgt auch einige Gefahren. Dieses Risiko ergibt sich aus dem Doppelcharakter der Medizin als naturwissenschaftliche Disziplin mit einem sozialen Auftrag zum Heilen und der Ent-Individualisierung der Patientin/des Patienten. Die Normierung hat in den letzten 150 Jahren auf der einen Seite zu einer verbesserten Diagnostik und Therapie in manchen Bereichen geführt, gleichzeitig aber auch zu reduktionistischen Ansätzen, die soziale Aspekte von Krankheit nicht mehr anerkennen, sondern nur noch die Befunde in Laborwerten, Röntgenbildern etc.

Bezug zum Schwerpunkt:
Möglichkeiten und Grenzen der Gender Medicine aus Sicht der feministischen Forschung: neue Standards durch die Gender Medicine - neue Normen - neue Risiken.

Die Referentin:
Der Beitrag ist ein Teilergebnis eines EU-Projektes unter dem Titel "Gender Aspects in Medical Education". Das EU-Projekt ist auf zwei Jahre befristet und läuft Ende September 2003 aus. Nach mehrjähriger Tätigkeit in gemeinnützigen Frauen- und Gesundheitsvereinen mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung in der Medizin arbeite ich seit Mitte 2000 an der Medizinischen Hochschule zur Integration von Frauen- und Geschlechterforschung in die Medizin. Aus der Frauenforschung kommend, stellt sich die Frage, ob die stark auf das biologische Geschlecht bezogene Forschung in den Gesundheitswissenschaften und der Medizin nicht neue Normen schafft, die zu neuen Konstrukten und möglicherweise zu neuen Risiken für Frauen führen. Mir geht es darum, die Schicht unter der Schicht an Hand von zwei Beispielen aufzudecken.

5.11. Gender Studies für Naturwissenschaften - gibt's das?

Dr. Kerstin Palm

Vortrag mit Diskussion, Samstag 14:00 - 15:30

Ja, das gibt's! Seit letztem Sommersemester ist es an der Humboldtuniversität möglich, Gender Studies als Nebenfach der Biologie zu belegen. Ich möchte in der Veranstaltung das Curriculum dieses Nebenfachs vorstellen und Gelegenheit geben, sich grundsätzlich über die verschiedenen schon vorhandenen Modelle zur Integration von Gender Studies in die Naturwissenschaften auszutauschen, wie sie zur Zeit auch an anderen Unis erprobt werden.

Die Referentin:
Dr. Kerstin Palm ist Biologin und Wissenschaftliche Assistentin in der Kulturwissenschaft der HU Berlin, Dozentin in den Gender Studies.

5.12. if, if not, else oder die andere bedingung

Nanna Lüth

Vortrag, Freitag 14:00 - 14:45

Bezug zum Schwerpunkt:
a) Die Beschäftigung mit Begriffen wie Identität; Differenz; Variable...; Die in Informatik wie Geschlechterstudien verwendet werden sucht nach Möglichkeiten der Öffnung; Unschärfe; Abweichung von tradierten normativen Systemen mit Mitteln der Analogie/Übertragung.
b)Abweichung von den disziplinären Befugnissen einer Künstlerin - deviante Tendenzen in der Vortragsform.

Die Referentin:
Seit 2001 beschäftige ich mich - z.B. in dem Projekt "Das Leben als Betriebssystem" - mit den Einflüssen von Programmstandards auf alltägliche (berufliche oder private) Handlungsabläufe. Besondere Berücksichtigung findet immer die Parallele zwischen den digitalen Bedingungen "if" / "if not" und dem Dualismus tradierter Geschlechterrollen.
Biografie: Seit 2001 Gastdozentin des Gendernet an der UdK-Berlin (www.gender.udk-berlin.de)
2001 "Das Leben als Betriebssystem" airport-stipendium am Forum Stadtpark Graz "kontext-kunst-vermittlung", Mitorganisation der Tagung in der NGBK2000 "the city-and-gender-art-files", Projektstipendium Internationale Frauenuniversität, Kassel
1999 Postgraduiertenstudium, Institut für Kunst im Kontext , Hdk Berlin Gründungsmitglied der Kunstcoop© (www.kunstcoop.de)
1989 - 98 Studien Fotografie / Elektronische Medien in Bielefeld, London, Chicago

5.13. Kultur in den Ingenieurwissenschaften - Standard und Abweichung

Dr. Gabriele Hoeborn, Dr. Felizitas Sagebiel

Vortrag, Samstag 11:00 - 12:30

Die Definition von Standard und der zulässigen Abweichung ist ein Prozess der Macht. In den Ingenieurwissenschaften obliegt dies fast ausschließlich dem maskulinen Teil der Gesellschaft. Soll dieser Prozess beeinflusst und verändert werden, so müssen Parameter erarbeitet und definiert werden, um den Standard zu erfassen und zu beschreiben. Wie aus der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur bekannt, werden die Mechanismen des Standards dazu benutzt, Ausgrenzungen zu schaffen. In vielen Fällen sind Frauen davon betroffen, sie werden in soziale Netzwerke nicht integriert, bekommen keine oder nur verspätet Informationen, sie vereinsamen. Dies führt in nicht wenigen Fällen zur Aufgabe oder aber natürlich auch zu einem gar nicht erst Beginnen. Dieses Phänomen tritt nicht nur in Europa, sondern weltweit auf.

Bezug zum Schwerpunkt:
Im Rahmen des EU Projektes WOMENG, in dem die Autorinnen als deutsches Team mitarbeiten, liegt ein Schwerpunkt in Untersuchungen zu dem komplizierten und komplexen System Kultur mit dem Ziel, seine Einzelkomponenten aufzuzeigen und mögliche Verknüpfungen darzustellen. Hintergrund der Fragestellung ist es, Frauen diskriminierende Kulturkomponenten herauszuarbeiten und damit Wege zu erarbeiten, die Kultur in den Ingenieurwissenschaften zu verändern. Allein ein Bewusstmachen dieser Kultur ist schon ein erster Schritt, Standard und Abweichung werden neu betrachtet und hoffentlich auch neu definiert.

Die Referentinnen:
Die beiden Autorinnen arbeiten seit mehr als 15 Jahren zu dieser Thematik. Sie haben einschlägige Tagungen organisiert und Veröffentlichungen geschrieben. 2001/2002 im EU Projekt INDECS begannen sie mit detaillierten Vor-Forschungen zum o.g. Thema und im EU Projekt WOMENG (Start 11/2002) erfolgen über einen Zeitraum von drei Jahren intensive detaillierte zur Fragestellung der Kultur in den Ingenieurwissenschaften.

5.14. Physik und Gender Studies - Zwei Welten begegnen sich im Projekt Degendering Science

Helene Götschel

Vortrag und/oder Erfahrungsaustausch, Samstag 16:00 - 17:30

Im WS 2002 startete das Projekt "Degendering Science - Erweiterung des Wissenschaftsverständnisses und Curriculums der Naturwissenschaften" an der Uni Hamburg mit Lehrveranstaltungen an der Schnittstelle von naturwissenschaftlicher Bildung und Geschlechterforschung. Angesiedelt am Institut für die Didaktik der Naturwissenschaften (Fachbereich Erziehungswissenschaft) richtet es sich an angehende LehrerInnen naturwissenschaftlicher Fächer und zugleich an Studierende der Gender Studies. Gender Studies kann dabei - und dies ist bislang an deutschen Hochschulen einzigartig - als Diplom-Nebenfach bzw. Wahlfach belegt werden und deshalb z.B. mit einem Diplom-Physikstudium verknüpft werden!
Ich werde von meinen Erfahrungen mit hochschulpolitischen Strategien und mit den Lehrveranstaltungen berichten und hoffe auf einen regen Austausch über die Institutionalisierung von feministischer Naturwissenschaftskritik im Kontext der neuen Gender Studies-Studiengänge. Vorab-Informationen über das Projekt Degendering Science stehen im Internet unter:
www.erzwiss.uni-hamburg.de/degendering_science/

Bezug zum Schwerpunkt:
Die Auseinandersetzung mit feministischer Naturwissenschaftsforschung ist nicht nur in Hinblick auf die Naturwissenschaften selbst kein Standard, sondern auch mit Blick auf die nach wie vor durch Gesellschafts- und Kulturwissenschaften geprägten Gender Studies eine Abweichung. Um feministische Naturwissenschaftsforschung institutionalisieren zu können, muss es uns gelingen, in beiden Bereichen Normierungen zu hinterfragen und Standard-Abweichungen als Bereicherung zuzulassen.

Die Referentin:
Feministische Naturwissenschaftskritik an physikalischen Wissenschaften interessiert mich seit Beginn meines Physikstudiums (1984). Mit der Frage der Institutionalisierung von feministischer Naturwissenschaftsforschung in den Gender Studies im engeren Sinn beschäftige ich mich seit 1997, zunächst als Lehrbeauftragte, seit 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Degendering Science.

5.15. Queering family mit Goethe? Eine transdisziplinäre Lektüre der Wahlverwandtschaften

Dr. Dorit Heinsohn, Dr. Claudia Lenz

Vortrag, Freitag 14:00 - 15:30

Goethe entwirft in seinem Roman ein Ideal von Zusammenleben als System ausgewogener Anziehungen und damit ein Gegenbild zur bürgerlichen Vorstellung der exklusiven und lebenslangen heterosexuellen Paarbeziehung. Mit der Vorstellung dass "Affinitäten" zwischen Menschen je nach Konstellation wechseln, verfolgt Goethe ein relationales Beziehungskonzept, das er an das zeitgenössische chemische Konzept der Wahlverwandtschaft anlehnt. Sein Beziehungsexperiment im Roman ist angelegt wie ein chemisches Experiment, in dem eine Substanz A eine Substanz B aus ihrer Verbindung mit C verdrängt und als empirisches Resultat die Stärke dieser Verbindung relational definiert. Zugleich gibt es aber auch die verstörende Tatsache, dass zwischen zwei der Figuren eine alles überwältigende Anziehung besteht, die zuletzt das gesamte Gleichgewicht zerstört. Legt Goethe hier doch eine essenzialistische "Wesensverwandtschaft" zugrunde oder kann er als Referenzautor für queering kinship oder auch queering familiy gedeutet werden? Und welche Rolle spielt die Bezugnahme auf naturwissenschaftliches Wissen dabei?

Die Referentinnen:
Unsere transdisziplinäre Zusammenarbeit (zwischen einer Naturwissenschaftsforscherin und einer Politikwissenschaftlerin) ist im Rahmen des Zentrums für Frauen-, Geschlechter- und Queerforschung der Universität Hamburg entstanden.

5.16. Tacit Gender and OnlineLearning: Geschlechtsspezifische Aspekte im Kontext virtueller Lernumgebungen

Iris Bockermann, Heike Wiesner

Workshop, Freitag 9:00 - 12:00

Häufig werden Geschlechterverhältnisse im Zusammenhang mit virtueller Lehre nicht thematisiert, ausgehend davon, dass die neuen Technologien geschlechtsneutral seien. Der Workshop hat zum Ziel dieses Vorurteil zu demontieren und das (neue) Forschungsprogramm "Gender and Online Learning" ins Leben zu rufen.
Zunächst werden Ergebnisse einer Exploration des vings-Projektes (virtual international gender studies) präsentiert, die sich zentral mit Problemen bei der Konzeption und Umsetzung virtueller Lehrveranstaltungen aus der Perspektive von Lehrenden befasst. Anschließend wird ein Leitfaden zur Berücksichtigung von Gender Mainstreaming für die Gestaltung von digitalen Lernumgebungen vorgestellt, der im Rahmen der jetzt laufenden Bmbf-Förderprojekte "Neue Medien in der Bildung" erstellt wurde.
Auf dieser Grundlage soll diskutiert werden, ob und inwieweit es sich lohnt ein internationales Forschungsprogramm im IT-Sektor (mit-)zugestalten mit dem Ziel Erfolgskriterien für Chancengleichheit im Bereich multimedialen Lehrens/ Lernens zu entwickeln und umzusetzen.

Zielgruppe:
Der Workshop wendet sich insbesondere an Expertinnen und Interessierte aus dem Forschungsspektrum "Technik und Geschlecht", Cyberfeminism, Gender, science and technology studies.

Die Referentinnen:
Iris Bockermann ist Soziologin und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Verbundprojekt PRO-TEACH-NET in der Produktionstechnik an der Universität Bremen tätig. Ebenso führt sie derzeit eine explorative Studie im virtual international gender studies-Projekt (vings) zu Medienkompetenz und Nutzungsstrategien von Lehrenden durch.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Digitale Medien in der Bildung, Techniksoziologie, Frauen- und Geschlechterforschung.
Heike Wiesner: Promovierte Soziologin seit April 2001. Von 10/1999 bis 04/2000 arbeitete sie im ZiF an der Universität Kiel im BMBF-Forschungsprojekt "Informationstechnologien und gender studies im Kontext der virtuellen ifu". Seit 03/2001 ist sie im Fachbereich Informatik und seit Anfang 2002 im Zentrum für Digitale Medien in der Bildung (DiMeB) an der Universität Bremen tätig.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Gender Mainstreaming und Neue Medien in der Bildung, science and technology studies (STS), Frauen- und Geschlechterforschung.

