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29. Kongress von Frauen in Naturwissenschaft und Technik29. Mai bis 1. Juni 2003 in BerlinSchwerpunktthema: standard:abweichung |
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Der Kongress 2003So war'sLiebe Leserin,am Himmelfahrtswochenende hatte der Kirchentag, der auf dem Südcampus der TU Berlin stattfand, im besonderen die Veranstaltung zum Thema Frau / Homosexualtät in der Kirche, durchaus Konkurrenz: Auf dem Nord-Gelände wurde der 29. Kongress "Frauen in Naturwissenschaft und Technik" abgehalten, der zum zweiten Mal in Berlin stattfand. 350 Frauen waren gekommen, um sich über ihre Situation als Studentin, Ingenieurin, Handwerkerin, Naturwissenschaftlerin oder Informatikerin in Männerdomänen auszutauschen, über feministische Naturwissenschaftsforschung oder über das Selbstverständnis von Frauen in Naturwissenschaft und Technik zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu diskutieren. Nun freuen wir uns, einige Fotos der facettenreichen Tage zeigen zu können. Zur Eröffnung führten Schirmfrau Prof. Hildegard Maria Nickel von der HU Berlin, Prof. Christina Thürmer-Rohr und Dr. Helga Satzinger vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin in das Schwerpunktthema des Kongresses standard:abweichung ein. Hinter diesem Motto steht für uns die kritische Auseinandersetzung damit, dass Standardisierung und Normierung unsere Wahrnehmung der Welt erheblich beeinflussen und uns im Alltag die Orientierung erleichtern, gleichzeitig aber ein Denken in Schubladen fördern und manchmal verhindern, dass wir für neue Dinge offen sind. Im Bereich von Naturwissenschaft und Technik haben Standards und Raster ein besonderes Gewicht: Hier gelten Standards als Garant für klare Resultate und reproduzierbare Ergebnisse. Während der vier Kongresstage ging es darum, diese scheinbar objektiven Richtwerte und Raster in verschiedenen Themenbereichen zu hinterfragen. Welche Bedeutung haben Normen und Raster für unsere berufliche und persönliche Identität? Welche genderspezifischen Auswirkungen hat eine auf technologische Entwicklung und Verwertung ausgerichtete Gesellschaft? Ziel ist dabei, zu einem feministischen, Ausgrenzungen abbauenden Umgang mit Technik und Naturwissenschaft zu kommen. Dies erfolgte in vielen der gut 80 Einzelveranstaltungen, Fachvorträgen und Workshops, die am Freitag und Sonnabend stattfanden. Viele Referentinnen bezogen sich in ihrer Veranstaltung auf das Schwerpunktthema. Einen Höhepunkt bildete die Podiumsdiskussion mit dem Titel "Das Technische ist politisch": die Teilnehmerinnen setzten sich damit auseinander, welchen Anteil Frauen an der Macht haben, Technologien zu formen und diskutierten kontrovers über die Bedeutung der Begriffe Technik und Politik. Einigkeit bestand darin, dass Technikgestaltung und Techniknutzung in sozialen Räumen erfolgen, die von patriarchal geprägten Machtverhältnissen, Geschlechterhierarchie und der Annahme dichotomer Zweigeschlechtlichkeit durchtränkt sind. Ein weiteres Highlight war eine Open-Space-Veranstaltung, auf der die Frauen ihren eigenen Zugang zum Thema standard:abweichung reflektierten. Diese interaktive kreative Methode wurde zum ersten Mal auf einem FiNuT-Kongress angeboten. Begleitet wurde der Kongress ferner von einem bunten Rahmen- und Kulturprogramm, das Gelegenheit zum miteinander feiern, genießen und lachen bot. Das Organisationsteam hatte eine Internationalisierung des Kongresses angestrebt. Erfreulich ist, dass trotz der bis zum Beginn des Kongresses ungesicherten Finanzsituation vier Referentinnen aus der Ukraine eingeladen werden konnten. Diese forderten dazu auf, über den Tellerrand nach Osten zu schauen und stellten ihre Arbeiten zur Frauenförderung vor. Immer wieder taucht die Frage auf, ob ein Kongress von Frauen für Frauen noch zeitgemäß ist oder ob FiNuT nicht auch für Männer geöffnet werden sollte. Wie sich gezeigt hat, besteht ein großer Konsens darin, dass der reine Frauenraum eine Besonderheit des Kongresses ist, die den Teilnehmerinnen wichtig ist und eine besondere Motivation zur Teilnahme darstellt. Gleichzeitig möchten viele den Kongress aber auch bekannter machen und wünschen sich, dass die Themen breiter diskutiert werden. In der Schweiz, wo der nächste FiNuT-Kongress im Jahr 2004 stattfinden wird, werden erstmals im Rahmen des Kongresses einige zusätzliche Veranstaltungen angeboten werden, die für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich sind. Noch ist ein Frauen-Kongress an sich schon eine Abweichung oder ein Politikum, das weiterhin nötig ist, um Frauen im Naturwissenschafts- und Technikbetrieb zu fördern, mit dem Ziel, dass Frauen hier irgendwann auch zum Standard gehören. Die konstante Teilnehmerinnenzahl und die lebendigen Diskussionen zeigen, dass diese Auseinandersetzung nach wie vor hochaktuell ist. Für alle Teilnehmerinnen bietet sich hier nun eine schöne Gelegenheit, sich an die diesjährigen Kongresserlebnisse zu erinnern. Viel Spaß dabei wünscht das Berliner Orga-Team |