5.17. Technikhaltungen von Studentinnen und Studenten in Zukunftstechnologien

Andrea Wolffram

Vortrag, Freitag 14:00 - 15:30

An der FH Furtwangen wurden im Rahmen der Längsschnittstudie "Effekte geschlechtersensitiver Bildungsmaßnahmen in Zukunftstechnologien" in der 1. Erhebung die Technikhaltungen von StudienanfängerInnen erhoben. Ziel der Studie ist es, Typen von Technikhaltungen zu extrahieren, um so die Facetten von Emotionen, Wahrnehmungen, Handlungen und Interessen im Feld der Zukunftstechnologien beschreiben zu können. Bislang zeigten Studien hinsichtlich dieser Einstellungs- und Interessenkomponenten, dass Schülerinnen und junge Frauen oftmals eine eher geringe emotionale Bindung zur Technik haben, weitaus weniger Zutrauen in ihre technikbezogene Begabung aufweisen und Technik im allgemeinen nur wenig Interesse entgegenbringen. Wir nehmen jedoch an, dass es sich bei den Studentinnen in den technischen Studiengängen um eine relativ selektierte Gruppe handelt, so dass weniger Geschlechterunterschiede bedeutsam werden als vielmehr Unterschiede in anderen Dimensionen wie Fachkultur, Ethnie etc. In dieser Veranstaltung sollen die Ergebnisse aus dem 1. Panel vorgestellt werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Sind Frauen in den Zukunftstechnologien die Abweichung von der Norm - im Vergleich zu technikfernen Frauen und im Vergleich zu technikzentrierten Männern? Im Hinblick auf Technikbilder scheinen weniger das Geschlecht als vielmehr andere Aspekte wie Fachkultur, Ethnie etc. und deren Ausstattung mit Machtressourcen für die Definition von Standard und Abweichung ausschlaggebend zu sein.

Die Referentin:
Im Rahmen der Längsschnittstudie "Effekte geschlechtersensitiver Bildungsmaßnahmen in Zukunftstechnologien" am Kompetenzzentrum Technology and Gender in Applied Sciences (TanGenS) an der FH Furtwangen untersuche ich seit März 2002 die Technikbilder von Ingenieur- und Informatikstudentinnen und -studenten. Zuvor habe ich an der TU Braunschweig zu den Studienbelastungen und deren Bewältigung von Ingenieurstudierenden im Geschlechter- und Hochschulvergleich promoviert.

5.18. Über "Gender" hinaus: Gedanken zu rassistischen Verhältnissen beim Programmieren (Computing)

Seda Gürses

Workshop, Freitag 16:00 - 17:30

Feministische Diskurse haben wunderbare Kritiken zu Einschluss- und Ausschlusspraktiken hervorgebracht, die sich um Gender und Informatik drehen. Mit je verschiedenen praktischen oder theoretischen Schwerpunkten wird Informatik von feministischen Forscherinnen ge-gendered.
Leider sind in diesen Diskursen rassistische Praktiken noch nicht in den Mittelpunkt gerückt worden. Zudem haben die feministischen Studien in diesem Bereich sich auf weiß/europäisch/anglo-amerikanische Situationen beschränkt und so ist es bisher nicht gelungen, die Teilhabe und Perspektiven von ImmigrantInnen und "People of Color" an diesen Diskursen zu gewinnen.
In diesem Workshop werde ich den Teilnehmerinnen die Möglichkeit geben, zwei Szenarien zu analysieren, die Faktoren von Rasse und Geschlecht in der Informatik sichtbar machen. Anschließend diskutieren wir Mechanismen von Rasse in der Informatik und in Kreisen feministischer Wissenschaftlerinnen. Wir schauen uns Praktiken von Objektivität, Rationalität und Standards in der Informatik an sowie die für die Kritik verwendete Sprache in den feministischen Diskursen. Danach untersuchen wir, wie gemeinsam Strategien für den Umgang mit Rasse und Geschlecht entwickelt werden können.

going beyond gender: thinking of issues of race and racism within computing

feminist discourses on computing have produced wonderful critiques of the gendered inclusionary and exclusionary practices within computer science. With varying emphasis on practical and theoretical issues the science of computing has been and continues to be genderized by feminist scholars. Unfortunately, race or racist practices have so far not been a central concern of these discourses. In addition, the feminist discourse on computing has mostly remained limited to the white/european/anglo-american setting, unable to attract the participation and perspectives of immigrants and people of color.
Within the workshop I will provide the participants with two scenarios that make issues of race and gender visible within computing. We will then go on to discuss how mechanisms of race work within computing and within circles of feminist scientists. We will look into practies of objectivity, rationality, standards within the science of computing, and the language of critique within the feminist discourse. We will then look into developing strategies together for dealing with issues of race and gender.

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 10

5.20. Warum Marie nicht Informatikerin wurde ...

Elisabeth Hirsch

Vortrag, Samstag 14:00 - 15:30

Anhand einer schematisierten Biografie eines Mädchens zeige ich auf, welchen Hürden und Barrieren ein Mädchen/eine junge Frau im Gegensatz zu einem Buben/jungen Mann möglicherweise gegenüber steht. Ich skizziere Faktoren der Techniksozialisation einerseits und Zu- und Umgang mit dem Computer andererseits. Mittels verschiedener Studienergebnisse versuche ich aufzuzeigen, wo die Hindernisse liegen und wie sie überwunden werden (können). Durch Vergleiche mit der Situation in anderen Ländern möchte ich auf weiteres Veränderungspotential hinweisen. Meine Vision: in der Diskussion mit den Teilnehmerinnen geschlechterstereotype Zuschreibungen zu diskutieren, Interventionsmöglichkeiten zu erarbeiten und abschließend eine "barrierefreie" Biografie aufzuzeichnen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Ambivalenz von Weiblichkeit und Technik

Die Referentin:
Studierte Erziehungswissenschaften und Fächerkombination mit den Schwerpunkten Informatik, Informationswissenschaft, Spanisch und Frauenforschung an der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Musikalische Elementarerziehung und Blockflöte am Bruckner Konservatorium Linz.
Diplomarbeit: Frauen und Computer-Bildung in der Informationsgesellschaft. Informations- und Kommunikationstechnologie als Herausforderung frauenspezifischer Bildungsarbeit. Juni 2002.
Seit November 2002 Mitarbeiterin des IFF/IFZ im Projektbereich "Frauen - Technik - Umwelt". Arbeitsschwerpunkt: Frauen und Technik

5.21. Wie kommt das Weltbild in das Naturgesetz?

Brigitte Ratzer

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

Die Regeln, nach denen wir spielen (forschen), beinhalten bereits klare Standards und Vorannahmen über Natur. Die Mitspieler(innen), mit denen wir spielen sind stets Gleiche unter Gleichen: Wissenschaft wird von Wissenschaftler(inn)en ausgehandelt, und von sonst niemandem. Was aber ist in deren (unseren) Köpfen? Welche Weltbilder bringen wir mit. Welche Vorstellungen entstehen im laufe unserer Verhandlungen über Natur? Welche Bilder erzeugen wir durch Metaphern und Vergleiche? Und wie fügt sich das Ganze zu einem kompakten Naturgesetz? Anhand des Fallbeispiels Quantenmechanik möchte ich zeigen, wie Weltbilder in Naturgesetze hinein - und von dort wieder in die Gesellschaft herausfließen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Meine Dissertation erforscht die Standardisierung von Wissen, die Frage, wie denn Standards - im konkreten Fall die Quantenmechanik - entstehen.

Die Referentin:
Der Vortrag ist eine Präsentation meiner Dissertation, die ich vor 1 Woche abgeschlossen habe. Arbeitszeit: ca. 4 Jahre.

5.22. Wie viel "sex" braucht die Forschung zu Gender AMP Environment?

Dr. Doris Hayn

Workshop, Freitag 14:00 - 15:30

Die Diskussionen um sex und gender sind nach dem Höhepunkt in den 90er Jahren abgeflaut. Auch bei den letzten FiNuT-Kongressen stand die Frage, wie "Geschlecht" zu bestimmen ist, nicht im Zentrum. In der Genderforschung besteht Übereinstimmung darüber, dass "weibliche" und "männliche" Körper auch Ergebnis gesellschaftlicher Konstruktionen sind. Offen ist, wie viel Biologie bzw. "sex" die Kategorie Geschlecht beinhalten sollte. In der Gender AMP Environment-Forschung spielen Körper (innere Natur) und Stoffliches (äußere Natur) eine Rolle: u.a. werden Wirkungen von toxischen Stoffen sowie Strahlung auf Körper, Gesundheit und Reproduktion von Frauen und Männern thematisiert und die "Vulnerability" unterschiedlicher Gruppen untersucht. Ferner wird gefragt, welche Wirkungen die Geschlechterverhältnisse auf die Umwelt haben. Die Kategorie gender als rein sozio-kulturelle ist somit nicht hinreichend: es fragt sich, wie viel "sex" dieses Forschungsfeld braucht.

Bezug zum Schwerpunkt:
Das Workshop-Thema hat einen losen Bezug zum Schwerpunktthema: in der Gender & Environment-Forschung geht es u.a. auch um Fragen von Grenzwerten und Standardsetzung, im Workshop wird es auch um die Frage der Abweichung der Kategorien Frau und Mann gehen.

Die Referentin:
Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren zum Thema Geschlechterkonstruktionen und seit 3 Jahren im Feld "Gender & Environment"

5.23. Wir sind immer mittendrin? Transdisziplinarität in der feministischen TechnoWissenschaftsforschung

Jutta Weber, Angelika Saupe

Workshop, Samstag 14:00 - 15:30

Allgemein gilt es als selbstverständlich, dass der Brückenschlag zwischen den Human- und Technowissenschaften für feministische Wissenschafts- und Technikforschung unverzichtbar ist. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass sich die Gräben zwischen den sogenannten zwei Kulturen fortsetzen. Dies gilt im Bereich der Theorieproduktion als auch in der Berufspolitik.
Haraways Vorschlag für eine kritische feministische Wissenschaftsforschung scheint von beiden Seiten nachwievor meist nicht eingelöst zu werden: "Man sollte sich auf Naturwissenschaften, politische Intitiativen, politische Theorie oder was auch immer beziehen und die entsprechenenden Texte lesen und durchdenken können. Das heißt nicht, daß man oberflächlich arbeiten soll. Es bedeutet, daß man diese Differenzen nicht mystifizieren soll."
Gründe und Hintergründe für die fortbestehenden Berührungsängste und Kommunikationsschwierigkeiten möchten wir in unserem Workshop - von ein paar Thesen ausgehend - in offener Form diskutieren.

Bezug zum Schwerpunkt:
Interdisziplinarität ist ein Thema, das generell die Abweichung vom herkömmlichen Wissenschaftsbetrieb bedeutet. Wie kann man sie in diesem Betrieb verwirklichen? Was sind die aktuellen Schwierigkeiten?

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 20

Die Referentinnen:
Jutta Weber ist Wissenschaftsphilosophin und Angelika Saupe ist Landschaftsplanerin und Soziologin. Beide arbeiten seit vielen Jahren zu feministischer Wissenschaftsforschung und haben sich 2001 in diesem Bereich promoviert.

6. Frauengeschichte

6.1. "Durch die Küchentür" - Pionierinnen der Haushaltsrationalisierung zwischen Standard und Abweichung

Susanna von Oertzen

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

"If the only way to enter a man`s field was through the kitchen door, that`s the way she`d enter." Naturwissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Industriepsychologinnen, Architektinnen und Volkswirtschaftlerinnen waren die Pionierinnen der Haushalts- und Küchenrationalisierung in den USA und Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts. Ich möchte die Ambivalenz ihres Unterfangens aufzeigen: Einerseits waren die Protagonistinnen Abweichende von dem Frauen zugewiesenen Wirkungskreis ihrer Zeit und bekamen das von ihrem männlich dominierten Berufsumfeld deutlich zu spüren. Andererseits paßten sie sich durch die (häufig nicht ganz freiwillige) Wahl des typisch weiblichen Arbeitsgebiets "Haushalt / Wohnung und Küche" dem Standard wieder an. Und schließlich bestand ihre Arbeit darin, diesen traditionell weiblichen Tätigkeitsbereich nach männlich konnotierten Effizienzmaßstäben zu standardisieren und zu rationalisieren - aber mit charakteristischen Abweichungen.

Die Referentin:
Ich habe mich schon in meiner Dissertation (1999) mit dem Rationalisierungsgedanken in der Architekturavantgarde der Weimarer Republik beschäftigt und bearbeite seit 2000 an der Universität Kassel, FB 13 Stadtplanung, ein Forschungsprojekt mit dem Titel: "Die Wohnungsfrage muß zu einer Frauenfrage gemacht werden." Der Beitrag der alten deutschen Frauenbewegung zur Stadtplanungs- und Wohnungsreformdebatte 1880-1933, gefördert von der DFG 2001-2003.

6.2. Expertin für Wing Design - Abweichung von der Norm??

Renate Tobies

Vortrag, Samstag 14:00 - 15:30

Die Zeitschrift "The Sun" in Baltimore (USA) führte am 13. Juli 1958 in einem Artikel zum Thema "Woman Wing Designer" aus: "One of the handful of women wing designers in the world of male scientists, Dr. Ingeborg Ginzel, of the Martin Company at Middle River may eventually design the wing of a hypersonic spaceship which will fly at least five times faster than the speed of sound. At present a Ginzel-designed wing of radical shape is being tested in a supersonic wind tunnel by a Government agency. On the results of the test will depend whether the new wing is used for supersonic aircraft." Ingeborg Ginzel stammte aus Deutschland. Obwohl sie einen Abschluss als Lehrerin hatte, ging sie nicht den traditionellen Weg, sondern konnte sich in der Luftfahrtforschung etablieren. Der Vortrag diskutiert ihren Weg, die Ursachen für die Karriere, eingeordnet in die Berufsfelder, die Frauen und Männer mit ähnlichem Studienabschluss gingen. Es wird erörtert, wodurch die Abweichung von der Norm bedingt war, und ob Männer mit entsprechender Richtung ebenfalls von der Norm abwichen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Der Vortrag diskutiert am Beispiel einer Expertin für Luftfahrtforschung (Tragflügel Design), welcher Abweichung von der Norm es bedurfte, um einen außergewöhnlichen Weg zu nehmen.

Zielgruppe:
Die Ergebnisse sind sowohl für Studierende als auch für bereits in einem Beruf tätige Frauen interessant. Außergewöhnliche Leistungen erfordern Abweichungen von der Norm.

Die Referentin:
Ich studierte Chemie und Mathematik und bin habilitierte Mathematik- und Naturwissenschaftshistorikerin, am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern.
Das Thema resultiert aus Forschungen, die im Rahmen eines durch die Volkswagenstiftung geförderten Projektes (seit 1998) unternommen wurden.

6.3. Vergessene Forscherinnen? - Frauen in der Biologie (+Ausstellung)

Nicole Scheifhacken, Ulrike Schwanitz

Einführung in die Ausstellung, Freitag 11:00 - 12:30

Die Ausstellung versucht anhand von Portraits zu 10 ausgewählten Biologinnen herauszuarbeiten, wie sich ihr Leben und Forschen gestaltet hat, was ihr Beitrag zur Biologie war und auf was für Schwierigkeiten sie in der Männerdomäne Naturwissenschaft als Frauen gestoßen sind und immer noch stoßen. Darunter befinden sich so bekannte Frauen wie die Insektenforscherin Maria Sybilla Merian, die uns durch ihre wunderschönen Aquarelle und Kupferstiche in Erinnerung geblieben ist, aber auch unbekanntere, "vergessene" Biologinnen wie Maria von Linden, eine der ersten Biologiestudentinnen, der es gelang zu einem Zeitpunkt an der Universität Tübingen zu promovieren, als es für Frauen noch nicht einmal erlaubt war zu studieren. Neben diesen Portraits wird auch auf die allgemeine Situation gestern und heute von Frauen an Universitäten und in den Naturwissenschaften eingegangen. Die 10 vorgestellten Forscherinnen: Maria S. Merian, Nettie M. Stevens, Maria v. Linden, Rhoda Erdmann, Margarethe v. Wrangell, Barbara McClintock, Rachel Carson, Jane Goodall, Dian Fossey, Biruté Galdikas.

Bezug zum Schwerpunkt:
Dem immer noch geltenden Standard von Ahnenreihen altehrwürdiger Wissenschaftler in den Foyers der Universitäten setzten wir ebenso bedeutsame aber z. T. weniger bekannte Forscherinnen entgegen.

Die Referentinnen:
Veranstalterinnen sind die Marburger Biofrauen, ein Arbeitskreis von Biologiestudentinnen und Biologinnen aus Marburg, der sich seit Herbst 1997 regelmäßig trifft.
Wir setzen uns mit der Situation von Frauen im von Männern geprägten Wissenschaftsbetrieb auseinander und diskutieren kritisch Inhalte biologischer Forschung, z.B. in der Evolutionslehre und in der Soziobiologie. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit den Arbeiten feministischer Wissenschaftlerinnen.

7. Gesellschaft und Politik

7.1. (*) Die biometrische Totale

Erika Feyerabend

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

Seit den Terroranschlägen vom 11. September boomt die Biometrie-Branche. Seitens des Parlaments wurden die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um nicht nur AsylbewerberInnen sondern alle BundesbürgerInnen biometrisch zu vermessen. Gesicht und Hände, Iris und Netzhaut, Stimme und Lippenbewegungen, Gangart oder Handschrift können zum Raster werden, um Personen zu orten. Die biometrische Vermessung ist keine einzelne, besonders "gefährliche" Technik. Sie ist eine politische Technologie des Sehens, Benennens und Erkennens. Die wechselvolle Geschichte der Identifikationstechniken des 19. und 20. Jahrhunderts zeigt, wie fokussiert diese Techniken auf den "kriminellen", "abweichenden", "fremden" Körper waren. Verdächtig - und zwar durch biologische, in den Körper hineingelesene Merkmale und statistisch erzeugte, gruppenbezogene Verhaltensmuster - wurden die Kolonisierten, die Immigranten, die Farbigen, die Armen, die Wandernden, die als degeneriert Klassifizierten, die Prostituierten.

Bezug zum Schwerpunkt:
Die Biometrie als Technologie des Vermessens und Einordnens beschäftigt sich per se mit der Bildung von Standards. Ein Teil des Vortrags beschäftigt sich mit der "Theorie des Durchschnittsmenschen", die der Gründer der Sozialwissenschaften, Adolphe Quetelet, innerhalb seiner "sozialen Physik" entwarf. An diesem "Durchschnittsmenschen" wurden Abweichungen aller Art sichtbar. Dieser Typus des oder der "AbweichlerIn" wurde auch zum Objekt wissenschaftlichen Wissens, explizit der Anthropologie.

Die Referentin:
Die Referentin beschäftigt sich seit vielen Jahren als Journalistin und Sozialwissenschaftlerin mit unterschiedlichen Themenfeldern der Biowissenschaften. Sie ist Mitherausgeberin von BioSkop, einer Zeitung zur Beobachtung der Biowissenschaften.

7.2. (*) Grenzlandgänge

Noa k. Heymann

Seminar, Samstag 9:00 - 10:30

Der Text "analytic Borderland" von Saskia Sassen liefert einen methodischen Zugang für die Analyse des Verhältnisses von Zentrum und Peripherie. In ihrem Text beschreibt sie die dominante ökonomische Erzählung der Globalisierung. Der Text einer Politökonomin kann handlungsleitend für Planende gelesen werde, soll aber im Rahmen der Tagung vor allem als ein analytischer Zugang gesehen werden und daraus resultierend das Verhältnis von Standard und Abweichung beschreiben. Das Seminar wird sich an den Interessen der Beteiligten orientieren und die Relevanz des Textes überprüfen und diskutieren. Weiterhin wird eine Frage sein, in wiefern der Gegensatz von standard:abweichung hergestellt wird und ob es möglich ist, die Grenze dazwischen zu erforschen und welche Ergebnisse geliefert werden können.

Bezug zum Schwerpunkt:
Ausgangspunkt des Seminars wird der Text von Saskia Sassen: "Analytic borderland" sein. Sie beschreibt die dominante ökonomische Erzählung der Globalisierung. Die Struktur einer dominanten Erzählung produziert und konstituiert das Zentrum und die Peripherie. Die Diskussion wird darüber sein, wer Standards produziert, ob sie im Zentrum zu verorten sind und wer das Zentrum und jeweils die Peripherie bzw. Abweichung sind.

Zielgruppe:
Vor allem für Frauen aus der Planung, aber auch für alle anderen Interessierten. Wichtig: Lust auf kritische Diskussionen.

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 25

Die Referentin:
ich bin studentin der landschaftsplanung an der TU berlin. im hauptstudium ist einer meiner schwerpunkte gender plannning. seit 1995 beschäftige ich mich mit antirassismus, identitätskonstruktionen, usw.

7.3. (*) Konnotationen von Standard und Abweichung - Ergebnisse zweier empirischer Studien

Ruth Jäger

Vortrag, Samstag 9:00 - 10:30

Welche Bedeutungen und Bewertungen sind mit den Begriffen Standard und Abweichung verknüpft? Sind diese stabil oder wechseln sie in unterschiedlichen Kontexten? Zu u.a. diesen Fragen wurden zwei empirische Studien (n=290 bzw. n=70) durchgeführt. In der ersten Studie wurden die globalen Konnotationen der beiden Begriffe mittels der Methode des Semantischen Differenzials erhoben. Für die zweite Studie, die neben den Konnotationen auch die Kontextualität thematisiert, wurde im Sinne eines Satzergänzungsverfahrens ein Fragebogen entwickelt und eingesetzt. Im Ergebnis der Studien zeigen sich zum einen Unterschiede in den Konnotationen, zum anderen gibt es Hinweise für kontextspezifische Bedeutungen der Begriffe Standard und Abweichung. Die Ergebnisse der Studien sollen im Vortrag ausführlich dargestellt und sowohl die Methoden als auch die Ergebnisse zur Diskussion gestellt werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Der Bezug zum Kongressthema besteht in der direkten Aufnahme der Worte des Themas als Gegenstand der empirischen Forschung, über deren Ergebnisse berichtet werden soll.

Die Referentin:
Seit wann arbeite ich an diesem Thema? Es begann im Frühjahr 2002. Da hörte ich zum ersten Mal das Thema des diesjährigen FiNuT-Kongresses. Und sofort tauchten zum einen Fragen auf wie: Wie werden die Begriffe wahrgenommen? Ist Standard mit gut und Abweichung mit schlecht assoziiert? Zum anderen waren sofort Ideen zur empirischen Umsetzung dieser Fragestellung da. Diese verwirklichte ich im Wintersemester 2002/2003 zum Teil gemeinsam mit Studierenden eines meiner Seminare, die ich im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu halten hatte.

7.4. (*) Lesben und andere Abweichungen

Gudrun Fischer

Seminar, Samstag 9:00 - 10:30

Lesben sind in Naturwissenschaft und Technik fast unsichtbar. Wahrscheinlich reicht ihnen schon die Tatsache, als Frau in diesem Bereich exotisch zu sein. Warum kommt von Frauen/Lesben aus dem naturwissenschaftlichen Bereich so wenig Kritik an dem in dieser Gesellschaft festgelegten Frauenbild? Wo dieses Frauenbild gerade von der Naturwissenschaft (und Medizin) so stark zementiert wurde? Ein Film über Transgender soll die Diskussion darüber anregen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Obwohl Naturwissenschaftlerinnen, Mathematikerinnen und Technikerinnen schon eine Abweichung vom üblichen Frauenbild sind, sind Lesben in dem Bereich es nochmal mehr.

Zielgruppe:
Lesben, Queer, Transgender, alle Frauen, die über das Thema diskutieren wollen.

Die Referentin:
Seit ein paar Jahren arbeite ich zu dem Thema "Lesben in Naturwissenschaft und Technik" und habe dazu mehrere Artikel veröffentlicht. Ich arbeite an einem Buch zu diesem Thema.

7.5. (*) Sexisierungen - jenseits von Standard und Abweichung?

Thea Stroot

Vortrag, Samstag 14:00 - 15:30

Effektivitätsparadigmen der Moderne haben in veränderter Weise zwei Geschlechter hervorgebracht, die seitdem Struktur und Funktionalität (post)moderner Gesellschaften bestimmen: Körper und Gesellschaften sind über Standard und Abweichung definiert, die Norm existiert nur über die Nicht-Norm. Kann die Postmoderne nun die Nicht-Nichtnorm kreieren? Welche theoretischen und praktischen Konzepte lassen über die "Standard-Abweichung" hinaus Lebensweisen und verändert sexisierte, nicht-normierte Körper und Gesellschaften denkbar werden?

Bezug zum Schwerpunkt:
Es geht um Standard und Abweichung in der sozialen Zuweisung von Geschlecht.

Die Referentin:
Ich bin wissenschaftliche Angestellte am Oberstufen-Kolleg an der Uni Bielefeld und arbeite seit mehreren Jahren an gender-Themen.

7.6. (*) Wie normal ist Kinderkriegen heute (noch)?

Clarissa Schwarz, Beate Schücking

Vortrag, Freitag 9:00 - 10:30

Eine Geburt ist zu einem hochtechnisierten Prozess geworden. In der BRD sind ca. 70% aller Schwangeren "risikoschwanger" und alle Geburten - normale wie komplizierte - werden in der Klinik technisch kontrolliert. Im Rahmen des Forschungsprojekts Technisierung der "normalen" Geburt - Interventionen im Kreißsaal wurden die Daten aller Geburten, die zwischen 1984 und 1999 durch die niedersächsische Perinatalerhebung erfasst wurden, in eine quantitative Analyse einbezogen, insgesamt mehr als eine Million Geburten.
Welches Ausmaß hat die Technisierung der "normalen" Geburt mittlerweile angenommen? Wie viele Frauen erfahren Eingriffe während der Geburt, von der Einleitung über Infusionen, Schmerzmittel bis hin zur operativen Beendigung der Geburt? Die Entwicklung der Technisierung und der Ist-Zustand in den Kreißsälen wurde durch den Vergleich von "normalen" und Risiko-Geburten analysiert. Die Ergebnisse können Aussagen machen über das Ausmaß von Eingriffen und auch über Trends in der Entwicklung.

Bezug zum Schwerpunkt:
Die Mehrzahl aller Schwangeren (über 70%) wird heute durch die herrschenden Richtlinien, wie sie im Mutterpass dokumentiert sind, als risikoschwanger definiert. Damit ist eine Risikoschwangerschaft zur Regel geworden und eine normale Schwangerschaft zur Ausnahme. Geburtshilfliche Interventionen, von der Geburtseinleitung über Wehen- und Betäubungsmittel bis zum Kaiserschnitt, sind in einem Ausmaß üblich geworden, dass der geringe Anteil der Frauen, die eine normale Geburt - im Sinne einer Geburt ohne medizinische Eingriffe - erleben, als Abweichung gelten können.

Die Referentinnen:
Während 2 1/2 Jahren war ich im Rahmen des Forschungsprojekts "Technisierung der ´normalen´ Geburt" als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Das Projekt konnte unter der Projektleitung von B. Schücking von 1999 bis 2001 dank der Förderung durch den NFFG (Niedersächsischer Forschungsverbund für Frauen- / Geschlechterforschung) an der Universität Osnabrück durchgeführt werden. Nach vielen Jahren praktischer Berufserfahrung als Hebamme war ich in diesem Zusammenhang für die Analyse eines beachtlichen Datensatzes zuständig, bestehend aus Daten von über einer Million Geburten, die von 1984 bis 1999 in niedersächsischen Kliniken stattgefunden haben. Seit der Abgabe des Abschlussberichts im Jahr 2002 beschäftigt mich dieses Thema im Rahmen eines Promotionsvorhabens weiter.

7.7. (*) Wir machen dich richtig! Gender als normatives Kriterium in der Transsexuellenforschung

Barbara Schleicher

Vortrag, Samstag 11:00 - 12:30

Wo kommt eigentlich die sex/gender-Unterscheidung her? Recherchen zu dieser Frage führten mich zu den wissenschaftlichen Theorien und operativen Behandlungspraktiken des Transsexualismus. Die sex/gender-Unterscheidung wird hier zur Erklärung des Auseinanderklaffens von natürlichem Geschlecht und Geschlechtsidentität eingesetzt. Darüber hinaus dient sie aber auch als Legitimationsfigur für die operative Geschlechtsanpassung. Nur wenn der Nachweis einer eindeutigen und konstanten Identifikation mit dem anderen Geschlecht nachgewiesen werden kann, wird der transsexuelle Patient zur Operation zugelassen. Nicht das natürliche Geschlecht, sondern geschlechtliche Identität wird als unhintergehbare Grundlage von Geschlechtlichkeit identifiziert. Dieser Provokation des üblichen Verständnisses der sex/gender-Unterscheidung will ich in meinen Vortrag nachgehen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Meine Recherchen zu Geschichte und Stand der Transsexuellenforschung haben ergeben, dass gender in dieser als normative Kategorie eingesetzt wird. Das Auseinanderklaffen von biologischem Geschlecht und Geschlechtsidentität im Transsexualismus wird durch eine besondere Betonung der Bedeutung des sozialen Geschlechts beantwortet. Nur wenn eine eindeutige und konstante geschlechtliche Identifizierung mit dem Gegengeschlecht nachgewiesen werden kann, wird der transsexuelle Patient zur operativen Geschlechtsanpassung zugelassen. Gender bekommt hier eine Funktion als quasi Natur - eine Form der Standardisierung -, an die der geschlechtliche Körper, verstanden als Abweichung, operativ angepasst wird.

Die Referentin:
Das Thema ist Bestandteil meiner Dissertation, an der ich seit ca 1,5 Jahren arbeite. Die Dissertation hat den Arbeitstitel: "Technologische Geschlechtskörper: Bildungstheoretische Dimensionen der Transsexuellenforschung" und beschäftigt sich u.a. mit der systematischen Bedeutung der sex/gender-Unterscheidung in der Transsexuellenforschung.

7.8. (*) Biopolitik und gesundheitspolitische Praktiken - Geschlechterdifferenz in der Krankenversicherung

Gerlinde Mauerer

Vortrag, Freitag 9:00 - 10:30

Ziel der vorgestellten Arbeit ist die soziologische Analyse und Neubewertung von Zusammenhängen zwischen Biopolitik und Krankenversicherung. Dies geschieht unter Einbeziehung von Diskursen über Gesundheit und Krankheit sowie der Erfassung von Krankheiten unter Genderaspekten. Ebenso werden Neuerungen im Bereich der Biotechnologien und ihre Anwendungen in der reproduktionsmedizinischen und gentechnischen Praxis untersucht. Geplante respektive zu erwartende Veränderungen in der Krankenversicherung werden als Technik- und Technologiefolge beleuchtet.
Technikbegleitforschungen und Technikfolgenabschätzungen werden unter sozial-, gesundheitspolitischen und geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten vorgenommen; insbesondere im Hinblick auf die Implementierung von Reproduktionsmedizin und Gentechnik in der Krankenversicherung, mit dem Ziel herauszufinden, ob Veränderungen hinsichtlich einer Aufnahme von neuen technischen und technologischen Verfahren in den genannten Bereichen sich in einer weiteren Erhöhung der Beiträge von Frauen auswirken werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Technisierung und Technologisierung von Schwangerschaft und Geburt - Normproduktion, Datenerhebung und -erfassung, vorgeburtliche Bewertung von "menschlichem Material" und Festlegung von Normen/Abweichungen; kritische Analyse einer "entmündigenden Expertenherrschaft" (Illich 1983: 30), sprich des Vorrechts der Medizin/Naturwissenschaft, Abweichungen sowie deren Korrekturbedürftigkeit festzulegen bzw. zuzuweisen, plus nachfolgendem "Monopol auf die entsprechenden Eingriffsmaßnahmen" (Samerski, 2002)

Zielgruppe:
Interesse an der Auseinandersetzung mit neuen Biotechnologien, respektive mit gesellschafts-/ frauenpolitischen und geschlechtsspezifischen sozioökonomischen Auswirkungen neuer Technologien, sowie deren Wirkweise in Bezug auf die (Re-)Produktion von Normen (u.a. heterosexuelles Paar- und kleinfamiliäres Ideal, sowie in Bezug auf "Normgrößen", "Normgewicht", "Norm-Ausstattung" von Menschen - (sozial-)biologisch und genetisch).

Die Referentin:
dzt. Forschungssarbeit zum Thema Geschlechtsspezifik in der Medizin/Krankenversicherung, v.a. in Zusammenhang mit Biotechnologien und politischen Umsetzungen im Bereich Fortpflanzungsmedizin bzw. sogenannten Fortpflanzungshilfe; Arbeiten zum Thema weibliche Körpergeschichte und Subjekttheorie (Titel der Dissertation/publ. Bei Milena/Wien: Medeas Erbe. Kindsmord und Mutterideal); Veröffentlichungen zu Gentechnik und Reproduktionsmedizin, Rezensionen in frauenspezifischen und feministischen Medien; seit 7 Jahren Mitarbeit in feministischen Projekten, v.a. in der Frauenhetz - Verein für feministische Bildung, Beratung und Kultur.

7.9. Chemiepolitik im Blick - das neue Weißbuch der Europäischen Kommission

Ninja Reineke

Vortrag, Freitag 11:00 - 12:30

Hormonähnlich wirkende Weichmacher in Kinderspielzeug, Arzneimittelreste im Trinkwasser, Nonylphenol in Tomaten - während vor einigen Jahren die Emissionen großer Chemie-Unternehmen Schlagzeilen machten, sind es heute die "Schadstoffe des Monats" die die öffentliche Diskussion prägen. Die Wirkungen auf Mensch und Umwelt sind schwer abzuschätzen.
Das im Frühjahr 2001 verabschiedete Weißbuch zur EU-Chemikalienpolitik soll Licht in das Dunkel der vielen auf dem Markt befindlichen Chemikalien bringen. Dabei wird auf eine Kombination von Marktinstrumenten und staatlicher Zulassung für besonders gefährliche Stoffe gesetzt. Während viele Umweltverbände und Behörden in dem Prozess eine Chance sehen, sowohl das Vorsorgeprinzip als auch das Verursacherprinzip angemessen umzusetzen, sind viele Chemiebetriebe sehr skeptisch.
Welche Akteure verfolgen auf der EU-Ebene welche Ziele? Wie läuft politische Lobbyarbeit hinter den Brüsseler Kulissen ab? Welche Wege aus der Misere weist das EU-Weissbuch?

Bezug zum Schwerpunkt:
Die Aufstellung von Umweltqualitätszielen erfordert die Einteilung in Kategorien von "wünschenswert" bis "nicht akzeptabel". Wer definiert diese Standards und sorgt für ihre Durchsetzung bzw. Einhaltung? Welche Konsequenzen haben Abweichungen?

Zielgruppe:
alle, die einen Einblick in die politische Lobbyarbeit auf EU-Ebene bekommen wollen und sich für das Ziel einer sauberen Umwelt und ungefährliche Lebensmittel interessieren

Die Referentin:
Diplom-Chemikerin, Promotion im Bereich Umweltchemie und Ökotoxikologie an der Universität Hamburg, Thema: "Biotestgeleitete Analytik von ökotoxikologisch relevanten organischen Substanzen in Sedimentextrakten der Nord- und Ostsee"

7.10. Die Bibliothek in der Therapiegesellschaft

Renate Klepp

Vortrag, Freitag 14:00 - 15:30

Eine Gesellschaft ohne Psychoanalyse ist (seit Sigmund Freud) nicht mehr denkbar. Die Bibliothek verstehen wir sowohl als Ort der Wissensvermittlung - der Benutzerinformation kommt immer größere Bedeutung zu - als auch als Raum des sozialen Lernens. In den Räumen ist "Stilles Lernen" im historischen Lesesaal ebenso möglich wie Gruppenarbeit in den Foyers, an den Kopiergeräten ist schon manche Diplomarbeit diskutiert worden, auch das Einnehmen einer Jause in der Garderobe gehört zum Alltag der BenutzerInnen. (s. Umberto Eco: 21 Thesen zur Bibliothek). An der Universitätsbibliothek Wien ist eine hohe Benutzerfrequenz festzustellen, pro Woche werden ca. 34.500 Besucher gezählt. Eine Evaluation hat uns in unserem Bemühen bestätigt, vermehrt elektronische Ressourcen anzubieten. Drei Frauen stehen an der Spitze dieser Bibliothek, 246 MitarbeiterInnen sind in 58 Einheiten tätig.

Bezug zum Schwerpunkt:
Standard bedeutet für uns: StudentInnen - dazu: Personen mit Behinderung: für sie gibt es einen Blindenarbeitsplatz, der von zwei Kolleginnen betreut wird - Lehrbücher sind somit auf Braille verfügbar, weiter wollen wir in Schulungen auf den Unterschied der Datenabfrage über WWW und CD-ROM informieren. Auch für E-books gibt es derzeit keinen Standard.

Die Referentin:
Seit 1997 bin ich in der Bibliothek im Führungsteam. Zuerst war mir der Bestandsaufbau anvertraut - wir versorgen über 66.000 StudentInnen an der Universität Wien mit Literatur, auch gehen wir auf Wünsche der Benutzer ein - unser digitales Wunschbuch steht 24 h / 7 Tage der Woche zur Verfügung. Für Ausstellungen haben wir Themen aus Kunst und Gesellschaft - z. B. Klimt, Graz - Kulturhauptstadt Europas 2003 .... Die Räume der Uni werden allerdings nicht nur zur Recherche genutzt - den sozialen Kontakten kommt wesentliche Bedeutung zu!

7.11. Grundlagen des Gender Mainstreaming

Lisa Glagow-Schicha

Seminar, Samstag 14:00 - 15:30

Gender Mainstreaming (GM) wird sowohl als Prozess als auch als eine Vorgehensweise gesehen, die die Geschlechterperspektive in die Gesamtpolitik aufnehmen soll. Alle am Entscheidungsprozess beteiligten AkteurInnen sollen hierbei eine geschlechterbezogene und -differenzierte Sichtweise einnehmen für alle Entscheidungen auf allen Ebenen von der Planung bis zur Evaluierung einer Maßnahme. In diesem Seminar sollen zuerst die Begriffsdefinitionen von GM geklärt werden und die politischen Grundlagen dargelegt werden. Ferner soll diskutiert werden, wie das Verhältnis von GM zur traditionellen Frauenpolitik ist. Es sollen die Chancen und die Risiken hinterfragt werden, die mit diesem neuen GM-Ansatz verbunden sind. Dabei soll der unterschiedliche Ist-Stand auf verschiedenen Ebenen diskutiert werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Was gilt als Standard im Gender Mainstreaming? Sind es wirklich weibliche und männliche Anforderungen im gleichen Maße?

Die Referentin:
Ich beschäftige mich seit etwa 20 Jahren mit dem "Frauenthema". Beruflich bin ich tätig als Gymnasiallehrerin für Mathematik, Informatik und Englisch und arbeite als Moderatorin für LehrerInnenfortbildungen für die Bezirksregierung Düsseldorf. Daneben bin ich ehrenamtlich tätig als Sprecherin der FG "Frauen und Technik" im Institut für Informations- und Kommunikationsökologie (ikö).

7.12. Macht "Öko-Mainstreaming" Sinn?

Katharina Prinzenstein, Sylvia Matzer

Workshop, Freitag 9:00 - 12:00

Die Auseinandersetzung mit Gender Mainstreaming manifestiert die Problematik von Nutzen und Schaden politisch "erzwungenen" Handelns gegenüber "freiwilligem" Handeln massiv. Daher gibt es auch wenig feministische Kritikerinnen, die alle Aspekte und alle Elemente des Mainstreamings ablehnen. Frauen des Südens waren es ursprünglich, die eine ständige und grundlegende Auseinandersetzung mit Gender in der politischen Praxis eingefordert hatten; die jetzigen (EU-)Normen dazu geben ihre Vorstellungen aber nicht wider. Was wäre nun davon zu halten, auf regionaler, bundesweiter oder EU / UNO-Ebene allgemeine Öko-Standards festzusetzen, die über "Grenzwertverordnungen" oder Schutzquoten hinausgehen? Würden die Umweltaktivistinnen in 10, 20 Jahren ähnlichen Verzerrungen ihrer Grundidee begegnen? Ließe sich dergleichen verhindern? In diesem Workshop sollen Analyse, basisbezogene Information und (strategische) Grundsatzdebatten mit einander verknüpft werden.

Bezug zum Schwerpunkt:
Der Widerstand gegen und die Beteiligung an Kodizes und einzelnen Normen stellen für Jede tagtäglich ein Spannungsfeld dar. Für kollektive Entscheidungen aber, wo Normen wünschenswert sind und wo sie dagegen mit aller Kraft zu bekämpfen wären (vgl. z.B. GATS) ist es wesentlich, breit miteinander zu diskutieren: Daher soll dieser Workshop der Gegenüberstellung und Debatte verschiedener Vorstellungen und Strategien von zielführender feministischer Öko-Politik dienen. Die Auseinandersetzung mit der Mainstreaming-Konzeption von "umsetzbar" bleibt dabei nicht der einzige Zugang zu den wesentlichen Fragen: Wem kann Top-Down faktisch nutzen? Zentral verordnen oder global erwirken? Mit wem kooperieren? Welche Öko-Standards? Welche Technologie-Standards? Welche Entscheidungsstrukturen? Und: Was erwirken wollen?

Zielgruppe:
Um eine "wirklichkeitsnahe" Diskussion zustande zu bringen, sind Teilnehmnerinnen aus allen Bereichen und Wissenskontexten eingeladen. Eine Voranmeldung mit kurzer Nennung des Zugangsinteresses wird gerne bis 15.5.2003 zur Kenntnis genommen: Bitte Mail an: a8401943@unet.univie.ac.at

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 30

Die Referentinnen:
Katharina Prinzenstein: z.Z. freie Feministische Wissenschafterin (Soziologin). Intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Gender Mainstreaming seit 2000, dazu mehrfach Veranstaltungen und Textproduktion; vertiefte Auseinandersetzung mit Normen / dem Rechtssystem seit 1995; Grundkonzeption einer vertretbaren Wissenschaft u. Politik unter dem Paradigma ökosozialer entwicklungspolitisch egalitärer Nachhaltigkeit. Sylvia Matzer: Auseinandersetzung mit Umweltschutz seit 1984, feministisch-politisches Engagement seit 1986; Mit-Initiatorin einer Frauenbildungsinitiative; Elektrotechnikerin im 2. Bildungsweg und damit Verknüpfung der genannten Aspekte: Photovoltaik als partizipatives Konzept von Energieumwandlung u. -einsetzung und als wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit.

7.13. Personality Status and Scientific Knowledge

Valentyna Stakhnevych, Larysa Sklepova

Vortrag (English), Samstag 11:00 - 12:30

Our country as all countries of the world has its own standards, installations, norms, etc., which strongly influence our perception of different branches of Science and Technology, the world and ourselves. Integration of sciences is directed to help people from different countries to push scientific technical progress not only in the own country but in the whole world. When we speak about scientific technical progress we can not touch upon the question - who defines norms, standards, installations etc. Naturally people - men and women. To-day progress of science depends also on status of a personality in society, understanding his or her position in it, norms and society installations and also myths concerning this or that member of the society. All of this is closely connected with the conception of gender.

The Conception of gender, gender stereotypes, gender equality, gender roles and other definitions are entered in the life of many countries. These definitions can be accepted by the country, people or some people differently. It depends on many factors: national mentality, level of development of this or that society, active position and erudition of this or that member of society - a man or a woman etc. We are trying in our activity to do some attempts to "wake up" young generation - students, graduate students and young scientists to take an active vital position in their own life and in science too. Some of our scientific data will be presented in the report.

The Authors:
Dr. Valentyna Stakhnevyc and Dr. Larysa Sklepova are the representatives of the National Agricultural University, Kiev, Ukraine. Professors and the leaders of the NGO association "Women in Agricultural Education" from 1997.

7.14. Standard und Abweichung bei Transsexualität bezüglich Recht und med. Prozedere

Saku Hanna Hagenauer

Seminar, Samstag 16:00 - 17:30

In dieser Veranstaltung möchte ich nach einer Einführung in die Thematik mit den Teilnehmerinnen eine Diskussion führen. Mit einem Videoausschnitt möchte ich beginnen. Anschließend folgt ein Überblick über die rechtliche Situation in der BRD (Forderungen des EU-Parlamentes) und die Vernetzung mit den medizinischen Möglichkeiten. Auch Wirkungen des sozialen Umfeldes sollen nicht vernachlässigt werden. Auf Wunsch kann ich den typischen Weg einer transsexuellen Person skizzieren. Im Anschluß daran möchte ich eine offene Diskussion führen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Auch bei Transsexuellen gibt es ein erhebliches Interesse der Gesellschaft, daß der Standard Mann oder Frau eingehalten wird. Dies versucht mann mittels Gesetze und anderem zu erreichen.

Die Referentin:
Ich studiere an der Universität Kassel EW. Mgistra. Im Rahmen meines Studiums besuchte ich aus eigenem Interesse einige Veranstaltungen zum Thema Geschlecht. Über das Thema Transsexualität machte ich bis jetzt 2 Scheine.

7.15. Urbane Praktiken. Strategien und Raumproduktionen feministischer Frauenöffentlichkeit

Dr. Yvonne P. Doderer

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

In diesem Vortrag möchte ich einige Ergebnisse und theoretische Grundlegungen meiner Untersuchung zum wechselseitigen Verhältnis von feministischer Frauenöffentlichkeit und urbanem Raum vorstellen. Welche Beiträge leistet die feministische Frauenöffentlichkeit zu städtischer Kultur, gesellschaftlichem Leben und sozialer Dienstleistungsökonomie? Denn gerade die feministische Frauenöffentlichkeit stellt ja, aus tradierter PlanerInnensicht betrachtet, eine, zudem scheinbar vernachlässigbare Abweichung vom üblichen Standard der auf ökonomische Verwertbarkeit getrimmten Stadträume dar. Nicht zuletzt wird in diesem Vortrag auch der Frage nachgegangen werden, welche Perspektiven sich aus den gewonnenen Erkenntnissen für ein feministisches Verständnis von urbanem Raum entwickeln lassen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Standard: Stadträume/urbane Raumproduktionen werden den Gesetzen des Marktes unterworfen
Abweichung: feministische Frauenöffentlichkeit / Frauenprojektekultur
Standard: feministischer Planungsdiskurs: Stadt = Angstraum, Hindernis für Frauen
Meine Abweichung: These: Urbaner Raum = Voraussetzung für Selbstorganisation, "Emanzipation", Raumaneignung, wobei hier ein erweiterter Raumbegriff vorausgesetzt wird.

Die Referentin:
Yvonne P. Doderer, Freie Architektin und Stadtplanerin, arbeitet im wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Feld.
Internationale Ausstellungsbeteiligungen (u.a. NowHere, Louisiana Museum of Modern Art/Humlebaek, First Story - Women Building/New Narratives for the 21st Century/Kulturhauptstadt Porto 2001), Vorträge und Lehrtätigkeiten an diversen Kunsthochschulen (u.a. Royal Danish Academy/Kopenhagen, Akademie der Künste/Wien, Merz Akademie/Stuttgart). Mit der Untersuchung "Urbane Praktiken. Strategien und Raumproduktionen feministischer Frauenöffentlichkeit" promovierte sie im Jahr 2002 an der Fakultät Raumplanung der Universität Dortmund zur Doktorin der Politik.

7.16. Wissenschaft als gesellschaftliche Macht-Technologie

Dr. Elvira Boeker

Seminar, Freitag 9:00 - 10:30

Am Beispiel der Medizin soll die soziale Machtdimension medizinischen Wissens und dessen funktionelle Einbindung in die Konstruktion sozialer Hierarchien dargestellt werden. Die Funktionalisierung gerade der medizinischen Wissenschaft zur Legitimierung sozialer Ungleichheiten wird entlang der Science-Gender-Achse aufgezeigt sowie anhand der Foucault´schen Machttheorie theoretisch verankert. Überdies soll das Wirksamwerden des medizinischen Konstruktions- und Machtmonopols auf die Verwaltung neuer sozialer (Krankheits-)Phänomene (z.B. Alter als Krankheit) untersucht werden, um daran aufzuzeigen, inwiefern die medizinische Wissenschaft soziale Maßstäbe von "Standard und Abweichung" definiert. Dabei gehe ich davon aus, dass in den gängigen Praktiken im medizinischen Setting wie Beobachtung, Untersuchungsprozeduren, Meßverfahren und das Vergleichen und Messen der Individuen an festen Normen eine Sichtbarmachung und Materialisierung der Dichotomie "Standard/Abweichung" Gestalt annimmt.

Bezug zum Schwerpunkt:
Die medizinische Wissenschaft als soziale Institution definiert soziale Maßstäbe von "Standard und Abweichung". In den gängigen Praktiken im medizinischen Setting wie Beobachtung, Untersuchungsprozeduren, Meßverfahren und das Vergleichen und Messen der Individuen an festen Normen nimmt gleichsam eine Sichtbarmachung und Materialisierung der Dichotomie "Standard/Abweichung" Gestalt an.

Die Referentin:
Thema meiner Dissertation über die medizinische Professionskultur (Elvira Boeker 2001 - Der ärztliche Habitus aus interkultureller Perspektive, Hamburg).

7.17. Wissenschaftliches E-Publishing: Alles frei ins Netz!

Claudia Koltzenburg, Theresa Velden

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

Noch sind die meisten Zeitschriftenbeiträge nicht frei im Netz verfügbar, denn kommerzielle Rechteverwerter (Elsevier & Co.) wollen mit der Zugriffsbeschränkung Profit machen. Wissenschaftspolitische Kritik und gute Netzwerkarbeit sind hier vonnöten, um in das etablierte System Bewegung zu bringen. Das DFG-geförderte Projekt German Academic Publishers (GAP, www.gap-c.de) und das Heinz-Nixdorf-Zentrum für Informationsmanagement in der Max-Planck-Gesellschaft (ZIM, www.zim.mpg.de) mit seiner etablierten freien E-Zeitschrift "Living Reviews in Relativity" (www.livingreviews.org) gehen zusammen mit internationalen open access-Initiativen neue Wege. Hier geht es um Geschäftsmodelle, technisch interessante, strukturierte Dokumentmodelle auf Basis von XML sowie Workflow-Funktionen für Publikationsprozesse.
Siehe: "Ein Netz im Netz der Netze" www.heise.de/ct/02/18/080, "E-Publish or Perish" www.heise.de/ct/02/18/084, Open Access to Scientific and Technical Information www.inist.fr/openaccess

Bezug zum Schwerpunkt:
Im bisherigen Arrangement zwischen WissenschaftlerInnen, Bibliotheken und Verlagen sind die meisten Zeitschriftenbeiträge nicht frei im Netz verfügbar, denn die kommerziellen Rechteverwerter wollen mit der Zugriffsbeschränkung Profit machen. Was in diesem Prozess des Übergangs hin zu Open Access "Standard" und was "Abweichung" sein wird, daran können alle mitbestimmen, insbesondere die Wissenschaftlerinnen selbst, wenn sie bereit sind, im neuen Rahmen frei im Netz zu publizieren.

Zielgruppe:
Frauen, die ihre eigenen Publikationen frei im Netz zugänglich machen wollen und die die von KollegInnen frei zugänglich im Netz lesen können wollen.

Die Referentinnen:
Wir sind eine Anglistin, die im Wissenschaftsbereich als IT-Projektmanagerin arbeitet und eine Physikerin, die die Position der Executive Director im wissenschaftlichen Informationsmanagement innehat. In die Projekte, mit denen wir befasst sind, bringen wir außer den studienfachtypischen Kenntnissen ein: Berufserfahrung in Wissenschaftsjournalismus und wissenschaftlicher Dokumentation sowie aus einem Editorial Office einer wissenschaftlichen Zeitschrift, ferner Koordinationserfahrung in internationalen wissenschaftlichen Netzwerken und Analysestrategien für die Nutzung und Weiterentwicklung vorhandener Kommunikationsinfrastrukturen. Wir möchten den FiNuT-Teilnehmerinnen ein hochspannendes Gebiet vorstellen, in dem kritische Ansätze Konjunktur haben.

7.18. Women, Power and Progress

Frances Grundy

Seminar (English), Freitag 14:00 - 15:30

While there is evidence that there are increasing numbers of women entering some of the traditional sciences at undergraduate level, this increase has not followed through to later career stages. This stagnation prompts an analysis of what really are the goals of womens movements; do they have an ultimate shared goal? Indeed can they have a shared goal at all? One goal, not often articulated, was to give greater recognition and reward to essential female qualities like nurturing. The results of attempts to reward these "feminine" attributes are not promising. Not all women have them, and who is to say these are the best attributes anyway. Foucault was a proponent of the objections to essential qualities. I shall relate Foucaults ideas on power, discipline and normalisation to our lives in the scientific workplace. And I shall provide some contemporary examples of how his description of the technologies of power, discipline and normalisation do indeed appear to operate.

Common aspects with the overall congress subject "standard:deviation":
A major part of my seminar will be on the way in which traditional scientific and technical communities react to women, for example, who do not conform to their collective idea of the "norm". I will discuss with participants how the processes of discipline and normalisation tend to work in a typical academic environment.

The Author:
I have worked on gender and technology for over 10 years and have been taking a special interest in Foucault for the past year. During this academic year I have given seminars at the T-U Wien on the relevance of Foucault's ideas on power and discourse to the position of women in technology today.

8. Mädchen- und Frauenförderung

8.1. "Sind wir blöd" Trickfilmcollage zur Pisa-Studie von Mädchen im Alter zwischen 10 und 21 Jahren

Schweizer, Renate

Kleine Filmvorführung, Freitag 13:30 - 13:50

Nach dem Pisa-Schock haben sich Mädchen und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 21 Jahren in der Mädchen- und Frauenwerkstatt, Karlsruhe zum Thema "Sind wir blöd?!" in Form von Zeichnungen ausgelassen. Entstanden ist eine kleine Trickfilmcollage, die verdeutlicht, dass Bildung vor allem Spielraum und Herz braucht.

Zielgruppe:
Schülerinnen und Lehrerinnen

8.2. "step in - m+m" - Mentoring und handlungsorientierte Angebote in technischen Arbeitsfeldern

Ingeborg Wender, Aglaja Popoff

Workshop, Freitag 14:00 - 15:30

"step in - mentoring+mobilität" will junge Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe motivieren und qualifizieren. Das Projekt verknüpft seit nunmehr zwei Jahren in der Region Süd-Ost-Niedersachsen erfolgreich handlungsorientierte Angebote mit einem Mentoring-Programm. Das Mentoring wurde an die spezifischen Interessen und Bedürfnisse der Schülerinnen angepasst. Im Vordergrund stehen zeitlich begrenzte Formen des Gruppenmentorings im Rahmen von Projektangeboten wie Technikcamps oder Mentoring-Workshops sowie ein sich daraus entwickelnder individueller Austausch zwischen Schülerin und verschiedenen Mentorinnen. Statistische Überprüfungen haben einen sofortigen Effekt hinsichtlich der Stärkung der zugeschriebenen Kompetenz und anderer Variablen gezeigt. In Einzelfällen lässt sich bereits eine direkte Auswirkung der Projektmaßnahmen auf die Wahl von Studienfächern feststellen - zur langfristigen Wirkung lassen sich jedoch noch keine gesicherten Aussagen treffen.

Bezug zum Schwerpunkt:
Noch immer sind die Frauenanteile in bestimmten technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sehr niedrig - doch die Tendenz ist steigend. Dazu tragen Bildungsprojekte speziell für junge Frauen bei, wie etwa "step in - mentoring + mobilität" in der Region Süd-Ost-Niedersachsen. Solche Projekte werden auch weiterhin wichtig bleiben, damit Frauen in Naturwissenschaft und Technik nicht mehr Ausnahmen, sondern endlich Standard sind!

Die Referentinnen:
Ingeborg Wender: seit 1989 Frauenbeauftragte der Technischen Universität Braunschweig; seit 1993 wissenschaftliche Leiterin von Förderprojekten zur Motivierung und Qualifizierung von jungen Frauen für technikbezogene Studien- und Berufsfelder. Aglaja Popoff: seit Juni 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "step in - mentoring + mobilität" - einem Projekt zur Motivierung und Qualifizierung junger Frauen für technikbezogene Studiengänge und Berufe.

8.3. Evaluation des GirlsDay - Mädchen-Zukunftstag

Wenka Wentzel

Seminar, Samstag 16:00 - 17:30

Am 8. Mai 2003 fand der dritte bundesweite GirlsDay statt. An dem bundesweiten Aktionstag öffnen technische Unternehmen, Betriebe mit technischen Abteilungen und Ausbildungen, Hochschulen und Forschungszentren ihre Türen für Mädchen der Schulklassen 5-10, um ihnen durch vielfältige Veranstaltungen Einblicke in die Arbeitswelt zu geben und eine frühzeitige Kontaktaufnahme zu Praktikums- und Personalverantwortlichen zu ermöglichen.
Hier sollen nicht nur die organisatorischen Hintergründe des GirlsDays und der Verlauf der Aktion, sondern auch die Ergebnisse der Evaluation des GirlsDay des Jahres 2002 vorgestellt werden: wer nahm teil - welche Berufswünsche haben die Mädchen - inwiefern beeinflussen das Alter und der Schultyp den die Mädchen besuchen, ihre beruflichen Vorstellungen - hat der GirlsDay überhaupt einen Einfluss auf die Wunschberufe der Mädchen...

Bezug zum Schwerpunkt:
Mädchen sind immer noch nicht der Standard in unserer Gesellschaft. Das spiegelt sich u.a. darin wider, dass das Spektrum ihrer Berufswahl relativ gering ist und sich auf eher schlecht bezahlte Berufe bzw. Berufe mit eher niedrigem sozialen Status erstreckt. Der GirlsDay möchte Mädchen zeigen, dass das Spektrum der möglichen Wunschberufe aber doch viel größer ist.

Die Referentin:
Ich arbeite in dem Projekt und bin für die Evaluation verantwortlich.

8.4. Gender-awareness durch Selbstsicherheits- und Konflikttrainings: ein Angebot von "step in - m+m"

Aglaja Popoff, Ingeborg Wender

Workshop, Freitag 16:00 - 17:30

"step in - mentoring+mobilität", ein Projekt zur Motivierung und Qualifizierung von jungen Frauen für technikbezogene Berufe, bietet im Rahmen seines Mentoring-Programmes Selbstsicherheits- und Konflikttrainings für Schülerinnen einerseits sowie für Fachfrauen aus technischen Berufen andererseits an. Basierend auf dem Braunschweiger Trainingsmodell (verantwortliche Trainerin: Dr. Gabriele Krause) wird in zwei getrennten Gruppen anhand von Rollenspielen selbstsicheres Verhalten in männerdominierten Situationen in Beruf, Freizeit und Schule geübt. Dieser Beitrag zur Gender-Awareness, Sensibilisierung und Bewusstmachung geschlechtertypischen Verhaltens am Arbeitsplatz ist für die Fachfrauen in ihrer Tätigkeit als Mentorinnen, in der sie eine Vorbildfunktion für Schülerinnen einnehmen sollen, von großer Wichtigkeit. Der Workshop führt in das Konzept dieses Trainings ein, zeigt seinen Stellenwert innerhalb eines Mentoring-Programms und stellt erste Evaluations-Ergebnisse vor.

Bezug zum Schwerpunkt:
Noch immer sind die Frauenanteile in bestimmten technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen sehr niedrig - doch die Tendenz ist steigend. Dazu tragen Bildungsprojekte speziell für junge Frauen bei, wie etwa "step in - mentoring + mobilität" in der Region Süd-Ost-Niedersachsen. Solche Projekte werden auch weiterhin wichtig bleiben, damit Frauen in Naturwissenschaft und Technik nicht mehr Ausnahmen, sondern endlich Standard sind!

Die Referentinnen:
Aglaja Popoff: seit Juni 2002 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "step in - mentoring + mobilität" - einem Projekt zur Motivierung und Qualifizierung junger Frauen für technikbezogene Studiengänge und Berufe.
Ingeborg Wender: seit 1989 als Frauenbeauftragte der Technischen Universität Braunschweig; seit 1993 als wissenschaftliche Leiterin von Förderprojekten zur Motivierung und Qualifizierung von jungen Frauen für technikbezogene Studiengänge und Berufe.

8.5. Lernen durch Experimentieren: Reflexive Koedukation in der Grundschule (mit Experimenten)

Monika Bessenrodt-Weberpals

Workshop, Samstag 16:00 - 17:30

Grundschulkinder, Mädchen wie Jungen, interessieren sich sehr für naturwissenschaftliche Phänomene. Dieses Interesse gilt es im Sachunterricht zu vertiefen. Gefragt ist handlungsorientiertes Lernen durch selbständiges Experimentieren zu schülerzentrierten Themen. Um die Mädchen besonders anzusprechen, bietet sich eine Einbettung in die Alltagswelt der Kinder an.
Der Beitrag referiert die Ergebnisse eines Pilotprojektes, in dem ich die Kinder mit reflexiver Koedukation unterrichtet habe. Hier habe ich den Alltagsbezug hergestellt, indem ich erstens im Wesentlichen mit Alltagsgegenständen experimentieren lasse, zweitens eine erfahrungsorientierte Umwelterziehung vermittele und schließlich zahlreiche Anwendungen im Alltagsleben mit den Kindern bespreche. Der Beitrag wird Experimente aus diesem Projekt zeigen.
Dieses Projekt wird von den Kindern freiwillig gewählt und hervorragend angenommen. Es zeichnet sich durch einen sehr hohen Mädchenanteil aus.

Bezug zum Schwerpunkt:
Grundschulkinder, Mädchen wie Jungen, interessieren sich sehr für naturwissenschaftliche Phänomene, insbesondere in ihrer Alltagswelt. Dieses natürliche Interesse geht leider im Laufe der Pubertät zurück.
>Eine Norm, die daneben ist< Dazu trägt sicherlich bei, dass gerade Physik und Chemie als "männliche" Wissenschaften gesehen und aus einem sehr technischen Blickwinkel gelehrt werden. Dieser technische Blickwinkel als Norm ist viel zu eng gegenüber der viel weiteren Alltagswelt mit ihren reichhaltigen naturwissenschaftlichen Phänomenen.
>Eine Ausnahme, die die Regel ist< Mädchen wünschen einen stärkeren Bezug des naturwissenschaftlichen Unterrichts zu ihrer Alltagswelt. Bisher ist die Erfüllung dieses Wunsches eher die Ausnahme. Aber sie lässt sich zur Regel erheben, indem Lehrkräfte und Lehrbücher für den Sachunterricht der Grundschulen Anregungen zu passenden Themengebieten erhalten.

Die Referentin:
Ich bin Gründungsmitglied des Arbeitskreises Chancengleichheit (AKC) der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), in dessen Vorstand ich seit 2000 als stellvertretende Sprecherin und seit 2002 als Sprecherin arbeite. Im Frühjahr 2002 habe ich mit der Konzeption eines Pilotprojektes "Experimentieren und Entdecken - Experimente für den Sachunterricht an Grundschulen" begonnen, das mittels reflexiver Koedukation sich der Mädchenförderung im naturwissenschaftlichen Unterricht in der Grundschule annimmt. Im Herbst 2002 habe ich die praktische Umsetzung an einer Göttinger Grundschule verwirklicht, die von den Kindern, insbesondere den Mädchen, hervorragend angenommen wird. Dazu werde ich jetzt auch in Göttingen ein Fortbildungsseminar für Lehrkräfte der Grundschule abhalten.

8.6. LIFE e.V. - Förderung von jungen Frauen in Handwerksberufen, Integration von Umweltbildung

Maria Roos, Martina Bergk

Vortrag, Samstag 11:00 - 12:00

LIFE e.V. - Ökotechnisches Frauenbildungszentrum Berlin stellt sich vor: Ziel der Arbeit ist unter anderem - und das soll hier der Schwerpunkt sein - junge Frauen auf dem Weg in eine handwerklich-technische Berufsausbildung zu unterstützen. Die Hindernisse in diesen männerdominierten Berufsfeldern stellen sich im Handwerk z.T. vergleichbar, z.T. aber auch völlig anders dar als im akademischen Bereich. LIFE arbeitet hier in verschiedenen Projekten zur Unterstützung beim Übergang Schule - Ausbildung (1. Schwelle) und beim Übergang Ausbildung - Beruf (2. Schwelle). Einige Ergebnisse dieser Arbeit werden auf dem Kongress vorgestellt.

Bezug zum Schwerpunkt:
Nur wenige junge Frauen suchen oder finden einen Einstieg in die handwerkliche Berufe, die stark männerdominiert sind, z.T. weil ihnen nicht bewußt ist, dass dies eine Option für sie ist, z.T. weil sie ihre Talente nicht kennen.

Die Referentinnen:
Maria Roos arbeitet seit 1992 als Umweltingenieurin bei LIFE e.V. in Berlin. Schwerpunkt der Arbeit: Integration von Umweltbildung und Solartechnik in Erstausbildung und Fortbildung im Elektro- und Gas-Wasser-Installations-Handwerk. Seit 2002 arbeitet Martina Bergk mit Maria Roos im EU-Projekt: "Curriculum Greening Europe" Unser Schwerpunkt: Entwicklung einer CD-ROM: Umweltbildung im Elektrohandwerk

8.7. Mädchen, Jungen und Computer in der Grundschule - stimmen die geschlechtsspezifischen Normen noch?

Dr. Bettina Jansen-Schulz

Vortrag, Samstag 11:00 - 12:30

Die bisherigen Erkenntnisse zu Mädchen und Jungen am Computer wurden v.a. in Untersuchungen mit älteren Kindern gewonnen. Sie fördern die Klischees vom pragmatischen vorsichtigen Mädchen am Computer und dem wagemutigen hackenden Jungen. Aber stimmen diese überhaupt noch - legen sie nicht Normierungen fest, die auf die heutigen Grundschul-Computerkids - und hier besonders auf die Mädchen gar nicht mehr zutreffen, weil der Umgang mit dem Computer auch für Mädchen im Grundschulbereich heute selbstverständlich ist? Welche Erfahrungen haben Mädchen und Jungen im Grundschulalter mit dem Computer, welche Zugänge ermöglichen ihnen den Umgang mit dem Computer und wie arbeiten und spielen sie mit dem und am Computer. Sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Mädchen und Jungen feststellbar und welche didaktischen Unterstützungsmassnahmen gibt es? Ergebnisse und Erkenntnisse aus einer bundesweit z.Zt. einzigen Grundschulstudie, die im Rahmen des Hamburger BLK-Modellversuchs "Schwimmen lernen im Netz" erarbeitet wurde, werden im Vortrag vorgestellt.

Die Referentin:
Als Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin beschäftige ich mich seit 1989 mit dem Themenbereich Gender, Technik, Berufsorientierung und Koedukation in Forschung, Hochschullehre, Lehrerinnenbildung und landesweiten und bundesweiten Projekten. Als selbständige Unternehmensberaterin leite und evaluiere ich BLK-Modellversuche und andere Projekte für Mädchen und Frauen. Z.Zt. untersuche ich im Auftrag des Hamburger Senatsamtes f.d. Gleichstellung im Rahmen des Hamburger BLK-Modellversuchs "Schwimmen lernen im Netz" die unterschiedliche Computernutzung von Mädchen und Jungen in der Grundschule. Ergebnisse aus dieser Studie stelle ich auf dem Kongress vor.

8.8. Naturwissenschaft und Technik - nicht nur für Männer! -
Das Ada-Lovelace-Projekt stellt sich vor.

Judith Ebach

Vortrag, Freitag 14:00 - 14:45

Trotz gleicher Bildungschancen für Mädchen und einem bundesweiten Abiturientinnenanteil von mittlerweile 54 % nutzen die jungen Frauen die Chancen der naturwissenschaftlich-technischen Berufe noch viel zu wenig. Mögliche Ursachen für den geringen Frauenanteil in diesen Studien- und Arbeitsfeldern werden aufgezeigt. Unter anderem sind es die Erwartungen des sozialen Umfeldes und die fehlenden Vorbilder, die die Mädchen und jungen Frauen an einer entsprechenden Studien- und Berufswahl hindern. Das Ada-Lovelace-Projekt, ein Mentorinnen-Netzwerk in Rheinland-Pfalz, möchte den jungen Frauen Mut machen, sich entgegen der gesellschaftlichen Erwartungen für die Verwirklichung ihrer Interessen und Begabungen in männerdominierten technisch-naturwissenschaftlichen Berufen zu entscheiden. Es werden die Ziele, die Methoden und die vielfältigen Angebote des Ada-Lovelace-Projektes sowie Ergebnisse der Projektarbeit vorgestellt.

Bezug zum Schwerpunkt:
Den Bezug zum Schwerpunktthema sehe ich dort, wo junge Frauen sich entgegen der gesellschaftlichen Erwartungen für eine Ausbildung in männerdominierten Berufen / Studiengängen entscheiden. Diese Frauen brauchen Mut zur Abweichung von gesellschaftlichen Normen und Geschlechterstereotypen. Das Ada-Lovelace-Projekt geht hierauf ein und will die Schülerinnen durch gezielte Maßnahmen ermutigen, sich für ihre Interessen und Begabungen und für einen attraktiven Beruf zu entscheiden, auch wenn dies den Erwartungen ihres sozialen Umfeldes widerspricht.

Die Referentin:
Ich arbeite seit einem Jahr im Ada-Lovelace-Projekt als Leiterin der zentralen Koordinierungsstelle. Das Ada-Lovelace-Projekt möchte Mädchen und jungen Frauen Mut machen, naturwissenschaftliche und technische Studiengänge und Berufe zu wählen. Studentinnen und Auszubildende dieser Fachrichtungen gehen als Mentorinnen in die Schulen, um Schülerinnen ein Vorbild zu sein und sie über naturwissenschaftlich-technische Studiengänge und Berufe zu informieren. Das Ada-Lovelace-Projekt ist an allen Hochschulen mit technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen in Rheinland-Pfalz vertreten.

8.9. Vom Girls'Day zum Studium? Studienorientierungsangebote in der Universität Bremen

Claudia König, Veronika Oechtering

Vortrag, Freitag 14:00 - 15:30

Im Rahmen des Verbundprojekts des Landes Bremen "Frauen studieren Naturwissenschaft und Technik" bauen wir innerhalb der Universität Bremen ein Maßnahmenbündel zur Studienorientierung junger Frauen auf. Es geht aus vom Girls'Day für Schülerinnen ab der 5. Klasse und enthält verschiedene fächerübergreifende genauso wie fachspezifische Angebote, die sich an Schülerinnen der Sek. I sowie Sek. II richten. Hierauf bauen Angebote für Studentinnen im Grundstudium auf. Im Vortrag werden das Konzept sowie die bisherigen Erfahrungen vorgestellt.

Bezug zum Schwerpunkt:
Da unsere Zielgruppe Frauen in Naturwissenschaften und Technik sind und wir selbst solche sind, sind wir Teil der "doppelten Abweichung vom Standard".

Die Referentinnen:
Seit zwei Jahren arbeiten wir im Rahmen des Verbundprojekts des Landes Bremen "Frauen studieren Naturwissenschaft und Technik" an diesem Thema. Seit vielen Jahren sind wir mit der Konzeption und Durchführung von Studienorientierungs- und Studienreformmaßnahmen für Frauen in der Universität Bremen befasst.

8.10. Workshop für Schülerinnen: Stellensuche im Internet und Bewerbung per Email

Mechthild Becker

Workshop, Samstag 9:00 - 12:00

Ich habe schon öfters meine Lieblings-Popgruppe im Internet besucht und mir Musik oder Fotos heruntergeladen. Ich chatte wahnsinnig gerne - aber einen Ausbildungsplatz oder einen Arbeitsplatz im Internet finden- geht das überhaupt? Na klar! Wir informieren uns im Internet über neue Berufe, nutzen Informationsdienste der Arbeitsämter und Kammern, lernen Jobbörsen kennen und fahnden nach Ausbildungsplätzen bei Firmen unserer Wahl. Ja und dann folgt die Bewerbung: Kann ich einen Fragebogen auf der Firmenhomepage ausfüllen oder was sollte ich bei einer Email- Bewerbung beachten? Wie sieht hier der berühmte "Kaffeefleck" aus - also das absolute K.O. Kriterium? Wir werden im Internet selbst nach den Antworten suchen und dazu praktische Tipps von der Moderatorin erhalten. Selbstverständlich können auch Schülerinnen ohne Erfahrungen im Internet an dem Workshop teilnehmen, wenn wir uns gegenseitig unterstützen und die erfahrenen Schülerinnen den Anfängerinnen helfen.

Zielgruppe:
Schülerinnen

9. Vernetzung/Kongress

9.1. Der Dokumentarfilm zum Kongress

Organisationsgruppe des Kasseler FiNuT-Kongress 2002

Film, Freitag 18:00 - 19:05

Beim Kasseler Jubiläums-Kongress wurde im Auftrag der Organisationsgruppe von Anja Stojanek und Britta Lorch ein Dokumentarfilm zum Kongress von Frauen in Naturwissenschaft und Technik gedreht. Der entstandenen Film von ca. 35 Minuten Länge konzentriert sich dabei auf die Themen des Kongresses: wie sich zum Beispiel die Situation von Frauen in Naturwissenschaft und Technik darstellt und was sich in 25 Jahren verändert hat, was feministische Wissenschafts- und Technikforschung ist, wie die "Kinderfrage" gesehen wird, und und und.
Die Filmerinnen haben eine Vielzahl von Kongressteilnehmerinnen und -referentinnen zu diesen Themen interviewt (z.B. Helene Götschel, Brigitte Ratzer, Kira Stein, Christiane Erlemann). Dabei spiegeln die gemachten Aussagen die unterschiedlichen Ansichten und Erfahrungen von Frauen in Naturwissenschaft und Technik wider.

9.2. "Kongress von Frauen in Naturwissenschaft und Technik? Nie gehört!?!" Öffentlichkeitsarbeit für den Kongress

Petra Mayerhofer

Workshop, Samstag 9:00 - 10:30

Um neue Frauen zu erreichen und die Kongressziele und -ergebnisse zu verbreiten, verschicken die jeweiligen Kongress-Vorbereitungsgruppen Kongressankündigungen per Email und Post, verbreiten Plakate, geben Pressemitteilungen heraus, laden zu Pressekonferenzen ein und schreiben Artikel. Dennoch werden viele Frauen nicht erreicht! Der Kongress und seine Ziele sind noch nicht bekannt genug! Um die Vorbereitungsgruppen fernab vom Veranstaltungsort zu unterstützen, wurde vor mehr als einem Jahr das Multiplikatorinnen-Netzwerk ins Leben gerufen. Jede Multiplikatorin bestimmt dabei selbst, was sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit des Kongresses machen möchte und kann.
Bisher ist das Netzwerk noch klein und in seiner Wirkung begrenzt, doch wollen wir das ändern. In diesem Workshop sollen sich zum einen die Multiplikatorinnen gegenseitig kennen lernen, zum anderen wollen wir besprechen, was das Netzwerk leisten kann und wie seine Arbeit verbessert werden kann.

Zielgruppe:
Multiplikatorinnen und solche, die es eventuell werden wollen; Frauen mit Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit und Ansprache neuer Frauen.

Die Referentin:
Das Multi-Netzwerk habe ich in Rahmen der Vorbereitung auf den Kasseler Kongress vor 1,5 Jahren gestartet. Mit diesem WS möchte ich das Netzwerk weiterentwickeln.

9.3. Die Zeitschrift "Koryphäe" aus Wien - Erste Bilanz und neue Perspektiven

Sonja Hnilica, Petra Seibert, Rosemarie Zehetgruber

Workshop, Samstag 16:00 - 17:30

Die "Koryphäe - Medium für feministische Naturwissenschaft und Technik" ist den alten Kongressbesucherinnen sicher bekannt. Die Gründerin Eva Sassen hat die Redaktion im Jahr 2001 an eine neue Gruppe aus Wien übergeben. Wir möchten das Forum des Kongresses nutzen, um den Kontakt zu neuen und alten Leserinnen, sowie den vormaligen Redaktionsfrauen zu suchen. Wir möchten Euch eine Gelegenheit geben, uns kennen zu lernen, freuen uns auf Euer Feedback und hoffen, Euch zum Mitmachen zu ermuntern.
- Kurzvorstellung der Redaktionsgruppe und wie wir arbeiten.
- Diskussion der thematischen Ausrichtung und inhaltliches Feedback.
- Feedback zur Gestaltung und Werbung.
- Möglichkeiten, aus der Ferne zur Koryphäe beizutragen, zum Beispiel als Autorin oder Korrespondentin.
- Wir möchten gemeinsam eine Perspektive entwickeln, die Koryphäe präsenter zu machen, vor allem in Deutschland, und hoffen dabei auf gute Ideen und Insiderwissen von den deutschen Frauen.

Die Referentinnen:
Die Redaktion der Koryphäe in Wien arbeitet seit 2001 (Übernahme von Eva Sassen) gemeinsam an der Herausgabe des "Mediums für feministische Naturwissenschaft und Technik" zwei Mal pro Jahr. Die meisten von uns nehmen seit vielen Jahren an den FiNuT-Kongressen teil, viele waren Teil der Vorbereitungsgruppe für den Kongress 2001 in Wien. Wir sind zwischen 27 und 46 Jahre alt. Auch wenn es manchmal anstrengend ist und das Einhalten der Termine (wie die Kory rechtzeitig zum Kongress herauszubringen) nicht immer einfach, macht es uns viel Spaß und wir sind ziemlich Stolz auf die Hefte, die wir gemeinsam mit den Autorinnen und unserer Cartoonistin produziert haben! Alle Infos zur "Kory" finden sich im Web unter http://fluminut.at/kory/.

9.4. Empowerment in virtuellen (Frauen-)Räumen

Kerstin Sude, Ricarda Drüeke

Workshop, Freitag 14:00 - 17:00

In dem Forschungsprojekt "E-Empowerment" an der TU Hamburg-Harburg werden derzeit die Internetauftritte von (elektronischen) Frauennetzwerken analysiert. Politische E-Frauennetze setzen Standards, aber keine Norm. In diesem Forschungszusammenhang stellen wir u.a. folgende Fragen: Wird mit diesen Räumen auch politische Partizipation verstärkt? Wie sieht es mit der Präsenz von "Frauenbelangen" im Bereich des E-Government aus, vermögen sich in der "virtuellen Agora" andere (Frauen-)Öffentlichkeiten zu konstituieren? Gilt der enge Politikbegriff als die Norm, oder kann mit Hilfe der Untersuchung das dabei als Standard betrachtete auch umgedeutet werden? Im Workshop werden wir erste Ergebnisse des Projektes vorstellen. Gemeinsam mit den Nutzerinnen wollen wir die Potenziale, die die Netze bieten, weiter erforschen. Ein Workshop, der auch für Anfängerinnen im "Netzwerkeln" geeignet ist und der der Weiterentwicklung von E-Network dienen soll.

Zielgruppe:
Auch für Anfängerinnen im Bereich E-Network geeignet. Wünschenswert wäre eine geringe Vorerfahrung mit (Frauen-)Netzen, d.h. z.B. mal ein Forum oder Chat ausprobiert, selbst Userin...

Maximale Anzahl der Teilnehmerinnen: 20

Die Referentinnen:
Kerstin Sude (Wiss. MA) und Ricarda Drüeke (Werkvertrag) forschen seit 11/02 für das Teilprojekt "E-Empowerment - die Nutzung des Internet in frauenpolitischen Netzwerken" in dem vom BMBF geförderten Verbundprojekt: "Frauen-Bewegung online" unter der Projektleitung von Prof. Dr. Gabriele Winker (TU Hamburg-Harburg) und Prof. Dr. Christina Schachtner (Marburg/Klagenfurt)

9.5. finut.net - was soll daraus werden?

Karin Wenzel, Martina Mayrhofer

Workshop, Samstag 16:00 - 17:30

finut.net wurde als dauerhafte Website und Anlaufadresse auf Kongressbeschluss eingerichtet. Derzeit bietet sie Kurzinformationen zum FiNuT-Kongress, Links auf die aktuellen Kongresse und im Hintergrund einige Tools für die aktuellen Kongressorganisatorinnen. Wir möchten mit interessierten Frauen darüber diskutieren, was in Zukunft aus dieser Website werden könnte. Und wir sind auf der Suche nach Frauen, die an konkreten Themen mitarbeiten wollen.

Zielgruppe:
Frauen mit Interesse am Thema und/oder dem Willen zur Mitarbeit

Die Referentinnen:
Derzeitige Betreuerinnen von finut.net

9.6. FiNuT-Finanzen

Dagmar Fuhr, Karin Wenzel (AG Finanzen)

Workshop, Freitag 14:00 - 15:30

Jedes Jahr wieder ist die Finanzierung des FiNuT-Kongresses für die lokale Organisationsgruppe ein Lotteriespiel, bei dem das persönliche Vermögen auf dem Spiel und der Schuldturm in Aussicht steht. Auch wenn es bisher (noch) immer gut gegangen ist, möchten wir über Möglichkeiten nachdenken, die Finanzierung des Kongresses langfristig zu sichern. Zum Beispiel durch Beschäftigung mit Fundraising, einer unterstützenden Finanzfrauengruppe, und anderen Ideen.

Zielgruppe:
Frauen mit Interesse an der Mitarbeit oder in Fundraising erfahrene Frauen

Die Referentinnen:
Die AG Finanzen besteht aus Frauen, die bereits an einer FiNuT-Kongress-Organisation beteiligt waren (Kasseler Kongress).

9.7. IT-Frauen und ihre Netzwerke

Marion Manowsky

Vortrag und Diskussion, Samstag 11:00 - 12:30

In den letzten 2 Jahren haben sich im deutschsprachigen Raum unzählige "Internet-Netzwerke" für IT-Frauen gebildet. Das Suchen, das Auffinden und die anschließende Auswahl des passenden Netzwerkes, ist nicht einfach. Die Auswahl hängt v.a. von den individuellen Anforderungen der IT-Frauen ab. Außerdem ist jederzeit mit einer unterschiedlich starken Entwicklung der Netzwerke durch bspw. neue Mitgliederinnen und sich ändernde finanzielle Rahmenbedingungen zu rechnen. Im Rahmen des Vortrags sollen IT-Frauen-Netzwerke analysiert und kategorisiert werden. Es sollen Wege aufgezeigt werden wie das "richtige" Netzwerk zu finden ist und wie frau sich durch aktives Netzwerken entwickeln kann.

Bezug zum Schwerpunkt:
In den letzten 2 Jahren haben sich im deutschsprachigen Raum unzählige "Internet-Netzwerke" für IT-Frauen gebildet. Alle mit dem mehr oder minder gleichen Ziel: einen Standard für und mit IT-Frauen zu erschaffen und zu belegen. Die empfundenen Abweichungen einer "technikbegeisterten Frau" von der Norm können durch die Unterstützung im Netzwerk aufgefangen werden. Durch starke IT-Frauen-Netzwerke können neue Normen gesetzt werden und können Beiträge dazu geleistet werden langfristig die Akzeptanz der "Ausnahmen die die Regel sind" zu stärken.

Die Referentin:
Ich bin wissenschaftliche Angestellte am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Eberhard Karls Universität Tübingen. Im Rahmen meiner Dissertation beschäftige ich mit mit IT-Frauen-Netzwerken unter Berücksichtigung des Managing Diversity-Ansatzes. Mit dieser Thematik habe ich mich theoretisch und auch "praktisch" über 2 Jahre befasst. Praktisch bedeutet, dass ich Mitglied in mehreren IT-Frauen-Netzwerken bin und auch aktiv mitarbeite.

9.8. Networking in Europe

Claudia Koltzenburg

Workshop (English), Freitag 9:00 - 10:30

Networking: what do I wish to use it for? How does networking start, how does it work? What can I do to benefit from networking? What can I contribute? How do I find others who are keen on discussing my topic? -- Feel free to join this workshop if you would like to learn more about the communication infrastructures we are using and how we might use them more conveniently to reach our goals. Please bring along a topic on which you might want to start a networking process.

Common aspects with the overall congress subject "standard:deviation":
Das Netzwerken gehört zu den wesentlichen Techniken nicht nur der wissenschaftlichen Kommunikation. Bestehende Infrastrukturen hierfür werden kurz beschrieben, ein Erfahrungsaustausch dazu im Workshop angeregt mit dem Ziel, die eigene Ausprägung der Nutzung der vorhandenen Strukturen zu beschreiben und ggf. sowohl für die Nutzungsarten als auch ggf. für die Umgangsformen eigene Maßstäbe zu entwickeln. Was davon dann als "Standard" und was als "Abweichung" empfunden werden könnte und wie die Dynamik zwischen diesen Kategorien in der praktischen Arbeit umgesetzt werden könnte, ist Gegenstand dieses Workshops.

Addressed women: Please to contribute in English

Maximal number of participating women: 15

The Author:
Am Networking-Beispiel "European Lesbian Studies" arbeite ich praktisch seit 1992 als Mit-Gründerin (zusammen mit Liana Borghi, Florenz) der "Lesbian Studies Division" im europäischen Frauenstudienverband WISE. Vor diesem Hintergrund habe ich mich zum 10-jährigen Jubiläum des dort entstandenen Netzwerks (www.sappho.net/wild) reflektierend mit den von mir erarbeiteten Kenntnissen und Methoden für die Netzwerkarbeit in europäischen Kontexten auseinandergesetzt und für die Queer Studies Conference in Warschau einen Workshop konzipiert. Nachdem der gleichnamige Workshop am 8.12. mit überwiegend polnischen TeilnehmerInnen sehr interessant verlaufen ist und ich konstruktives Feedback bekommen habe, möchte ich auch bei der FiNuT 2003 so einen Workshop "Networking in Europe", in englischer Sprache, anbieten. Nach der praktischen Erprobung des Netzwerkens im europäischen Lesbenstudienkontext und dem ersten Durchgang für diesen Workshop im international/polnischen Queer Studies Kontext wird der Workshop nun angepasst auf die Belange von deutschen und internationalen FiNuT-Teilnehmerinnen.

9.9. NUT e.V. stellt sich vor

Erika Schmedt

Vortrag, Freitag 16:00 - 17:30

Der Verein wurde 1988 auf dem Kongress Frauen in Naturwissenschaft und Technik gegründet und versteht sich als Berufsverband und kontinuierliche Interessensvertretung von Naturwisenschaftlerinnen und Technikerinnen gegenüber der Öffentlichkeit. NUT hat etwa 300 Mitfrauen aus naturwissenschaftlichen oder technischen Bereichen. Sie studieren, sind im öffentlichen Dienst, in der Privatwirtschaft, in Forschung und Lehre oder als Selbständige tätig. Willkommen bei NUT ist jede Frau aus Naturwissenschaft und Technik. Die Veranstaltung wendet sich an Frauen, die Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Informationsaustausch mit anderen Frauen aus ähnlichen Arbeitszusammenhängen suchen. Auch Frauen, die sich auf frauenpolitischer Basis in Naturwissenschaft und Technik engagieren möchten, finden im Verein gleichgesinnte und sind herzlich eingeladen.
Es werden die inhaltliche Arbeit des Vereins und seine Ziele dargestellt, sowie Angebote zur Vernetzung oder interdisziplinärer Zusammenarbeit aufgezeigt.
Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und Diskussion.

9.10. NUT-Frauen in Naturwissenschaft und Technik, Mitfrauenversammlung

Erika Schmedt

Netzwerk/Vernetzung, Freitag 17:30 - 20:00

Die Mitfrauenversammlung des Vereins NUT e.V. tagt frauenöffentlich. Alle NUT-Mitfrauen sind herzlich eingeladen, um über Themenschwerpunkte, geplante Projekte usw. zu diskutieren, sowie die neuen Vorstandsfrauen zu wählen. Es werden auch dieses Jahr wieder Frauen gesucht, die Lust haben für ein Jahr oder länger im Vorstand, bei vereinsinternen Veranstaltungen usw. mitzuarbeiten. Frauen, die nicht Mitfrauen sind bei NUT, möchten wir herzlich einladen, an der Versammlung teilzunehmen und mitzudiskutieren. Sie haben dort Gelegenheit, den Verein, seine Entscheidungsstrukturen und Arbeit kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Wir wünschen uns eine offene und breit angelegte Diskussion.

10. Fachgruppentreffen

10.1. Fachfrauentreffen Technische Redakteurin

Alexandra Schmidt, Silvia

Freitag 18:00 - 19:00

Technische RedakteurInnen erstellen Bedienungsanleitungen, Handbücher, Online Hilfen, Bauanleitungen etc für Toaster, Biogasanlagen, Software, Flugzeuge u. a.. Die meisten Technischen RedakteurInnen sind QuereinsteigerInnen (in der Regel AkademikerInnen) und haben ihre Qualifikationen durch Training on the Job erworben. Bis vor wenigen Jahren gab es in Deutschland kein Studium und keine Ausbildung, die mit dem Abschluss Technische/r Redakteur/in abschloss.
Viele Technische Redakteurinnen sind in ihrem Betrieb die einzige ihrer Art. Sie wissen nicht, wo sie sich über Weiterbildungsmaßnahmen informieren können. Ihnen fehlt ein Forum in dem sie sich inhaltlich, methodisch und persönlich austauschen können.
Die tekom (www.tekom.de) ist der Fachverband der technischen RedakteurInnen, AutorInnen und ÜbersetzerInnen. Ein Besuch der Webseite und das Anfordern von Infomaterial lohnt sich.

10.2. Fachgruppentreffen Biologie

angemeldet von: Anita Hopes

Freitag 18:00 - 19:00

Beim Fachgruppentreffen können sich Biologinnen aus den verschiedensten Bereichen kennen lernen, und sich über Studium, Beruf, Forschung, Lehre etc. austauschen. Ein bestehendes Netzwerk von Biologinnen wird vorgestellt und der Zugang dazu erklärt.
Außerdem wird vom vorigen Biologinnentreffen und den Arbeitskreisen dort berichtet. Das Biologinnentreffen findet meistens im Herbst statt. Ein wichtiger Teil des Fachgruppentreffens ist die Festlegung des Ortes, des Termins und evtl. auch schon einiger Inhalte für das nächste Biologinnentreffen.

10.3. Fachgruppentreffen für Planerinnen, Architektinnen und Bauingenieurinnen

angemeldet von: Karin Diegelfrau

Freitag 18:00 - 19:00

10.4. Fachgruppentreffen Geowissenschaften

angemeldet von: Alwine Witte

Freitag 18:00 - 19:00

10.5. Fachgruppentreffen IT/Informatik

angemeldet von: Nadja Faber

Freitag 18:00 - 19:00

Zielgruppe:
Frauen aus den Bereichen Informatik, Datenverarbeitung, Informationstechnologie, bereits aktive Fachfrauen sowie Quereinsteigerinnen und Interessierte.

11. Spaziergänge/Exkursionen

11.1. Exkursion zur "Weiberwirtschaft"

Samstag 16:00 - 18:00

11.2. Frauenhistorischer Rundgang: Frauen im Zentrum Berlins

Claudia von Gélieu (Frauentouren)

Samstag 16:00 - 19:00

Bei diesem Rundgang durch die Mitte Berlins, vom Roten Rathaus durchs Nikolaiviertel über den Gendarmenmarkt bis zur Humboldt-Universität Unter den Linden steht die weibliche Geschichte dieser zentralen Orte im Mittelpunkt: von Sophie Charlotte, der Initiatorin der Akademie der Wissenschaften, bis zu Lise Meitner, einer der ersten Professorinnen Berlins.
Treffpunkt: vor dem roten Rathaus.

11.3. Stadtspaziergang: Frauen in Berlin

Ella Haide, Feministische Umweltforschung

Donnerstag 13:00

Dieser Stadtspaziergang soll uns zu Geschichten, Räumen und Denkmälern von Frauen in Berlin führen. Dass dieser Rundgang jenseits des Standards üblicher Stadtführungen liegen wird, ergibt sich - abgesehen vom Thema - durch die Tatsache, dass er von Berliner Studentinnen zusammengestellt wird. Genauere Informationen über Treffpunkte, Dauer und Thema entnehmt bitte den aktuellen Infos auf dem Kongress.

Bezug zum Schwerpunkt:
stadtspaziergang jenseits standardisierten sight-seeings

Die Referentinnen:
Die Teilnehmerinnen der Seminars "Feministische Umweltforschung" werden die Führungen im Sommersemester erarbeiten.